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Bahn-Hersteller : Bombardier-Chef muss gehen

Der Bahnkonzern Bombardier trennt sich von Deutschlandchef Michael Clausecker. In den Werken drohen Entlassungen.

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Soll gehen: Bombardier-Deutschlandchef Michael Clausecker. Foto: Marc-Steffen Unger
Soll gehen: Bombardier-Deutschlandchef Michael Clausecker.Foto: Marc-Steffen Unger

Berlin – Überraschender Wechsel beim Bahn-Hersteller Bombardier: Der Deutschlandchef Michael Clausecker und das Unternehmen trennen sich. Verhandlungen über eine Vertragsauflösung laufen bereits. Nach Tagesspiegel-Informationen steckt dahinter ein Kostensenkungsprogramm, das wahrscheinlich auch zu Entlassungen in Werken führen wird.

Ein Bombardier-Sprecher bestätigte auf Anfrage, dass sich der Konzern Anfang des Jahres umstrukturiert hat. Der Deutschland-Bereich, den Clausecker geleitet hatte, ist in den neuen Zentral-Europa-Bereich eingegliedert worden. Clausecker werde sich nun anderen Aufgaben außerhalb von Bombardier widmen. Durch die Neuorganisation hatte sich der Konzern Einsparungen versprochen. Die Ziele sind nach Tagesspiegel-Informationen aber nicht erreicht worden. Deshalb soll es ein weiteres Kostensenkungsprogramm geben, das sich nicht auf die Führungsebene beschränkt, sondern auch zu Entlassungen von Mitarbeitern in den Werken führen kann. Größter Produktionsstandort ist Hennigsdorf im Norden von Berlin. Die weltweiten Bahnaktivitäten des kanadischen Konzerns werden von Berlin aus gesteuert.

Bombardier steht unter Kostendruck, weil der Konzern bei den letzten Aufträgen Verluste gemacht haben dürfte. Beim Liefern der sogenannten Talent-Züge an die Deutsche Bahn hatte es eine mehrjährige Verzögerung gegeben. Auch der Bau von Doppelstockzügen für den Fernverkehr erfolgt nicht termingerecht, was zu Vertragsstrafen führt. Zudem laufen mehrere Klagen auf Schadenersatz der Deutschen Bahn, unter anderem wegen der vom Bombardier-Konzern gebauten S-Bahnen für Berlin.

Clausecker war seit Dezember 2011 Mitglied und seit 30. März 2012 Vorsitzender der Geschäftsführung der Bombardier Transportation GmbH. Zuvor hatte er unter anderem bei Daimler-Benz, bei der Treuhandanstalt und bei der Deutsche Waggonbau AG gearbeitet, 1999 war er zu Siemens gewechselt und dort für den Bereich Lokomotiven zuständig. Klaus Kurpjuweit

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