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Berliner Cluster, Teil 6 : Optik und Mikrosystemtechnik - Gebündelte Strahlung

01.11.2012 14:43 Uhrvon
Blitzschlag auf der Scheibe – mit einem Sprektrometer kann man die Stärke der Entladung messen. Foto: dpaBild vergrößern
Blitzschlag auf der Scheibe – mit einem Sprektrometer kann man die Stärke der Entladung messen. - Foto: dpa

Die optische Industrie hat in Berlin und Brandenburg eine lange Tradition. In die Clusterstrategie ist der Sektor erst seit einem Jahr eingebunden. Institute dienen als Ersatz für große Firmen. Letzter Teil unserer Serie.

Von dort oben sieht Berlin ziemlich mickrig aus. Seit Juli umrundet der Kleinsatellit TET-1 die Erde in ein paar hundert Kilometer Höhe. Doch ohne Berlin würde es ihn vielleicht gar nicht geben. Denn der Bus – das Herzstück des Flugkörpers – wurde bei der Astro- und Feinwerktechnik im Technologiepark Adlershof entwickelt und gebaut. Das Unternehmen ist eines von knapp 400, die seit August 2011 zum gemeinsamen Cluster Optik und Mikrosystemtechnik in Berlin und Brandenburg zählen.

Obwohl das Cluster noch jung ist und die wenigsten Unternehmen älter als 20 Jahre sind, hat Optik in Berlin und Brandenburg eine lange Tradition als Industriezweig.

Vor mehr als 200 Jahren erfand Johann Heinrich August Duncker in Rathenow die Vielschleifmaschine, mit der sich gleichmäßig polierte Brillen-, Vergrößerungs- oder Mikroskopgläser herstellen ließen. Bis heute ist der Ort, 90 Kilometer westlich von Berlin gelegen, eines der großen augenoptischen Zentren in Deutschland.

In Berlin finden sich andere Felder: Laser- und Mikrosystemtechnik oder Lichttechnik für LED, um nur einige zu nennen. Besonders dynamisch entwickelte sich in den vergangenen zwei Jahrzehnten der Standort Adlershof. Aus den Überresten der Akademie der Wissenschaften der DDR entstanden kurz nach der Wende etwa 60 Unternehmen, die die Basis für den heutigen Optik-Schwerpunkt im Technologiepark bilden.

Neben wenigen großen Arbeitgebern ist die Struktur dieses Industriesektors in der Hauptstadtregion vor allem von kleinen und mittelgroßen Unternehmen geprägt. Zwar arbeiten bei der Siemens-Lichttochter Osram rund 1500 Menschen, Berliner Glas und Hach Lange beschäftigen jeweils rund 500, Nokia Siemens Networks 450 in der optischen Datenübertragung. Dennoch beherrschen Klein- und Kleinstunternehmen mit einem Anteil von 85 Prozent den hiesigen Markt. „Insgesamt ist es natürlich ein Nachteil, dass wir wenig große Unternehmen hier haben“, räumt Günther Tränkle ein. Er ist Clustersprecher und Chef des Firmennetzwerks OpTechBB, in dem sich mehr als 100 Unternehmen zusammengeschlossen haben. „Aber dafür haben wir eine starke Forschungslandschaft. Man muss es nehmen, wie es ist.“ OpTechBB hat die Federführung beim Clustermanagement und wird flankiert von der Technologiestiftung Berlin (TSB), der Zukunftsagentur Brandenburg (ZAB) und Berlin Partner.

Der enge Draht der Unternehmen zur Wissenschaft war auch eines der Argumente für die Aufnahme in die länderübergreifende Clusterstrategie. Die Idee hinter dem Cluster (englisch für Ballung) ist es, Netzwerke aus Unternehmen, Wissenschaft und Verwaltung zu bestimmten Themen an bestimmten Orten zu koordinieren und zu fördern. „Optik ist ein sehr forschungsintensives Feld“, erläutert Eberhard Stens von der TSB. „Das heißt, die Unternehmen sind häufig angewiesen auf staatliche Fördertöpfe. Deshalb waren wir massiv daran interessiert, dass wir Cluster-Status bekommen.“ Gut 24 Millionen Euro haben Senat und Investitionsbank Berlin im vergangenen Jahr überwiesen, zum Teil stammten die Mittel aus dem Europäischen Strukturfonds.

Teilweise kann die Vielzahl der Forschungsinstitute auch den Mangel an großen Unternehmen wettmachen. In Berlin und Brandenburg wird an zehn Hochschulen und 26 außeruniversitären Einrichtungen zu den Clusterthemen geforscht. Tränkle, seit 1996 Direktor des Ferdinand-Braun-Instituts (FBH) in Adlershof, ist gleichzeitig Mitgründer von fünf Hightech-Unternehmen. Das ist für die strukturelle Entwicklung der Branche in der Hauptstadtregion durchaus typisch. „Eine Strategie ist das Ausgründen kleiner Firmen aus den Instituten, um aus Forschungsergebnissen ein marktreifes Produkt zu entwickeln“, erklärt Tränkle. Das bedeutet aber nicht, dass jede gute Idee in der Region bleibt. „Wenn zum Beispiel ein Unternehmen aus Süddeutschland kommt und sagt, ich will aus eurer Idee ein Produkt entwickeln, warum soll ich das nicht machen?“

Die Strategen hoffen aber, dass die Standortpolitik nicht nur Eigengewächse hervorbringt. „Ein zentrales Ziel unserer Clusterstrategie ist es dennoch, mehr große Unternehmen in die Region zu locken“, betont TSB-Manager Stens. Sein Kollege Tränkle nennt ein Beispiel. „Dass ein Unternehmen wie Corning seine europäische Forschung hier bündelt, ist schon sehr gut.“ Im September hatte der Glasspezialist mit Sitz im US-Bundesstaat New York und einem Jahresumsatz von zuletzt knapp acht Milliarden Dollar seine europäischen Forschungsaktivitäten der Kabelsparte in Berlin zusammengeführt. Künftig wird von hier aus an neuen Glasfaserkabelsystemen gearbeitet. Bekannt ist Corning, weil es Touchpad-Gläser für das iPhone entwickelte.

„Mit 30 Leuten ist die Abteilung noch relativ klein“, gibt Tränkle zu. „Aber das Umfeld ist so attraktiv, dass wir schon auf einen Ausbau hoffen.“ Dabei hat er die Worte von Corning-Manager Clark Kinlin im Ohr, der bei der Eröffnung gesagt hatte: „Wir haben uns auch für Adlershof entschieden, weil wir hier die Möglichkeit haben, zu wachsen.“ Das Umsatzwachstum der Clusterunternehmen lag in den vergangenen zehn Jahren bei acht Prozent, 2011 sogar bei zwölf Prozent. Mit einem Jahresumsatz von etwa 2,3 Milliarden Euro bleibt der Wachstumskern aber relativ klein. Zum Vergleich: Die Erlöse im Cluster Verkehr liegen zehn Mal so hoch. Die Zahl der Arbeitsplätze ebenfalls. Zu den 16 000 Jobs in der Optik werden neue hinzukommen, ist sich Tränkle sicher. „Aber man darf keine Wunder erwarten. Es sind hocheffiziente Unternehmen mit hochinnovativen Produkten, keine Hersteller von Massenware.“

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