US-Wahl : Das Kaffeebecher-Orakel

Der Gang zur Urne ist noch ein paar Tage entfernt, doch die Wähler in Amerika müssen sich schon jetzt für einen Kandidaten entscheiden: Beim Kaffeetrinken, in der Bäckerei und bei der Körperpflege - denn einige Unternehmen in den USA führen eine ganz spezielle Art der Meinungsforschung durch.

Maria Fiedler
Selbst das Kaffeetrinken ist kurz vor der Wahl politisch geworden. Foto: Screenshot 7-Eleven.com
Selbst das Kaffeetrinken ist kurz vor der Wahl politisch geworden.Foto: Screenshot 7-Eleven.com

In den offiziellen Wahl-Umfragen liefern sich Barack Obama und sein Kontrahent Mitt Romney ein Kopf-an-Kopf-Rennen. Doch wenn es nach 7-Eleven geht, einer Kiosk-Kette in den USA, dann liegt der amtierende Präsident eindeutig vorn: mittlerweile mit fast 60 Prozent.

Ermittelt hat 7-Eleven das nicht etwa mit einer Telefonumfrage, sondern mit Pappbechern. Das Konzept ist einfach: Bestellt ein Kunde einen Kaffee,  muss er sich nicht nur entscheiden, ob er ihn an Ort und Stelle trinken will oder lieber mitnimmt. Er muss auch die Farbe seines Bechers wählen: Republikaner-rot oder Demokraten-blau - je nach politischer Einstellung.

Es ist mittlerweile schon das vierte Mal, dass 7-Eleven so den Wahlausgang vorhersagen will. Und bisher traf die Pappbecher-Umfrage laut einer Studie des Fernsehsenders CNN fast immer ins Schwarze: In den Jahren 2004 und 2008 unterschied sich das offizielle Wahlresultat um weniger als ein Prozent vom Ergebnis der Kiosk-Kette. „Obwohl wir niemals behauptet haben, dass die ‚7-Election’ wissenschaftlich oder statistisch valide sei, ist es ziemlich verblüffend, wie zutreffend diese Pappbecher-Umfragen in den letzten Jahren gewesen sind“, sagte 7-Eleven-Präsident Joe DePinto in einer Pressemitteilung.

Auch die Körperpflege steht im Zeichen des Wahlkampfes. Foto: Screenshot flutnut.com
Auch die Körperpflege steht im Zeichen des Wahlkampfes.Foto: Screenshot flutnut.com

Auf einer interaktiven Karte können die Kunden sogar die Ergebnisse für die einzelnen Bundesstaaten ablesen. Geht es nach dieser Grafik, hätte Romney nur in Idaho und West Virginia die Nase vorn. Im umkämpften Swing State Ohio sieht es dagegen schlecht für ihn aus. Dort waren bislang nicht mehr als 38 Prozent der verkauften Kaffeebecher republikaner-rot.  

Und es kommt noch schlimmer für Romney: In Ohio verliert er nicht nur das Pappbecher-Duell. In Cincinnati, einer der größten Städte des Bundesstaates, verkauft die Bäckerei Busken Wahl-Cookies. Die Gebäckstücke sind ebenfalls rot oder blau und tragen das Gesicht des jeweiligen Kandidaten. Mittlerweile gingen mehr als 12 400 Kekse mit Obamas Konterfei über den Ladentisch – der Romney-Cookie wurde dagegen nur etwa 10800 Mal verzehrt.

Doch nicht nur der Kaffee- und Keksverkauf steht im Zeichen des Wahlkampfes. Die Amerikaner können sich sogar ihre Haut mit speziellen Kandidaten-Cremes pflegen. Bis Ende September verkaufte die Kosmetikkette Bliss Bodylotions in den Duftrichtungen O-Bama-Orange und  Mint-Romney-Minze. Das Motto: „Möge der bessere Geruch gewinnen!“ Auch hier hat der amtierende Präsident die Nase vorn.

Für die Amerikaner, die jetzt schon fürchten, dass ihr Lieblingskandidat nicht gewinnen könnte, hält die Fluggesellschaft „Jet Blue“ ein Trostpflaster bereit. Auf der Website der Airline können Wähler ihre Stimmen für Obama oder Romney abgegeben. Unter den Anhängern des Wahl-Verlierers werden Gratisflüge verlost – damit man ganz schnell das Land verlassen kann, wenn man den Amtsantritt des neuen Präsidenten nicht miterleben will.

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