BERLIN, aber oho : Pi4 Robotics

Luca Spinelli
Chef: Matthias Krinke (47)
Chef: Matthias Krinke (47)

Betritt man die Zentrale der Berliner Firma Pi4, wird man von einer Empfangsdame augenblicklich mit einem strahlenden Lächeln bedacht. Soweit noch nichts Ungewöhnliches, doch wiegt diese Dame 500 Kilogramm, und das Lächeln kommt nur von einem Farbbildschirm anstatt von roten Lippen. Es ist ein humanoider Roboter mit zwei langen Armen, den Pi4 im Jahr 2010 nach vierjähriger Entwicklung erstmalig der Öffentlichkeit vorgestellt hat.

Im Oktober wurde nun die zweite Generation des maschinellen Fabrikarbeiters vorgestellt, der Kameras in den Händen trägt, um damit noch präziser greifen zu können. Eingesetzt wird der Roboter in der Industrie für Montage- und Verpackungsaufgaben unter anderem in den Branchen Fotovoltaik, Automotive und Pharma. Der Vorteil ist die Flexibilität des Roboters, die es erlaubt, seine Software und Greifer auf unterschiedliche Prozesse einzustellen. Dadurch können auch Produkte mit kleineren Stückzahlen kostengünstig hergestellt werden. Produktion, die ins billigere Ausland verlagert wurde, kann mit dieser Technik wieder nach Europa geholt werden, wirbt Firmengründer Matthias Krinke.

Er ist als junger Ingenieur von München nach Berlin gezogen. „Ich kam mit klapprigem Auto und 2000 Mark“, erinnert er sich. Einen Job zu finden, war schwierig. Kurzerhand gründete er sein eigenes Unternehmen. Heute machen sich seine Maschinen durch ihre menschliche Mimik sogar international verständlich. „Hier bekommt Technik ein eigenes Gesicht“, sagt Krinke stolz. Fällt dem Roboter bei der Qualitätskontrolle ein Teil als mangelhaft auf, macht er ein trauriges Gesicht. Ist die Betriebstemperatur zu hoch, laufen digitale Schweißperlen über den Bildschirm. Luca Spinelli

Berlin hat gut 160 000 kleine Unternehmen. Jeweils eines davon stellen wir montags bis freitags vor.

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