Wirtschaft : Athen: Wir brauchen keine Umschuldung IWF zweifelt angeblich am Sanierungskurs

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Athen - Griechenland braucht keine Umschuldung. Dies bekräftigte am Sonntag der griechische Finanzminister Giorgos Papakonstantinou und nahm damit zu einem Bericht Stellung, wonach es Überlegungen zu einer Restrukturierung der griechischen Staatsschulden gebe. Der „Spiegel“ hatte berichtet, der Internationale Währungsfonds (IWF), der vor einem Jahr gemeinsam mit den Euro-Staaten ein 110-Milliarden-Rettungspaket für das hoch verschuldete Griechenland schnürte, habe inzwischen Zweifel am Erfolg der Sanierungsbemühungen und dränge auf eine baldige Umschuldung. Diese Forderung hätten ranghohe IWF- Vertreter bereits mit Beamten europäischer Regierungen erörtert. Eine IWF- Sprecherin dementierte, dass es entsprechende Überlegungen gebe.

Die Finanzmärkte sind aber offenbar nicht davon zu überzeugen, dass Griechenland allein mit den Rettungskrediten und dem drakonischen Sparprogramm, das der Athener Premier Giorgos Papandreou seinen Landsleuten verordnet hat, zu sanieren ist. Das zeigen die horrenden Risikozuschläge für griechische Staatsanleihen. Würde Finanzminister Papakonstantinou jetzt in größerem Umfang und längerfristig am Kapitalmarkt Geld aufnehmen, müsste er den Anlegern eine Rendite von rund 15 Prozent bieten. Zinsen in dieser Größenordnung würden das Land in die Zahlungsunfähigkeit treiben.

Gleichwohl sagte Papakonstantinou zu den Berichten über einen möglichen Sinneswandel im IWF, es gebe „überhaupt keine Eventualität einer Restrukturierung der griechischen Staatsschulden“. Wer über eine Umschuldung rede, verstehe nicht, dass die Nachteile bei Weitem größer als die Vorteile seien, sagte Papakonstantinou. Es mehren sich jedoch die Stimmen renommierter Volkswirte, die eine Umschuldung empfehlen. Vergangene Woche sagte auch Klaus Regling, der Chef des Europäischen Rettungsfonds EFSF, er sehe „Risiken“ bei der Annahme, Griechenland werde seine Schulden zurückzahlen. Griechenlands Staatsschulden werden nach Berechnungen des IWF Ende dieses Jahres mindestens 152 Prozent vom Bruttoinlandsprodukt (BIP), also der gesamten Wirtschaftsleistung eines Jahres erreichen. Das ist die höchste Schuldenquote aller EU-Staaten. 2012 dürfte die Verschuldung Griechenlands sogar knapp 160 Prozent vom BIP erreichen. Der EU-Stabilitätspakt schreibt eine Obergrenze von 60 Prozent vor. Selbst wenn alle geplanten Sparmaßnahmen greifen, dürfte Griechenland mehrere Jahrzehnte benötigen, um seine Schulden so weit abzutragen. Gerd Höhler

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