Lunapark in Berlin : Extrem laut und unglaublich voll

Am Halensee eröffnet 1910 der Lunapark – ein gewaltiger Ort der Vergnügungen. Zehntausende Berliner strömen hin, Nachbarn sind genervt, Maxim Gorki spottet.

Johanna Niedbalski
Der "Eiserne See" im Lunapark gilt als Vorläufer des heutigen Autoskooters.
Der "Eiserne See" im Lunapark gilt als Vorläufer des heutigen Autoskooters.Foto: Ullstein

Bereits wenige Tage nach Eröffnung gingen bei der Polizei Beschwerdebriefe ein. Anwohner waren empört. Die zu Hunderten vorfahrenden Autodroschken verursachten rund um den Halensee Gestank und Lärm, dazu kamen die Geräusche aus dem Park: das Rattern von Metallrädern auf Holzschienen, das Kreischen der Gäste, Motorenbrummen. Auch die Völkerschau störte, damals im Mai 1910.  Immer wenn die sogenannten „Somalineger“ ihre Tänze aufführten, wurde getrommelt und laut auf den Boden gestampft.

Polizei und Verwaltung reagierten auf die Beschwerden: Das Dorf der Somalis wurde mit Lärmschutzwänden abgeschirmt, den Gästen das Kreischen auf Fahrgeschäften untersagt. Allerdings musste der Polizeipräsident von Schöneberg-Wilmersdorf bald eingestehen, dass die „völlige Beseitigung dieses Übelstands“ unmöglich war, da trotz der an verschiedenen Stellen auf seine Veranlassung hin angebrachten Plakate, die Schreie verboten, einzelne Fahrgäste „immer noch unwillkürlich ihren Gefühlen Luft“ machten.

Er war der größte und berühmteste Vergnügungspark Berlins. Direkt am Halensee gelegen, am westlichen Ende des Kurfürstendamms, wo die dichte Innenstadtbebauung überging in die locker bebaute Villenkolonie Grunewald, bot der Lunapark auf 5,5 Hektar ein Sammelsurium an Attraktionen. Alle Gäste betraten ihn vom Kurfürstendamm aus durch ein nahezu haushohes Eingangsportal, an das sich ein enger Säulengang anschloss. An dessen Ende öffnete sich das Gelände, und über eine breite Freitreppe gelangten die Besucher hinab in den Park.

Berlins größtes Vergnügen
Der "Kraftmensch" Fritz Brust bei einer Vorstellung im Lunapark auf dem Nagelbrett.Alle Bilder anzeigen
1 von 9Foto: pa/akg
02.04.2015 17:39Eine Vorstellung im Lunapark: Hier liegt der "Kraftmensch" Fritz Brust auf einem Nagelbrett.

Den vorderen Teil dominierten die „Terrassen am Halensee“, ein Ausflugslokal für bis zu 10 000 Gäste. Die Architektur des Riesen-Restaurants war ungewöhnlich. Von innen beleuchtbare Türme, Skulpturen und ein künstlicher Wasserfall schufen ein verspieltes Ambiente. Die Gäste saßen auf offenen Terrassen mit Blick auf den See. Vorm Gebäude musizierte ein Orchester, auf einer Freiluftbühne traten Akrobaten auf, eine illuminierbare Fontäne sprühte Wasser in die Luft, im „Bayrischen Dorf“ wurde Bier ausgeschenkt und Schuhplattler vorgeführt.

Dahinter befanden sich die Rummelplatzattraktionen. Die Karren der Wasserrutschbahn rollten eine Rampe ins Wasserbecken hinab. Es gab den „Eisernen See“, einen Vorläufer der heutigen Autoscooter, dazu Karusselle, Schieß- und Würfelbuden. Außerdem einen Saal, in dem ein neuartiger Modetanz namens Tango ausprobiert werden konnte, später auch Shimmy und Charleston. Auf einer Wackeltreppe bewegten sich die Stufen fortwährend auf und ab, sodass es mühsam war, sie zu erklimmen, und lustig für das Publikum, anderen dabei zuzuschauen. Abends erleuchteten zehntausende Glühlampen das Gelände, und mehrmals in der Woche wurde Feuerwerk abgebrannt.

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