Frankfurter Buchmesse : Sprachliche Vielfalt: Typisch Französisch

Rund 80 Millionen französische Muttersprachler gibt es weltweit. Sie alle haben ihre eigenen Slang entwickelt. Wie sie diesen vor englischen Einflüssen schützen und wie ein Stück französische Sprache im Deutschen zu finden ist.

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Typisch Französisch? Zumindest bei der Sprache halten es die Franzosen meist traditionell.
Typisch Französisch? Zumindest bei der Sprache halten es die Franzosen meist traditionell.Foto: Patrick Lux/dpa

MONDIALISÉ

Französisch wird, als einzige Sprache neben Englisch, offiziell auf allen fünf Kontinenten gesprochen. Die meisten der etwa 80 Millionen Muttersprachler leben in Europa; in der EU ist Französisch die zweithäufigste Muttersprache nach Deutsch. Die Mehrzahl der frankophonen Afrikaner lernt Französisch dagegen erst in der Schule, als zweite oder sogar dritte Sprache. Nicht nur dort vermischt es sich mit anderen Idiomen:

 

aller au pas de caméléon (Kongo) = im Chamäleon-Schritt = marcher très lentement (sehr langsam laufen)

ambiancer (Westafrika) = sich amüsieren, feiern = s'amuser, faire la fête

le bourgmestre (Wallonie) = Bürgermeister = le maire

une blonde (Québec) = Freundin, Partnerin = une petite amie

la dringuelle (Wallonie) = Trinkgeld = le pourboire

faire palabre (Elfenbeinküste) = lange diskutieren = discuter longuement

likoul (Maghreb) = die Schule = l’école

la poudrerie (Québec) = Schneetreiben = la neige soulevée par le vent comme une fine poudre

poutser (Schweiz) = putzen = faire le ménage, nettoyer

trissiti (Maghreb) = Elektrizität = l’électricité

le tuque (Québec) = große Wollmütze, die die Ohren bedeckt = un bonnet en laine qui cache les oreilles

un witz (Schweiz) = ein Witz = une blague

 

FRANGLAIS

Trotzdem bemühen sich die Franzosen sehr, ihre Sprache vor fremden Einflüssen zu schützen. In früheren Jahrhunderten beeinflusste eher Französisch das Englische. Davon zeugen Begriffe wie Mail (von: malle-poste, Postkutschentruhe) und Management (von: ménagement, veraltet für: Verwaltung). Da heute immer mehr englische Worte in die französische Sprache eindringen, beklagen manche eine Vermischung von francais und anglais, kurz: franglais. In Frankreich wacht die 1635 gegründete Académie francaise über die Reinhaltung der Sprache. Ihre 40 auf Lebenszeit berufenen Mitglieder wägen ab: Manchmal halten sie die Übernahme ausländischer Wörter für geboten, und manchmal finden sie, man könnte das Ganze doch mindestens genau schön auf Französisch sagen:

 

After-shave = après-rasage
Computer = Ordinateur
Dealer = Trafiquant
digital = numérique
Fake News = contre-vérités (Gegenwahrheiten)
LOL (laugh out loud, voller Lachen) = MDR (mort de rire = sterben vor Lachen)
online = en ligne
self servive = libre-service
Walkman = Baladeur

 

BERLINOIS

Und weil sich vieles auf Französisch ganz formidable (großartig) sagen lässt, klingen manche deutschen Worte, als wären sie französischen Ursprungs - sind es aber gar nicht. Zu diesen "Scheingallizismen" gehören etwa Friseur, Blamage, Staffage oder Gardine. Bei den Berliner Begriffen, die wahrscheinlich französische Wurzeln haben, würde man es dagegen oft gar nicht vermuten:

 

alle = vergriffen = von: "C'est allé" (Das ist ausgegangen)
blümerant = unwohl = von: bleu morant ("sterbendes", blasses blau)
Botten = Schuhe = von: des bottes (Stiefel)
Bulette = Hackfleischkugel = von: la boulette (das Kügelchen)
gewieft = gerissen = von: vif (lebendig)
Kinkerlitzken = Kleinigkeiten = von: la quincaillerie (Eisen- und Haushaltswaren)
krakeelen = Lärm machen = von: la querelle (der Streit)
Lamäng, aus der = etwas routiniert machen = von: la main (die Hand)
mutterseelenallein = vollkommen allein = von: moi tout seul (ich ganz allein)
plärren = weinen = von: pleurer (weinen)
proper = sauber = von: propre (sauber)
todschick = sehr hübsch = von: tout chic (ganz und gar hübsch)

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