Vier Jahre nach Atomkatastrophe : Zahl der Krebsfälle in Fukushima steigt

Vier Jahre nach der Atomkatastrophe im japanischen Fukushima gibt es erstmals Hinweise auf eine Zunahme von Schilddrüsenkrebs bei Kindern. Das ergaben groß angelegte Reihenuntersuchungen.

Krebsvorsorge am Reaktor: Eingehüllt in Schutzkleidung, machen Männer eine Pause von den Aufräumarbeiten am Kraftwerk in Fukushima.
Krebsvorsorge am Reaktor: Eingehüllt in Schutzkleidung, machen Männer eine Pause von den Aufräumarbeiten am Kraftwerk in...Foto: dpa

Wie die deutsche Sektion der Ärzte-Vereinigung IPPNW am Dienstag in Berlin mitteilte, wurden bei knapp 58 Prozent von 60 000 Kindern in der Region Fukushima Knoten oder Zysten gefunden. Bei einer früheren Untersuchung lag die Quote lediglich bei 48,5 Prozent.

127 Kinder hätten demnach so große Anomalien aufgewiesen, dass eine weitere Abklärung dringend notwendig geworden sei. Auch bei 206 Kindern mit kleinen Zysten oder Knoten im Erst-Screening sei in der Nachuntersuchung ein rasches Wachstum festgestellt worden. Beim früheren Termin seien in 84 Fällen Krebserkrankungen der Schilddrüse zu Tage getreten, teils mit Metastasen, berichteten die "Internationalen Ärzte für die Verhütung des Atomkrieges". Bei 24 weiteren Kindern lägen krebsverdächtige Biopsie-Befunde vor. Nun seien bereits vier zusätzliche Verdachtsfälle ermittelt worden - bei bislang elf Punktierungen von Schilddrüsen.

Bislang hätten die japanischen Behörden die Zahlen mit dem so genannten Screeningeffekt erklärt. Gemeint ist damit eine Verzerrung durch groß angelegte Untersuchungen, die viele Erkrankungen schon früher als normal aufdecken, selbst wenn keine Symptome vorliegen.

Sollte sich bei den Verdachtsfällen die Krebserkrankung bestätigen, ließe sich das nicht mehr mit einem Screeningeffekt begründen, argumentiert hingegen die Ärzte-Vereinigung in einer Pressemitteilung. Dann würde es sich um Neuerkrankungen handeln, die sich im Laufe der letzten beiden Jahren entwickelt hätten.

"Zwar ist es noch zu früh, die langfristigen gesundheitlichen Folgen der Atomkatastrophe abschätzen zu können, doch diese ersten Untersuchungsergebnisse sind besorgniserregend", erklärt der stellvertretende IPPNW-Vorsitzende Dr. Alex Rosen. Bislang liege nur ein Bruchteil der Ergebnisse der Nachuntersuchungen vor. Basierend auf den Erfahrungen aus Tschernobyl werde die Zahl der Schilddrüsenkrebserkrankungen noch über viele Jahre ansteigen. (Tsp)

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