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Vergiftete Babynahrung : Mutmaßlicher Supermarkt-Erpresser hat gestanden

Ein Unbekannter brachte vergiftete Babynahrung in Umlauf, forderte Millionen: Nun wurde der mutmaßliche Täter in eine Justizvollzugsanstalt gebracht.

Diese bundesweite Warnung hat sich in den vergangenen Tagen schnell verbreitet.
Diese bundesweite Warnung hat sich in den vergangenen Tagen schnell verbreitet.Foto: Patrick Seeger/dpa

Der mutmaßliche Supermarkt-Erpresser hat die Vorwürfe gegen ihn gestanden. Außerdem habe er dem Haftrichter gesagt, dass er keine weiteren vergifteten Lebensmittel verteilt habe. Das teilten Staatsanwaltschaft und Polizei am Samstagabend in Konstanz mit. Gegen den 53-Jährigen aus dem Kreis Tübingen war Haftbefehl erlassen worden, er wurde bereits in eine Justizvollzugsanstalt gebracht. Der Vorwurf gegen den Verdächtigen lautet auf versuchte räuberische Erpressung.
Gegen den mutmaßlichen Erpresser war zuvor Haftbefehl erlassen worden. Am Nachmittag hatte ein Ermittlungsrichter den Verdächtigen verhört.

Die Polizei in Baden-Württemberg hatte den Mann aus dem Kreis Tübingen am Freitag festgenommen. Bei der Durchsuchung seines Hauses fanden die Polizisten eine verbliebene Giftmenge. Dies dürfte der gesamte Rest sein, der bei der Manipulierung der fünf gefundenen Babynahrungsgläschen übrig geblieben sei. „Wir wissen es aber nicht exakt“, sagte Polizeivizepräsident Uwe Stürmer am Samstag in Konstanz. Daher könne noch keine vollständige Entwarnung gegeben werden. Die bei dem 53 Jahre alten Mann gefundene Menge Ethylenglycol hätte gereicht, weitere fünf Gläschen mit Babynahrung zu vergiften.
Die Ermittler seien nach Hinweisen aus der Bevölkerung auf den Mann aufmerksam geworden, hieß es. Der mutmaßliche Erpresser ist den Ermittlern zufolge ein Mann mit psychischen Auffälligkeiten. Es handele sich um einen 53-Jährigen mit Brüchen in der Biografie, sagte Polizeivizepräsident Uwe Stürmer am Samstag in Konstanz. Der Mann sei ein exzentrischer Einzelgänger. Weitere Angaben wollte Stürmer nicht machen mit Blick auf das Persönlichkeitsrecht des Verdächtigen. Die Ermittler gehen davon aus, dass es keinen weiteren Tatverdächtigen gibt. 

Bislang gibt es keine Erkenntnisse zum möglichen Motiv. Der Mann hatte einen Millionenbetrag gefordert und damit gedroht, weitere vergiftete Lebensmittel in Märkten auszulegen. Der Leitende Oberstaatsanwalt Alexander Boger sagte, dass der Mann nach ersten Erkenntnissen eine strafrechtliche Vorbelastung habe. Details nannte er nicht, weil ihm die Akte noch nicht vorliege. Laut Boger drohen ihm zwischen 5 und 15 Jahren Haft im Fall einer Verurteilung. Boger schloss eine mögliche Beschuldigung auch wegen versuchter Tötung nicht aus. In dem Fall könnte er bei einem Schuldspruch auch zu lebenslanger Haft verurteilt werden.

Erpresser forderte Millionenbetrag

Wie es aus Ermittlerkreisen hieß, wurden in der Nacht zum Samstag kriminaltechnischen Untersuchungen vorgenommen. Dabei handelt es sich in der Regel etwa um DNA-Abgleich und Fingerabdrücke. Der mutmaßliche Täter hatte in einer E-Mail an die Polizei, den Verbraucherschutz und mehrere Lebensmittelkonzerne von Mitte September damit gedroht, bis Samstag 20 vergiftete Lebensmittel in Umlauf zu bringen. Er forderte einen niedrigen, zweistelligen Millionenbetrag. Der Fall schuf allgemein Verunsicherung, zumal der Erpresser keine Angaben dazu machte, welche Produkte und welche Filialen konkret betroffen sein sollen.

Trotz der Festnahme geben die Behörden noch keine Entwarnung beim Lebensmittelkauf. Zwar nähmen die Ermittlungen eine "positive Richtung", sagte ein Sprecher der Polizei in Konstanz am Samstag der Nachrichtenagentur AFP. Eine "völlige Entwarnung" könnten die Behörden im Moment jedoch noch nicht geben. Verbraucher seien also weiterhin gut beraten, beim Einkauf von Lebensmitteln wachsam zu sein, sagte der Polizeisprecher. Sobald der Fall endgültig geklärt sei, würden die Behörden "so schnell wie möglich" Entwarnung geben.

Schon Mitte September waren fünf mit Ethylenglycol vergiftete Gläschen mit Babynahrung in Friedrichshafen entdeckt worden. Die Polizei hatte am Donnerstag Fahndungsbilder eines dringend tatverdächtigen Mannes veröffentlicht. Danach waren bundesweit Hunderte Hinweise eingegangen.

Hinweis aus Peine bestätigte sich nicht

Zwischenzeitlich war deshalb auch ein Mann im niedersächsischen Peine ins Visier der Ermittler geraten. Angestellte einer Drogerie-Filiale in der Innenstadt informierten am Vormittag die Polizei, weil sie einen Mann beobachtet hatten, der dem mutmaßlichen Erpresser ähnlich gesehen habe. Die Polizei war sich bald jedoch sicher, dass es sich bei diesem Mann nicht um den Verdächtigen handelte. Er habe lediglich eingekauft, teilte ein Sprecher mit.

Angaben darüber, welche Produkte und welche Filialen konkret betroffen sein sollen, machte der Täter nicht. „Er hat nicht angegeben welche Lebensmittel, in welcher Region und in welchen Geschäften er vergiften wird. Er hat sogar angekündigt, dass er nationale und internationale Niederlassungen deutscher Lebensmittelkonzerne und Drogeriemärkte treffen will. „Wir nehmen diese Drohung sehr ernst“, hatte Oberstaatsanwalt Alexander Boger am Donnerstag in Konstanz erklärt.

Gefahndet wurde nach dem Erpresser auch im Ausland, vor allem in Österreich und der Schweiz. Die Sonderkommission „Apfel“ mit mehr als 220 Beamten geht von einem sehr skrupellosen Täter aus. Außer der Droh-Mail gab es keinen weiteren Kontakt mit dem Erpresser. (dpa)

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