US-Senatorenwahl Alaska : Der tiefe Fall der Sarah Palin

Sarah Palin galt als Galionsfigur der radikalen Tea Party und war im US-Wahlkampf 2008 Vizepräsidentschaftskandidatin der Republikaner. Doch jetzt verliert sie sogar in ihrem Heimatstaat Alaska den letzten Rückhalt.

Torben David
Kein Grund mehr zur Freude bei Sarah Palin. In neuesten Umfragen verweigern ihr sogar die Bürger ihres Heimatstaates Alaska die Gefolgschaft.
Kein Grund mehr zur Freude bei Sarah Palin. In neuesten Umfragen verweigern ihr sogar die Bürger ihres Heimatstaates Alaska die...Foto: Picture Alliance / dpa

Sarah Palin galt lange als Aushängeschild Alaskas. Die starke Frau für den stolzen Norden der USA. Diese Zeiten scheinen nun endgültig vorbei. In einer neuen Umfrage von Public Policy Polling gaben nur noch 47 Prozent der Bürger des ölreichen US-Bundesstaates an, die ehemalige Gouverneurin wäre eine echte Vertreterin Alaskas, 46 Prozent sahen das anders. Für weit weniger als die Hälfte der Befragten ist sie zudem noch ein Sympathieträger.

Sarah Palin verliert gegen Demokraten

Die Umfrage ist insbesondere wegen der 2014 bevorstehenden Senatorenwahlen von Interesse. Gerüchteweise will sich Sarah Palin selbst zur Abstimmung stellen. Obwohl sie bei Republikanern mit 36 Prozent Zustimmung unter allen Bewerbern immer noch die höchsten Werte erreicht, würde sie derzeit im direkten Vergleich gegen den demokratischen Senator Mark Begich mit 40 Prozent der Stimmen verlieren.

Begich triumphiert durch eigenwilligen Kurs

Angesichts noch schlechterer Umfragewerte für die meisten anderen potenziellen republikanischen Kandidaten ist Palin allerdings immer noch die aussichtsreichste Kandidatin für eine Ablösung von Amtsinhaber Begich. Republikaner Mead Treadwell, der bereits seine Kandidatur erklärt hat, schneidet unter allen Wählern mit 40 Prozent Zustimmung zwar genauso gut ab wie Palin, würde mit vier Prozent Rückstand jedoch knapper gegen den demokratischen Amtsinhaber verlieren. Seine Zustimmung unter Republikanern liegt trotzdem mit nur einem Viertel wesentlich geringer als bei der ehemaligen Frontfrau der Tea Party, was gegen seine Fähigkeit zur Mobilisierung der republikanischen Stammwählerschaft spricht.

Mark Begich hatte sich in der Vergangenheit auch durch ein Abrücken zentraler demokratischer Positionen bei seinen Wählern beliebt gemacht. Beispielsweise hat er gegen das Gesetz zur Verschärfung der Kontrolle bei Waffenkäufen gestimmt und distanzierte sich damit bewusst von Präsident Barack Obama. Obamas Leistungen werden von 57 Prozent der Einwohner Alaskas negativ betrachtet, während über Begich das gleiche nur 41 Prozent sagen.

Der Fall Lisa Murkowski

Die anhaltend schlechten Ergebnisse stellen einen harten Schlag für die Republikaner im traditionell konservativen Alaska dar. Grund dafür könnten auch die schwelenden Grabenkämpfe zwischen etablierten Republikanern und der Tea Party-Bewegung sein. So hatte Ende 2010 Sarah Palin versucht, die bisherige Senatorin Lisa Murkowski aus dem Amt zu jagen. Während Palin bei der Kandidatenaufstellung triumphierte und der von ihr favorisierte Joe Miller sich durchsetzte, verlor Miller letzten Endes die Wahl zum Senator - weil die Wähler in Massen handschriftlich seinen Namen durchstrichen und stattdessen Lisa Murkowski eintrugen. Auch in der nationalen Tea Party-Bewegung wurde Palin als Galionsfigur schon lange von neuen, radikaleren Politikern wie Michele Bachmann ersetzt.

Auf ihre mögliche Kandidatur 2014 angesprochen, sagte die frühere Vizepräsidentschaftskandidatin Sarah Palin nur, sie habe sich "darüber Gedanken gemacht". Bei den Präsidentschaftswahlen 2012 war sie zuletzt entgegen der Erwartungen nicht angetreten, auch dort war sie zuvor in den Umfragen zurückgefallen.

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