Umstrittenes Gesetz : Freiern in Frankreich drohen hohe Geldstrafen

Frankreich macht ernst. Das Parlament berät in dieser Woche über eine Bestrafung von Freiern – das Gesetz ist in allen Lagern umstritten.

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Am 4. Dezember fällt die Entscheidung. Prostituierte befürchten, dass viele von Ihnen dann keine Arbeit mehr haben werden.
Am 4. Dezember fällt die Entscheidung. Prostituierte befürchten, dass viele von Ihnen dann keine Arbeit mehr haben werden.Foto: AFP

Alle Parteien sind in sich gespalten, Konservative, Sozialisten, Prominente, Feministinnen. Frankreichs Parlament berät ein Gesetz der Sozialisten, das Freier mit 1500 Euro Strafe belegt, wenn sie die Dienste einer Prostituierten in Anspruch nehmen. Im Wiederholungsfall droht das Doppelte.

Laut Umfragen finden es 73 Prozent der Franzosen richtig, dass die Öffentlichkeit für das Problem „sensibilisiert“ wird. Doch nur 32 Prozent befürworten Strafen für Freier.

Die Stimmung der platinblonden Priscilia ist am Boden. In ihrem knappen, schwarzen Höschen und Netzstrümpfen sitzt die Prostituierte in ihrer kleinen Wohnung im Zentrum von Paris und klagt, dass sie schon jetzt „80 Prozent des Umsatzes eingebüßt“ habe. „Die Kunden sagen mir: ,Ich hab' dich lieb, aber ich habe Angst’“, erzählt die etwa 40-jährige Priscilia in der berühmt-berüchtigten Rue Saint-Denis in Paris. Ein Freier habe ihr gestanden, dass er jetzt in die chinesischen Massage-Salons gehe, die diskreter seien.

Catherine Deneuve und andere Prominente sind dagegen

Die Kritiker des Gesetzentwurfs sagen, den Prostituierten werde die Kundschaft und somit ihre Lebensgrundlage entzogen. Hoch schlagen die Wogen in Frankreich auch deshalb, weil sich eine Reihe von Prominenten in die Debatte eingeschaltet hat, darunter die Schauspielerin Catherine Deneuve, der Sänger Charles Aznavour sowie Claude Lanzmann, die sich gegen Strafen wandten. Auch die Hilfsorganisation „Médecins du Monde“, die in mehreren Städten Anlaufstellen für Prostituierte unterhält, lehnen das Gesetz ab, weil es die Probleme vergrößere.

Die spektakulärste Aktion aber starteten „343 Dreckskerle“ – so ihre eigene Bezeichnung – die im November öffentlich bekannten, die Dienste von Prostituierten in Anspruch genommen zu haben oder dazu bereit zu sein. Zu den Unterzeichnern der Schrift mit dem Titel „Fass' meine Hure nicht an!“ zählten Schriftsteller wie Frédéric Beigbeder oder der bekannte Journalist der Zeitung „Le Figaro“, Eric Zemmour. Sie verwahrten sich dagegen, dass der Staat sich in Privatdinge mische.

„Die Debatte wird lebendig werden“, ist sich Maud Olivier, Mitinitiatorin des Gesetzentwurfs, vor den Parlamentsberatungen sicher. Die Abgeordnete der Nationalversammlung wollte eigentlich eine Gefängnisstrafe für Freier im Wiederholungsfall. Damit scheiterte sie aber am Widerstand ihrer sozialistischen Kollegen.

„Ich bleibe hier, egal was passiert.“

Mindestens 20 000 Frauen gehen in Frankreich laut Innenministerium regelmäßig der Prostitution nach, laut Sexarbeiter-Gewerkschaft Strass sind es 400 000. Anders als noch vor etwa 20 Jahren ist die große Mehrzahl von ihnen inzwischen aus dem Ausland: 80 bis 90 Prozent kommen vor allem aus Osteuropa, Afrika, China oder Lateinamerika. Viele sind Opfer von Menschenhandel und Zwangsprostitution.

Menschenhandel und Zwangsprostitution sind schon verboten. Sie müssen nur verfolgt werden. Eine generelle Strafe für Freier zielt dagegen auf die legale Prostitution. Die französische Feministin Elisabeth Badinter fordert deshalb, es müsse zwischen dem Kampf gegen mafiöse Zuhälterringe und der Prostitution unterschieden werden. Die Frauen hätten das Recht, mit ihrem Körper zu machen, was sie wollen. Ein Prostitutionsverbot würde die Lage der Prostituierten verschlimmern, weil sie dann im Verborgenen arbeiten müssten.

Für die 46-jährige Nanou in Paris, die einen Kredit abzubezahlen hat und zwei Kinder in der Ausbildung, ist aber jetzt schon klar: „Ich bleibe hier, egal was passiert.“ (mit AFP)

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