Spezialeffekte : Erschossener Tupac Shakur tritt bei Konzert auf

Mit einem spektakulären technischen Spezialeffekt wie bei „Star Wars“ ist der erschossene Rapper Tupac Shakur beim Coachella-Festival aufgetreten - zusammen mit seinen alten Kumpanen Dr. Dre und Snoop. Möglich wurde das durch eine Tech-Firma, deren Aktien an der Wall Street daraufhin in die Höhe schossen.

Lars Halter[New York]
Als wäre er leibhaftig auferstanden. Tupac beim Coachella-Festival.
Als wäre er leibhaftig auferstanden. Tupac beim Coachella-Festival.Screenshot: YouTube

„What the fuck is up, Coachellaaaaaa …“, rief Tupac Shakur, die Arme weit ausgestreckt, den Waschbrettbauch makellos trainiert. Tausende Fans beim legendären kalifornischen Musikfestival jubelten, und mit ihnen die Börse. Der Auftritt der Rap-Legende war ein Riesenerfolg für das Hightech-Unternehmen Digital Domain, das den 1996 ermordeten Star auf der Bühne wiederbelebt hatte.

Tupac, der im New Yorker Stadtteil Harlem aufwuchs und im Alter von 25 Jahren in Las Vegas unter ungeklärten Umständen erschossen wurde, hat einen festen Platz im Rapper-Walhalla. Den verließ er nun für einen kurzen Trip auf die Bühne, wo er gemeinsam mit Snoop Dogg und Dr. Dre auftrat und seinen alten Hit „2 of Amerikaz Most Wanted“ zum absoluten Highlight des Festivals machte. Internetvideos des Auftritts wurden in den letzten Tagen mehr als zehn Millionen Mal angeklickt. Dre und Snoop überlegen, mit dem auferstandenen Tupac auf Tour zu gehen.

„Für uns ist das erst der Anfang“, sagt Digital-Domain-Chef Ed Ulbrich. „Dre hat noch wahnsinnige Ideen für Tupac.“ Oder zumindest für den Geist des Rappers, der von den Medien zunächst fälschlich als Hologramm bewundert wurde. Solche Hologramm-Auftritte kannte man unter anderem aus den „Star-Wars“-Filmen. Doch ganz so magisch ist es nicht: ein Hologramm, also eine dreidimensionale Erscheinung des Rappers, gab es nämlich nicht. Tupac war in Coachella dank einer Technik, die 1862 von John Henry Pepper erfunden und als „Pepper’s Ghost“ bekannt wurde. Dabei wird ein Bild – live oder per Kamera – auf eine Glasplatte reflektiert. Der Zuschauer sieht ein Spiegelbild, das zweidimensional ist aber dreidimensional wirkt. Die Technik kam im 19. Jahrhundert zunächst im viktorianischen Theater zum Einsatz, später auch in Geisterbahnen und im James-Bond-Streifen „Diamantenfieber“. Das ist wohlgemerkt 40 Jahre her, und seither ist die Technik gewachsen. Statt der traditionellen Spiegelplatte erschien Tupac in Kalifornien etwa auf einer hauchdünnen Mylar-Folie, die den Rapper perfekt widerspiegelte und ansonsten die Sicht auf die Bühne nicht behinderte. Dass Tupac in Coachella so echt wirkte, lag allerdings in erster Linie an der Computerarbeit von Digital Domain, die für die Wiederauferstehung von Tupac nicht etwa auf einen früheren Auftritt zurückgegriffen hatte, sondern Pixel für Pixel einen neuen Tupac zusammenbaute. In viermonatiger Kleinstarbeit wurde der Rapper aus Archivmaterial kopiert und neu berechnet, seine Gestik programmiert und in den Auftritt von Snoop und Dre choreografiert.

Mit solchen Projekten kennt sich Digital Domain aus. Das Unternehmen hat bisher Spezialeffekte für Kinofilme entwickelt, etwa für „Der seltsame Fall des Benjamin Button“, für den man mehrere Versionen eines digitalen Brad Pitt auf die Leinwand zauberte. Auch an dem Kassenknüller „Verblendung“ war das Unternehmen beteiligt.“ Die Erfolge von Digital Domain waren bisher allerdings nur Insidern bekannt. An der Nasdaq kam das Unternehmen stets nur auf ein dünnes Handelsvolumen, die Aktien fielen zuletzt und hatten seit Jahresbeginn 15 Prozent an Wert verloren – vor Coachella. Seit der Geist von Tupac die Fans verzaubert hat, ist auch die Aktie des Schöpfers wiederbelebt: Seit dem Festival ging es um fast 20 Prozent nach oben. Fans hoffen bereits auf die Wiederauferstehung von Michael Jackson und Whitney Houston, auch eine technische Reunion der Beatles wird in Internetkommentaren gefordert.

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