Vogelgrippe : Donaudelta unter Quarantäne

Nach dem Verdacht erster Vogelgrippefälle in Europa haben die rumänischen Behörden das gesamte Donaudelta unter Quarantäne gestellt. Das Verbraucherministerium in Berlin sorgte für einen möglichen Ernstfall vor.

Berlin/Bukarest - «Wenn es erforderlich ist, können wir sehr schnell handeln», sagte Verbraucherstaatssekretär Alexander Müller am Samstag der dpa. In Deutschland existiert ein Notfallplan. Falls die Gefahr einer Vogelgrippe-Seuche etwa durch Zugvögel besteht, kann eine Eilverordnung mit dem Verbot für Freilandhaltung in Kraft treten.

Bei drei in einem Fischerdorf im Donaudelta verendeten Hausenten hatten Laboranalysen in Bukarest am Freitag Antikörper der gefährlichen Vogelseuche festgestellt. Proben wurden nach London geschickt, um den Befund bestätigen zu lassen. «Die Wahrscheinlichkeit, dass die Resultate (der Überprüfung in London) negativ ausfallen, sind gleich Null», sagte Landwirtschaftsminister Gheorghe Flutur, im Fernsehen. Die Behörden richteten einen Krisenstab ein.

Verbraucherstaatssekretär Müller in Berlin warnte vor voreiligen Schritten. «Unsere Wissenschaftler sagen, das Krankheitsbild spricht nicht für das Vogelgrippevirus H5N1, weil viele Enten und wenige Hühner gestorben sind.» Aber: «Es spricht vieles dafür, den Verdacht sehr ernst zu nehmen.» Falls sich der Verdacht bestätige, müsse das Einfuhrverbot für Geflügel und andere Vögel sowie für Federn von asiatischen Staaten auf Rumänien ausgeweitet werden. «Das muss europaweit abgestimmt sein», sagte Müller. In einigen Regionen in Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen und Mecklenburg-Vorpommern sind bereits Verbote für die Freilandhaltung für Geflügel verhängt worden.

Nach Angaben des Landwirtschaftsministeriums in Rumänien haben infizierte Zugvögel aus dem Osten den Grippevirus ins Land gebracht. Das Land hat Geflügelimporte aus 15 Ländern verboten. An den Grenzen wurden die Kontrollen verstärkt. Der Vogelgrippe, die bisher nur direkt von infiziertem Geflügel auf Menschen übertragbar ist, erlagen seit ihrem Ausbruch Ende 2003 in Südostasien mehr als 60 Menschen.

Im Donaudelta wurde die 400 Familien zählende Ortschaft Ceamurlia de Jos vollständig von der Außenwelt abgeriegelt. Auf den Gehöften im Süden des Deltas hatte das Geflügelsterben schon am 26. September begonnen, hieß es. Hunderte Hühner, Enten und Gänse seien verendet. Einheimische berichteten von toten wilden Schwänen im angrenzenden See.

Im Fischerdorf Maliuc im mittleren Donaudelta seien in den vergangenen Wochen ebenfalls viele tote Schwäne gesichtet worden. Laborergebnisse zu diesen verendeten Vögeln lägen noch nicht vor, hieß es. In den vergangenen Monaten wurden insgesamt 7000 verendete Vögel, einschließlich Zugvögel, in Rumänien auf das Virus der Vogelgrippe geprüft worden. Die Vereinten Nationen hatten im August die Befürchtung geäußert, dass die Seuche durch Zugvögel nach Nahost, Europa, Asien und Nordafrika gelangen könnte.

Inzwischen verbot das rumänische Landwirtschaftsministerium die Freihaltung von Geflügel in der Region und verhängte ein Jagdverbot. Die Bevölkerung im Donaudelta soll gegen das normale Grippevirus geimpft werden. Das soll das Risiko reduzieren, dass sich jemand mit beiden Erregern (Vogelgrippevirus H5N1 und menschlichem Grippevirus A) gleichzeitig infiziert. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) fürchtet eine mögliche Mutation des Virus. Dadurch würde es auch leicht von Mensch zu Mensch übertragbar.

Der Europarat hatte am Donnerstag von seinen Mitgliedsländern eine enge Zusammenarbeit im Kampf gegen die tödliche Vogelgrippe gefordert. Die meisten Staaten seien nicht darauf vorbereitet, eine mögliche Ausbreitung der Pandemie zu verhindern. (tso/dpa)

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