Alternative Netzwerke : Raus aus Facebook - nur: wohin?

Sie versprechen Werbefreiheit und Anonymität: Die Konkurrenten von Facebook. Für alle, die sich aus dem sozialen Netzwerk abmelden wollen, stellen wir vier Alternativen vor.

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Ello ist als Anti-Facebook bekannt geworden.
Ello ist als Anti-Facebook bekannt geworden.Foto: promo

Wäre Facebook ein Land, so mancher hätte sich in den vergangenen Wochen überlegt, auszuwandern. Und das, obwohl in diesem Digitalstaat alle Freunde versammelt sind und sich jeder Klick vertraut anfühlt. Denn am Freitag treten bei Facebook die umstrittenen neuen Datenrichtlinien in Kraft – diese erlauben dem Netzwerk, noch mehr Daten über seine Nutzer zu sammeln als je zuvor. Ortsbasierte Werbung, Verfolgung der User über andere Seiten hinweg und integrierte Shopping-Funktionen, all das soll kommen. Wem das nicht gefällt, der muss eben auswandern – die große Frage ist nur: wohin? 

Das dezentrale Netzwerk: Diaspora

Für viele lautet die Zukunft der sozialen Netzwerke: Dezentralisierung. Denn Giganten wie Facebook betreiben Datensilos und geben ihren Nutzern kaum eine Möglichkeit, selbst zu entscheiden, was mit ihren Informationen passiert. Liegen die Daten nicht an einem Ort, sondern über viele Knotenpunkte verteilt, sind sie nicht der Willkür des Netzwerks ausgeliefert. Bei „Diaspora“, das bereits im Jahr 2010 gegründet wurde, heißen diese Knotenpunkte „Pods“. Sie sind öffentliche, auf der Welt verteilte Server, auf denen sich die User Profile anlegen können. So gibt es beispielsweise „Geraspora“, den größten deutschen Diaspora-Pod. Nutzer können aber auch ihren eigenen Server installieren. Insgesamt hat das Netzwerk weltweit mehr als 1,1 Millionen registrierte User und bietet mit Chats und einer Timeline einen ähnlichen Service wie Facebook, auch Hashtags sind häufig zu sehen. Allerdings gibt es anders als bei Facebook keine Pflicht zu Klarnamen. Teilweise macht es das schwierig, Kontakte wiederzufinden. Die Weiterentwicklung des Projekts liegt in den Händen der Community.

Das exklusive Netzwerk: Ello

Im Herbst vergangenen Jahres war besonders ein Netzwerk im Gespräch: Ello. Gegründet von einem Start-up aus Vermont mit Millionen an Venture Capital war das Versprechen des Netzwerks von Anfang an: keine Werbung, keine Klarnamenpflicht. Das Design wirkt aufgeräumt und elegant. Um Zutritt zu erhalten, war es anfangs nötig, von einem Mitglied eingeladen zu werden – zeitweise gab es tausende Neuanmeldungen pro Stunde. Mittlerweile kann man auch selbst bei Ello eine Einladung anfordern. Da sich das Netzwerk noch immer in der Beta-Phase befindet, kann es eine Weile dauern, bis das geschieht – die Server müssten die Belastung schließlich auch aushalten, schreiben die Macher auf der Seite. Noch ist es nicht möglich, Ello auf mobilen Endgeräten zu nutzen. Inhalte wie Videos von YouTube und Vimeo und Audiodateien von Soundcloud können aber auf der Plattform eingebettet werden. Diese sind unter Umständen mit Werbung verbunden – Kritiker unken deshalb, Ello habe so ein Schlupfloch in seiner werbefreien Umgebung geschaffen. Ello will jedoch die Möglichkeit bieten, die Inhalte von Drittanbietern auszublenden.

Das familiäre Netzwerk: Path

150 Kontakte – mehr ging bei Path nicht, zumindest bis vor Kurzem. Wer sich die App „Path“ installierte, musste sein Netzwerk beschränken. Noch immer nutzen viele die Anwendung nur, um mit den engsten Freunden und der Familie zu kommunizieren und dem Trubel bei Facebook zu entgehen. Bei Path handelt es sich um eine Art Online-Tagebuch, in das man besonders Fotos, aber auch den aktuellen Standort oder gerade gehörte Lieder einpflegen und mit seinen Kontakten teilen kann. Auch Path ist frei von Werbung und wurde in den ersten drei Wochen nach einem Relaunch 2012 1,5 Millionen Mal heruntergeladen. Das Netzwerk geriet aber in die Kritik, weil es Adressbücher einzelner Nutzer auf seinen Server kopierte – das Unternehmen bat um Verzeihung und löschte die Daten wieder.

Das vergessliche Netzwerk: Voycee

Wem es ein Graus ist, dass bei Facebook noch Partyfotos und Statusupdates von vor fünf Jahren zu finden sind, für den ist möglicherweise Voycee eine Alternative. Das Alleinstellungsmerkmal des Netzwerks: Es merkt sich nichts. Egal ob Bild, Video oder Text – sobald ein neuer Post abgesetzt wird, überschreibt dieser den vorhergegangenen. Da gewinnt das „Recht auf Vergessen“ eine ganz neue Bedeutung.

Dass Facebook jetzt scharenweise die Nutzer davonlaufen, ist dennoch zu bezweifeln. Die Alternativen stehen oft nur kurzfristig im Rampenlicht, während Facebook allein in Deutschland von 20 Millionen Deutschen ausgeht, die sich tagtäglich einloggen. Ein Rückgang ist derzeit nicht in Sicht.

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