Ex-Facebook-Manager Antonio García Martínez : „Zuckerberg schaut einem nie in die Augen“

Facebook vernetzt die Menschen in aller Welt, doch Interna aus der Firma dringen kaum nach draußen. Antonio García Martínez spricht über Schlachtreden, Visionen und die Macken des Chefs Mark Zuckerberg.

Hannes Grassegger
Facebook-Chef Mark Zuckerberg spricht im Februar 2016 in Berlin im Facebook Innovation Hub.
Facebook-Chef Mark Zuckerberg spricht im Februar 2016 in Berlin im Facebook Innovation Hub.Foto: dpa

Der heute 40-Jährige Antonio García Martínez arbeitete von 2011 bis 2013 im mittleren Management bei Facebook und hatte häufig mit Mark Zuckerberg zu tun, dem Gründer und Chef. Dieser stand auf der "Forbes"-Liste der reichsten Menschen der Welt auf Platz 6, geschätztes Vermögen: 44 Milliarden US-Dollar. Nach seiner Kündigung hat Martínez, als Erster, seine Erfahrungen in einem Buch aufgeschrieben. "Chaos Monkey" erschien diesen Sommer auf Englisch.

Herr Martínez, wenn Sie an Ihr Vorstellungsgespräch vor fünf Jahren bei Facebook zurückdenken: Was fiel Ihnen damals als Erstes auf?

Auf den automatischen Schiebetüren am Eingang stand das Wort „Hack“. Das ist das oberste Gebot bei Facebook. Das neue Headoffice liegt an der Adresse „1 Hacker Way“. Auf Google Earth erkennt man, dass das Wort „Hack“ in riesigen Buchstaben in den zentralen Innenhof eingelassen ist.

Mit „Hack“ ist was gemeint?

Es kommt natürlich von „hacken“. Im Silicon Valley meint „Hack“ aber etwas Positives. Es steht dafür, sich ein System zu erschließen und es nach den eigenen Vorstellungen zu ändern.

Wie ging Ihr erster Tag dann weiter?

Ich musste am Empfang eine Vereinbarung unterzeichnen, dass ich niemandem jemals erzählen würde, was ich hier drinnen gesehen habe.

Und schon waren Sie Teil von Facebook.

Nein, so was muss jeder Besucher unterzeichnen, der eine Einladung bekommt. Diese sogenannten NDA-Verträge, die einen unter Klageandrohung verpflichten, alles zu vergessen, was man hier sieht, sind in der Branche üblich. Es ist schon lustig, die Tech-Unternehmen leben davon, einen abzuhören, ihre eigene Privatsphäre verteidigen sie aber mit allen Waffen.

Sie mussten später bei Facebook noch härtere Stillschweigeklauseln unterzeichnen. Jetzt packen Sie in Ihrem Buch aus, nennen Namen, Summen, Interna. Fürchten Sie keine Klagen?

Das kann jederzeit passieren.

Noch mal zu Ihrem Vorstellungsgespräch ...

Erst mal gab es einen Tag lang Prüfungen, ein Meeting nach dem anderen. Persönlichkeitsscreening, Logiktests, sie überprüften meine Vereinbarkeit mit der Facebook-Kultur.

Das klingt wie bei vielen dieser Unternehmen.

Zwischendurch ging ich mal auf die Toilette. Da hörte ich ein komisches Klackern. Ich kannte das Geräusch, eine Tastatur. Da war jemand am Programmieren. Als ich mir die Hände wusch, sah ich im Mülleimer eine ganze Menge gebrauchter Einwegzahnbürsten. Die wurden vom Unternehmen gestellt und offensichtlich auch genutzt.

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