Wirtschaft : Autovermieter feiern Erntetankfest

Verleihfirmen schröpfen Kunden in Urlaubsländern mit zweifelhaften Tankregeln im Kleingedruckten.

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Große Namen. Auch seriöse Anbieter überraschen Kunden mit Sonderklauseln. Foto: dapd
Große Namen. Auch seriöse Anbieter überraschen Kunden mit Sonderklauseln. Foto: dapdFoto: dapd

Berlin - Mietwagenfirmen in Südeuropa und Großbritannien locken mit Tiefpreisen, verstecken dafür aber immer häufiger zusätzliche Kosten in einer für Deutsche ungewohnten „Full Tank Option“. Vor allem Wenigfahrer sollten einen Bogen um solche Angebote machen – wenn sie können.

Das übliche Mietwagen-Prozedere hierzulande ist: Der Kunde erhält das Auto voll getankt und gibt es auch vollgetankt wieder ab. So muss er nur das Benzin bezahlen, das er auch tatsächlich verbraucht hat. Allerdings muss der Mieter, bevor er das Auto abgibt, Zeit für einen letzten Tankstop einplanen. Und genau da setzen viele Mietwagenfirmen, auch große Namen wie Avis und Europcar, an. In Italien, Spanien, Griechenland, aber auch in Großbritannien und Irland hat sich mittlerweile die „Full Tank Option“ als Standard durchgesetzt. Der Kunde bekommt seinen Mietwagen wie bisher vollgetankt ausgehändigt, soll ihn aber leer abgeben. Das Geld für die erste Tankfüllung verlangen die Verleiher in der Regel bevor der Kunde sich ans Steuer setzt.

In den Geschäftsbedingungen der Verleihfirmen steht zwar, für diese erste Tankfüllung werde der aktuelle Literpreis herangezogen. Tatsächlich berechnet zum Beispiel Avis auf Zypern für den 35-Liter-Tank eines Kleinwagens 60 Euro, was einem Literpreis von 1,71 Euro entspricht. Dabei kostet der Liter Super an den Tankstellen der Mittelmeerinsel 40 Cent weniger. Doch solche vermeintliche Feinheiten gehen in der Urlaubseuphorie und im Papierkram der Übergabe schnell unter. Wer den Nepp erst später bemerkt, sollte sich beim Anbieter beschweren, am besten durch Vorlage einer Tankquittung.

Beim größten deutschen Automobilclub ADAC haben sich bereits zahlreiche Autofahrer gemeldet, die schlechte Erfahrungen gemacht haben und von einer verdeckten Abzocke sprechen. „Die Full Tank Option ist sicher die, bei der man das Kleingedruckte am besten studieren sollte“, sagt ADAC-Sprecher Klaus Reindl. „Viele Kunden übersehen das“, berichtet Frieder Bechtel vom Produktvergleichsportal billiger-mietwagen.de. Es gebe aber noch offensichtlicheren Wucher: Anbieter, die nicht beim Benzinpreis tricksten, erhöben stattdessen gerne eine zusätzliche Servicegebühr für das Auftanken nach Rückgabe des Mietwagens. „Die 30 Euro, die manche dafür nehmen, stehen in keinem Verhältnis zur Leistung“, kritisiert Bechtel. Wer sich vorher viel Mühe gemacht habe, um ein möglichst günstiges Mietwagenangebot zu finden, schaue da plötzlich in die Röhre. „Gerade bei den günstigsten Angeboten, die online gebucht werden müssen, hat der Kunde oft keine Wahl und bekommt eine Full Tank Option vorgeschrieben.“

Problematisch ist das Prozedere, das auch mal „Fuel Service Option“ oder „Full-to-empty“ heißen kann, erst recht für Kurzurlauber. Viele von ihnen fahren den vollen Tank gar nicht leer. Wer aber einen halb vollen Tank abgibt, bekommt das Geld für das Restbenzin nicht erstattet. So steht es ebenfalls im Kleingedruckten. Wer über die Tankoption nicht explizit informiert wurde und das Auto aus Gewohnheit vor der Rückgabe volltankt, braucht nicht auf Kulanz zu hoffen. „Nach Abschluss der Full Tank Option akzeptiert der Mieter diese Bedingung“, sagt eine Sprecherin von Europcar Deutschland. Nicht einen Cent sieht der Mieter also wieder.

Selbst wer die Reise genau plant und sich der Full Tank Option bewusst ist, wird der Mietwagenfirma zwangsläufig einen Teil des Benzins schenken. Denn niemand wird am Abgabetag auf den letzten Tropfen vorfahren und dafür das Risiko eingehen, vorher irgendwo auf der Autobahn stehen zu bleiben und den Flug zu verpassen.

„Wir distanzieren uns von solchen Praktiken“, betont Klaus Spurgat von der mittelständischen Berliner Mietwagenfirma Lex. Der Trend hin zur neuen Tankoption sei der Auswuchs des Preiskampfes in der Branche. „Da wird mit niedrigen Preisen gelockt und das Geld an anderen Stellen wieder hereingeholt.“ Viele Kunden könnten gar nicht genau abschätzen, wie viele Kilometer sie fahren und wie viel Benzin das Auto verbraucht. „Deshalb ist voll übernehmen und voll abgeben die ehrlichste Tankoption.“

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