Welt : Waffenfirma hat Einfluss im Opferbündnis

Propaganda für gesicherte Schusswaffen

Lars Winkelsdorf

Das Aktionsbündnis Winnenden, eine Vereinigung unter anderem der Opfer des Amoklaufs, setzt sich für eine Verschärfung des Waffenrechts ein. Öffentlichkeitswirksam werden Waffenverbote und Sicherungen von Waffen gefordert. Nach Recherchen des Tagesspiegels ist ein Waffenhersteller in diesem Aktionsbündnis vertreten, für dessen biometrisch und elektronisch gesicherte Schusswaffen das Bündnis indirekt Werbung betreibt. Am 18. November 2009 wurde die Stiftung medienwirksam bei einer Presseveranstaltung gegründet. In der ersten Reihe mit dabei: Bernd Dietel. Mit seiner Firma „Quellsystem GbmH“ unterstützt er die Forderungen der Stiftung, setzt sich ebenso für weitreichende Verbote und gesetzliche Änderungen zur Sicherung von Schusswaffen ein. Eine Zielsetzung, die Dietels geschäftlichen Interessen entspricht, denn er war zur gleichen Zeit Mehrheitsgesellschafter des Münchner Waffenspezialisten „Armatix“, der neben besonders gesicherten Pistolen auch biometrische Sicherungssysteme herstellt. Tatsächlich teilten sich Armatix und Quellsystem sogar die Geschäftsadresse in der Feringastraße 4 in München Unterföhring.

Und die Zielsetzungen von Armatix sind eindeutig. So teilte Dietel 2010 mit, man beabsichtige im ersten vollen Produktionsjahr bis zu 20 000 Waffen zu verkaufen. Von den rund 100 Millionen Waffen, die in den kommenden zehn bis 20 Jahren weltweit verkauft würden, dürften schätzungsweise zehn bis 15 Prozent biometrisch und elektronisch gesichert sein, was einem Marktanteil von etwa 100 Milliarden Euro entspricht. Dass es Armatix dabei nicht allein um eine sichere Welt gehen kann, zeigen die Mitgliedschaften des Waffenspezialisten: Über den Verband der Büchsenmacher ist die Firma Mitglied im Forum Waffenrecht, einem Verband der deutschen Waffenlobby. Unverhohlen fordert das Aktionsbündnis in einem jetzt veröffentlichten offenen Brief eine gesetzliche Pflicht für deren biometrische Sicherungssysteme, wirbt sogar offen für den Hersteller, der quasi das Monopol auf diese Technologie hat.

Angesprochen auf diese Verbindungen der Gründungsmitglieder verweigert die Stiftung jeglichen Kommentar.