Papst Franziskus' R4 : Fahret hin in Frieden!

Papst Franziskus predigt die Demut. Als Symbol dafür steht ein Foto von ihm mit einem alten R 4. Doch dieses Auto darf er nicht benutzen.

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Papas Mobil im Vatikan.
Papas Mobil im Vatikan.Foto: dpa

Seit seiner Wahl im März hat der Papst mit vielen symbolhaften Handlungen deutlich gemacht: Es ist Franziskus ernst mit der von ihm propagierten „armen Kirche für die Armen“. So wohnt er bis heute im Gästehaus des Vatikans, statt die päpstlichen Gemächer zu beziehen, er verzichtet auf persönlichen Pomp. Auch ein Auto ist zum Zeichen geworden: ein weißer Renault 4.

Der Wagen ist 29 Jahre alt, hat 300 000 Kilometer auf dem Tacho, Beulen im Blech, durchgesessene Polster. Sein Vorbesitzer, Pfarrer Don Renzo Zocca aus Santa Lucia di Pescantina, ist damit durch die Arbeiterviertel Veronas gefahren. Er machte sein Leben lang das, was Franziskus nun von allen Pfarrern fordert: sich an die Peripherie der Gesellschaft zu wagen und sich um die schwachen, von der Gesellschaft abgehängten Menschen zu kümmern – und damit das Gegenbild einer Kirche zu vertreten, die um sich selbst kreist, auf die eigene Sicherheit bedacht ist.

Pfarrer Zocca scheute keine Auseinandersetzung, legte sich mit Drogendealern und der Mafia an, um Jugendlichen eine bessere Zukunft zu ermöglichen.

Im September schenkt er sein Auto dem neuen Papst. Als dieser den weißen R4 im Vatikan in Empfang nimmt, geht das Foto sofort um die Welt. Der schrottige R 4 passt einfach perfekt zu dem, was Franziskus predigt.

Doch der Alltag jenseits aller Symbolik sieht anders aus. Der R 4 steht in der Garage. Franziskus würde ihn gerne benutzen, darf es aber nicht – aus Gründen der Sicherheit. Er wird mit Autos aus dem Fuhrpark der Gendarmerie chauffiert, meistens Wagen von Fiat. Sie sind gepanzert und lassen sich in einer gefährlichen Situation schnell beschleunigen. „Seine Berater versuchen ihm zu vermitteln, dass es nichts mit Luxus zu tun hat, wenn man als Papst ein gesichertes Auto fährt“, sagt ein Vatikanexperte. Als Franziskus im Herbst Flüchtlinge auf der Insel Lampedusa besuchte, mochte er auch dort nicht nur mit Worten überzeugen. Er wollte den Flüchtlingen nahekommen und sich nicht hinter dickem Glas von ihnen abschotten. Und so lieh er sich von Inselbewohnern einen Geländewagen mit offenem Verdeck. Der war nicht gepanzert – ein Horror für die Sicherheitskräfte.

Auto und Papst, das war schon immer ein Thema. Als der New Yorker Erzbischof im Jahr 1909 Papst Pius X. einen Itala 20/30 schenkte, lehnte dieser dankend ab: Er werde nicht in etwas einsteigen, „das teuf-teuf macht“. Seine Nachfolger Pius XI. und Pius XII. interessierten sich dagegen sehr für diese neuen Kutschen. Der Verband der katholischen Frauen des Erzbistums Mailand schenkte Pius XI. einen Bianchi Tipo 15; es war das erste Auto im Vatikan.

Seitdem liefern sich Autofirmen einen Wettlauf darum, Päpste mit ihren Produkten zu beglücken. Ein Papst ist schließlich ein idealer Werbeträger. Paul VI., von 1963 bis 1978 im Amt, soll regelrecht vernarrt gewesen sein in Modelle von Mercedes, er informierte sich in Motorzeitschriften über die Neuerungen.

Heute steht ein Dutzend schicker Oldtimer im „Kutschenpavillon“, der seit 1967 zu den Historischen Sammlungen der Vatikanischen Museen gehört. Innerhalb des Vatikan werden inzwischen immer mehr Elektroautos benutzt. Doch für den Papst sind sie ungeeignet, da man mit ihnen nicht schnell genug vom Fleck kommt, wenn es gefährlich wird. Denn seit dem Pontifikat von Johannes Paul II. und erst recht seit dem Attentat auf ihn 1981 kommt es vor allem auf Funktionalität und Sicherheit bei der Auswahl der päpstlichen Karossen an.

Dabei sollte es auch bleiben. Ein Papst, der es seinen Feinden zu leicht macht, erweckt den Eindruck, er nehme sich selbst und seine Aufgabe nicht ernst genug.

Trotzdem ist der weiße Renault 4 zum Symbol der „armen Kirche“ geworden, zu einer Art Statussymbol für Franziskus. Doch der Papst müsse aufpassen, dass er sich mit der Inszenierung von Armut nicht unglaubwürdig mache, kritisierten einige katholische Medien, als die Bilder von Franziskus mit dem R4 um die Welt gingen. Auch deshalb solle der Wagen in der Garage bleiben.

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