Wirtschaft : Adlershof glaubt weiter an Solar

Der Berliner Wissenschafts- und Technologiepark setzt trotz der Krise auf Fotovoltaik-Firmen.

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Berlin - „Die Ausfahrt nach Adlershof ist das Erste, was Gäste des neuen Flughafens sehen, wenn sie auf die Autobahn Richtung Berlin fahren“ sagt Peter Strunk von der landeseigenen Wista-Management GmbH. Die Firma, die Deutschlands größten Wissenschafts- und Technologiepark im Süden der Hauptstadt betreibt, legte am Donnerstag ihre Jahresbilanz vor. „Die Eröffnung des neuen Flughafens ist eine große Chance für Adlershof“, bestätigte die neue Wirtschaftssenatorin Sybille von Obernitz (parteilos), die zum ersten Mal zur Präsentation der Zahlen kam.

Auch ohne den Flughafen konnte der Wissenschafts- und Technologiepark 2011 wachsen. Die 429 Unternehmen am Standort machten zusammen einen Umsatz von 625 Millionen Euro, rund acht Prozent mehr als im Vorjahr. Die Zahl der Beschäftigten stieg um 3,5 Prozent auf 5080. Allerdings taucht der in Adlershof ansässige Solarmodulhersteller Solon, der im Dezember 2011 Insolvenz anmelden musste, nicht in der Bilanz auf. „Die Zahlen von diesem einen Großunternehmen würden die Bilanz für die vielen kleinen Firmen verfälschen“, sagte Wista-Sprecher Strunk. Die kürzlich von der arabischen Firma Microsol übernommene Solon hat nach derzeitigen Schätzungen noch 300 Mitarbeiter.

Der gesamte Standort, der auf einer rund vier Quadratkilometer großen Fläche neben Wissenschaft und Technologiefirmen auch Medien- und IT-Unternehmen sowie Dienstleistungsbetriebe beherbergt, konnte im vergangenen Jahr ebenfalls wachsen. Die Zahl der Firmen stieg auf mehr als 900, die Zahl der Beschäftigten legte auf 14 500 zu (siehe Grafik). Mit den 8000 Studenten der Humboldt-Universität arbeiten und lernen in Adlershof mehr als 22 000 Menschen.

Trotz der Krise der deutschen Solarmodulhersteller will Adlershof weiter auf die Fotovoltaik setzen. „Wir sehen eine außergewöhnlich brutale Konsolidierung im Markt, die an die Situation in der Telekommunikationsbranche 2002 erinnert“, sagte Wista-Geschäftsführer Hardy Schmitz. Der Fokus müsse sich verschieben, von der Produktion der Solarmodule hin zur Entwicklung von Speicherungs- und Regelungstechnik. „Unsere Fotovoltaikfirmen sind stark in der Forschung, das ist eine Chance für Adlershof“, sagte Schmitz. Ende des Jahres soll am Standort ein neues Technologiezentrum für Fotovoltaik fertiggestellt sein. Mit einer Insolvenzwelle wird in Adlershof nicht gerechnet. „Wir haben nur zwei Modulhersteller am Standort“, sagte Strunk. Ein Großteil der Firmen beschäftige sich mit anderen Bereichen der Fotovoltaik.

Auch 2012 soll der Park weiterwachsen. „Wir haben den Platz, um uns zu verdoppeln“, sagte Schmitz. Derzeit stünden 650 000 Quadratmeter noch unbebauter Fläche zur Verfügung. Auch die Unternehmen sind zuversichtlich fürs laufende Jahr. Einer Befragung der Betreiber zufolge rechnen 48 Prozent mit einem Umsatzwachstum. „Es herrscht viel Optimismus“, sagte Schmitz. Zudem sollen in Adlershof in diesem Jahr rund 1000 Wohnungen entstehen, ein Drittel davon für Studenten. In den Jahren zuvor war die Nachfrage nach Wohnraum gering gewesen, nun seien bereits 30 Prozent der Wohnungen vermarktet. Von Obernitz versprach am Donnerstag, Adlershof trotz der schwierigen Haushaltslage zu unterstützen. „Wir werden das Juwel Adlershof weiter fördern“, sagte die Senatorin.

Einen Verlust hat der Wissenschaftspark allerdings zu beklagen: Das dort ansässige Fraunhofer Institut zieht 2013 nach Charlottenburg. Jahel Mielke

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