Lafontaines Ex-Frau Christa Müller : "Wozu braucht man eigentlich noch Männer?"

Sie gab ihre Karriere auf, bekam ein Kind, pflegte Mutter und Schwiegermutter – dann ging ihr Mann Oskar Lafontaine. Christa Müller über wehrhafte Hausfrauen, das Betreuungsgeld und ihren Ärger über Feministinnen.

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Christa Müller
Christa MüllerFoto: dpa

Frau Müller, zuletzt traten Sie als heftige Gegnerin der Krippenbetreuung von Kleinkindern in Erscheinung. Seit dieser Woche gibt es in Deutschland einen Rechtsanspruch auf einen Krippenplatz.

Wer sein Kind in eine Krippe geben will, soll das tun. Da will ich niemandem reinreden. Ich finde nur, dass alle Eltern die 1000 Euro im Monat bekommen müssten, mit denen der Staat jeden Krippenplatz subventioniert. Dann könnten sie frei entscheiden, ob sie mit dem Geld einen Krippenplatz bezahlen wollen oder sich selbst.

Dafür gibt es doch neuerdings das Betreuungsgeld, auch Herdprämie genannt, weil es einen finanziellen Anreiz schafft, dass Mütter Hausfrauen werden.

Wegen 100 Euro? Das ist doch lächerlich. Die Wirtschaft will, dass die Frauen schnell wieder arbeiten gehen. Die meisten Frauen wollen das nicht. Sie müssen es mitunter tun, weil das Gehalt ihrer Männer nicht reicht. Unsere Gesellschaft braucht Kinder. Kindererziehung ist gesellschaftlich wichtige Arbeit, die angemessen bezahlt werden muss. Ich halte ein echtes Erziehungsgehalt für sinnvoll, bis ein Kind erwachsen ist. Erst monatlich 1600 Euro pro Kind, später weniger.

Oskar Lafontaine - Höhen und Tiefen einer Politikkarriere
Oskar Lafontaine im Jahr 2012. Vor mehr als 45 Jahren hat seine Politikkarriere begonnen. Damals, im Jahr 1966, trat Lafontaine der SPD bei. Erst ist Lafontaine bei den Jusos aktiv, doch er macht schnell Karriere. 1968 steigt er in den Landesvorstand der Saar-SPD auf.Weitere Bilder anzeigen
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23.05.2012 12:01Oskar Lafontaine im Jahr 2012. Vor mehr als 45 Jahren hat seine Politikkarriere begonnen. Damals, im Jahr 1966, trat Lafontaine...

Auf einem Parteitag der Linkspartei, der Sie angehören, wurde Ihr Vorschlag heftig kritisiert.

Das war brutal.

Wie erklären Sie sich den Gegenwind auch außerhalb Ihrer Partei?

Bei dem Thema haben Politikerinnen und Journalistinnen das Sagen, die wenige, manchmal keine Kinder haben. Ihre Jobs sind außerdem attraktiv. Sie wollen sie auch mit Kindern weiter ausüben. Die Frauen, die familienorientierter sind, mehrere Kinder haben, engagieren sich nicht politisch, weil sie keine Zeit dazu haben. Die Interessen dieser Frauen fallen hinten runter. Ich zähle mich jetzt mal dazu. Für mich hatte in den letzten 14 Jahren die Familie Priorität. Mein Sohn, der Stiefsohn, die Omas, die bei uns wohnten, und…

… der Ehemann.



Der weniger. Mit so zwei alten Omas kommt der Mann ein bisschen zu kurz.

Sehen Sie nicht die Gefahr, dass Frauen mit dem Betreuungsgeld oder einem Erziehungsgehalt, wie Sie es nennen, in eine Falle gelockt werden? Fast jede zweite Ehe wird geschieden…

… aber das wissen wir doch alle.

Frauen sollten Ihrer Meinung nach einkalkulieren, dass ihre Beziehung früher oder später endet?

Klar. Mich ärgert an diesen Alice Schwarzers, dass sie vorgeben zu wissen, was für andere Frauen das Beste ist: voll erwerbstätig zu sein. Früher haben die Männer den Frauen gesagt, was sie zu tun haben. Heute sind es die Feministinnen. Die Mehrheit der Frauen will ja in ihren Beruf zurückkehren, wenn ihr Kind drei Jahre alt ist, allerdings Teilzeit. Ein ergänzendes Erziehungsgehalt würde sie mit den Männern gleichstellen. Die Mehrheit der Frauen wird auch in Erwägung ziehen, dass ihre Ehe vielleicht mal kaputtgeht.

Seit Februar sind Sie von Oskar Lafontaine geschieden. Haben Sie das Scheitern Ihrer Ehe einkalkuliert?

