Wirtschaft : Angst vor dem Solon-Virus

Die Insolvenz der Solarfirma nährt Zweifel am Erfolg anderer Hersteller. Berliner Firmen grenzen sich ab.

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Insolvenzgerede. Kommt da eine Pleitewelle auf die Branche zu? Im Umfeld der Adlershofer Solon-Zentrale weist man solche Gedanken scharf zurück. Foto: Kitty Kleist-Heinrich
Insolvenzgerede. Kommt da eine Pleitewelle auf die Branche zu? Im Umfeld der Adlershofer Solon-Zentrale weist man solche Gedanken...

Berlin - Wäre Berlins größtes Solarunternehmen ein Patient, läge er seit Dienstagabend auf der Intensivstation. Da hatte Solon den Insolvenzantrag eingereicht. Am Mittwoch – um im Bild zu bleiben – schickten Wegbegleiter noch Blumen ins Krankenhaus, drückten Bedauern aus. Nun aber beginnt die Phase, in der viele den Patienten meiden, um ja nicht mit dem Wort „Pleite“ angesteckt zu werden. Solon ist jetzt quasi auch in Quarantäne.

Analysten und Energieforscher sehen zumindest eine Ansteckungsgefahr für Unternehmen, die Solon technologisch nahe stehen und auf ähnliche Geschäftsmodelle setzen: andere Modulhersteller also. So legte die Aktie der Bonner Solarworld am Tag des Schocks zunächst kräftig zu – schließlich könnte mit Solon ein Konkurrent verschwinden – am Donnerstag verlor sie aber schon wieder, genau wie das Papier von Q-Cells aus Thalheim in Sachsen-Anhalt.

Er erwarte nach Solon weitere Pleiten, sagte am Donnerstag Volker Quaschning, Professor für regenerative Energien an der Hochschule für Technik und Wirtschaft Berlin. „In etwa fünf Jahren haben wir voraussichtlich einen konsolidierten Markt, zwar mit weniger, dafür aber mit größeren Wettbewerbern“.

Heimische Anbieter, die Solarmodule auf Basis von kristallinem Silizium fertigen, stehen im scharfem Wettbewerb mit Firmen wie Yingli oder Suntech aus China. Die haben einen entscheidenden Vorteil: nicht etwa niedrigere Lohnkosten – die fallen in der hochautomatisierten Modulproduktion kaum ins Gewicht. Es ist die Finanzierung: Die Regierung in Peking hat laut unterschiedlicher Berichte 30 bis weit über 40 Milliarden Euro für praktisch zinslose Darlehen bereitgestellt. Die Zentralregierung will mit aller Macht eine eigene Solarindustrie aufbauen. Das wurde erst am Donnerstag wieder bestätigt: Die Agentur Reuters meldete unter Verweis auf den Staatsrundfunk, dass die Regierung ihr Ziel für Solarenergie an der gesamten Stromerzeugung um 50 Prozent angehoben habe. Schon 2015 soll in China eine Solarkapazität von 15 Gigawatt installiert sein. Bisher lautete das Ziel zehn – was in der Mittagssonne der Leistung von zehn AKW entspräche.

Für Chinesen ist also auch die Binnennachfrage gesichert, während den Deutschen reihenweise Absatzmärkte wegbrechen. Zugleich fehlt hierzulande Kapital: Auf Solon lasten 400 Millionen Euro Schulden. Daher haben Solon vor allem Solarworld bereits Anleihen für dreistellige Millionenbeträge am Markt platziert, zu teils sehr hohen Zinsen – auch ein Indiz dafür, dass Investoren skeptisch sind.

Das Branchenumfeld ist das eine. Aber auch in geografischer Nähe der Solon-Zentrale, im Berliner Technologiepark Adlershof, betont man nun die Distanz. „Die Insolvenz von Solon ist spektakulär. Sie sollte aber nicht zum Anlass genommen werden, das erfolgreiche Bemühen um den Neuaufbau von Wirtschaft in Berlin in Frage zu stellen“, sagte Peter Strunk, Sprecher des Betreibers Wista-Management dieser Zeitung. Solon beschäftige nur 511 der insgesamt 14 500 Menschen vor Ort. Solon sei eines – wenn auch das größte – von 866 Unternehmen in Adlershof.

Alle Unternehmen des Parks seien 2011 im Durchschnitt um sieben bis acht Prozent gewachsen, erklärte Strunk. Das Plus in der Beschäftigung liege bei zwei bis drei Prozent. „Träger dieses Erfolgs sind in der Masse nicht wohlklingende Namen großer Ansiedler, sondern die vielen kleinen und mittleren Firmen, die in den vergangenen 20 Jahren im Umfeld der Wissenschaft entstanden sind und dort kontinuierlich wachsen“, sagte Strunk. Auch ändere die Solon-Insolvenz nichts an dem Plan, ein „Technologiezentrum Photovoltaik“ aufzubauen.

Rund 20 Firmen in Adlershof kann man der Solarbranche zuordnen. Eine davon ist die US-Firma Global Solar Energy, an der Solon sogar 19 Prozent der Anteile hält. „Wir bedauern die Entwicklung bei Solon sehr. Da zwischen Solon und der Global Solar Energy Deutschland GmbH keine Kunden-Lieferanten-Beziehung besteht, hat die Insolvenz allerdings keine Auswirkungen auf uns“, sagte Jens Mühling, Geschäftsführer der deutschen Niederlassung des Unternehmens. Seine Firma bilde eine eigenständige wirtschaftliche Einheit. Ansteckungsgefahr also ausgeschlossen. Heißt es.

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