Nein. Aber ich bin jemand, der vorausdenkt. Ich hatte immer mein eigenes Geld und bekomme auch jetzt keinen Unterhalt.

Sie arbeiten?

Als Hausfrau habe ich von morgens um halb sieben bis abends nach acht gearbeitet. Sie meinen, ob ich erwerbstätig bin? Ich verwalte Immobilien. Ich mag irgendwie Häuser. Gerade renoviere ich ein Mietshaus in Saarbrücken. Der Job lässt mir genug Zeit, meinen Sohn herumzufahren. Er ist 16, und bei uns auf dem Land gibt es keinen Bus.

Sie galten als Karrierefrau, waren Ökonomin beim SPD-Parteivorstand, als Sie in den 90ern als neue Frau von Oskar Lafontaine in die Öffentlichkeit traten. Deshalb verwundern Ihre Positionen so.

Ich wünschte mir damals schon Kinder. Und was meine Karriere betrifft: Die war in dem Moment vorbei, als die Beziehung zu meinem Mann bekannt wurde. Von meinen Fähigkeiten her wäre es naheliegend gewesen, dass ich einen guten Job in einem Ministerium bekomme. Mein Mann und ich hatten aber Bedenken, dass es heißt, die kriegt den Job nur, weil sie die Frau vom Oskar ist. Ich habe mir gesagt, ich verstehe mich gut mit diesem Mann. Ich treffe vielleicht nie mehr einen besseren. Ich verzichte auf die Karriere. Ein reifer Mensch zeichnet sich meiner Ansicht nach dadurch aus, dass er weiß, dass man im Leben nicht alles haben kann.

Sie haben einmal Frauen empfohlen, sich einen Partner danach auszusuchen, ob er einen guten Familienvater abgeben würde.


Wenn man Familie will, und das wollen viele Frauen, ist das sicher sinnvoll.

Sie haben auch nach einem Familienvater gesucht?

Eigentlich schon. Das Leben ist halt manchmal anders, als man denkt.

Im Rückblick ärgern Sie sich sicher darüber, auf Ihren attraktiven Job verzichtet zu haben.

Nein. Ich habe mal überlegt, wo ich im Beruf Spuren hinterlassen habe, und bin zum Schluss gekommen, dass das, was ich tat, so bedeutend nicht war. Wenn ich mir dagegen überlege, was ich mit dem Großziehen meines Kindes und mit der Betreuung meiner Schwiegermutter und meiner Mutter geleistet habe – für diese Menschen habe ich Lebensqualität geschaffen. Meine Schwiegermutter wurde über 90, meine Mutter wird jetzt 96. Ich habe viel mit Journalistinnen zu tun. Die halten sich für ungeheuer wichtig. Da liegt es mir auf der Zunge, zu sagen: „Was ist, wenn Sie jetzt sterben? In der Minute, in der Ihr Tod bekannt wird, geht das Gerangel um ihre Stelle los.“ Jeder ist so schnell ersetzt im Beruf. Aber bei seinem Kind fehlt man. Das sind die wahren Werte. Wir Frauen sind da anders gestrickt als Männer.

]Die Erwerbsarbeit nicht zu hoch zu hängen, ist nicht typisch weiblich, sondern vernünftig. Das muss auch den Männern zu vermitteln sein. Am besten wäre es, wenn Frauen und Männer weniger arbeiten und sich die Kindererziehung teilen.

Das wird aber nie der Fall sein. Eine Soziologin hat mal Paare befragt. Die Männer sagten, dass sie, wenn sie die Hälfte der Erziehungsarbeit machen müssten, auf Kinder verzichten würden. So ist das.

Wollen wir doch mal sehen, ob das wirklich so ist…

… die Geburtenraten sind, wie sie sind: nicht sehr hoch. Ich kenne einige Frauen um die 30, die würden gern eine Familie gründen und finden keinen Partner. Wir Frauen aus meiner Generation sagen: Kriegt eure Kinder ohne Mann. Wir helfen euch. Nach dem neuen Scheidungsrecht bekommen Frauen ohnehin keinen Unterhalt. Wenn die Männer keine Verantwortung mehr für die Kinder übernehmen, und das ist zunehmend der Fall, muss man sich fragen, wozu man sie eigentlich noch braucht.

Jetzt klingen Sie wie eine Feministin.

Bin ich ja auch. Es gibt vom Familienministerium Studien zur Arbeitszeit. Frauen, die sich um die Kinder kümmern und zugleich erwerbstätig sind, wenn auch nur Teilzeit, haben höhere Arbeitszeiten als Männer. Wenn Emanzipation bedeutet, dass wir Frauen jetzt mehr arbeiten als die Männer, dann ist etwas schiefgelaufen.

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