Bloggen als Beruf : Ein Stück vom Kuchen

Backen, Schminken, Shoppen: Immer mehr Blogger machen ihr Hobby zum Beruf. Das gelingt mit technischem Know-how, gutem Marketing - und viel Herzblut.

Tobias Hanraths
Glücksbäckerei im Netz. Kathrin Runge ist Bloggerin und muss auch fotografieren können. Foto: Tobias Hase/dpa-tmn
Glücksbäckerei im Netz. Kathrin Runge ist Bloggerin und muss auch fotografieren können.Foto: Tobias Hase/dpa-tmn

Wenn Kathrin Runge backt, freuen sich nicht nur Freunde und Familie darüber. Was die gelernte Journalistin aus dem Ofen zieht, landet nicht nur zu Hause auf dem Esstisch, sondern auch im Netz. Seit gut drei Jahren stellt Runge auf ihrem Blog „Glücksbäckerei“ Rezepte, Tipps und Artikel rund um Kuchen und Kekse ins Netz.

„Ich wollte meine zwei Leidenschaften kombinieren“, sagt sie. „Die fürs Backen und die fürs Schreiben.“ Dass Runge damit nicht allein ist, zeigt ein Blick auf andere Blogs. Lifestyle-Themen sind schwer im Trend. Kochen und Backen, Schminken und Shoppen: Viele Blogger machen ihr Hobby zum Nebenjob – oder gleich zum Beruf.

Der Weg dahin ist allerdings nicht leicht. „Man braucht schon viel Durchhaltevermögen und Herzblut, gerade am Anfang“, sagt Runge. „Man schreibt da eigentlich nur für Freunde und Familie.“ Allerdings habe sie gerade in den ersten Monaten auch viel gelernt - und zwar nicht nur über das Backen: „Ich komme aus dem Print-Journalismus und wusste wenig über das Internet. Das ist jetzt anders. Ich kenne mich mit Social Media aus und weiß viel über Food-Fotografie.“

Wer einen Blog ins Netz stellen will, muss sich schließlich auch um das technische Drumherum sowie um Fotos oder Videos kümmern. Dank moderner Technik ist das heute nicht mehr ganz so kompliziert wie früher. Für die Webseite gibt es kostenlose oder günstige Tools wie Jimdo, Squarespace oder Wordpress, gute Fotos und Videos gelingen sogar mit dem Smartphone. Das reicht zumindest für den Einstieg.

Erfolgreich wird ein Blog außerdem nur mit gutem Marketing in sozialen Netzwerken. Facebook und Twitter sind da nur der Anfang: Selbstgebasteltes findet auf Pinterest Fans, Fotos vom Abendessen oder dem Outfit des Tages sind auf Instagram sehr beliebt. Und treue Stammleser bekommt nur, wer mit seiner Community auch interagiert – zum Beispiel in den Kommentaren oder per E-Mail.

Jede Menge Arbeit, sagt Kathrin Runge: „Insgesamt wende ich für mein Blog sicher so viel Zeit auf wie für einen Vollzeitjob.“ Etwas Unterstützung erhält sie von ihrem Mann, der vor allem für die Technik zuständig ist –- und für das Testessen. Den Rest erledigt Kathrin Runge alleine.

Ob Hobby oder Vollzeitjob: Wer im Netz publiziert, muss sich an gewisse Spielregeln halten. Den Anfang macht dabei die Impressumspflicht, die nahezu immer gilt. „Sobald ein kleiner Familien- oder Freundeskreis als Adressat verlassen wird, braucht man ein Impressum“, sagt Ramak Molavi vom Onlineportal „iRights.info“. Genauere Infos und Vorlagen gibt es zum Beispiel unter www.impressum-generator.de im Netz.

Hinzu kommen weitere Regeln: „Die Urheberrechte gelten ohne Ausnahme für alle Blogger“, sagt Ramak Molavi. Fotos zum Beispiel gehören nur ins Netz, wenn der Blogger die Rechte daran selbst besitzt oder eine schriftliche Nutzungserlaubnis des Urhebers hat. Eine Form davon sind sogenannte Creative-Commons-Lizenzen. Oft erlauben diese recht viel, allerdings nur für nicht-kommerzielle Angebote. „Von kommerziell im juristischen Sinne spricht man, wenn eine Gewinnerzielungsabsicht hinter dem Betreiben des Blogs steht“, sagt Molavi. Viele Blogger versuchen aber, mit ihrer Webseite zumindest ein wenig Geld zu verdienen.

Dagegen spreche grundsätzlich nichts, sagt Ramak Molavi. Werbung dürfe allerdings nie als Information verschleiert werden. Gesponserte Artikel müssen Blogger entsprechend kennzeichnen. Auch wer ein Produkt nur kostenlos zum Testen erhält, sollte das im Artikel dazu wenigstens erwähnen. „Der Blogger sollte nicht den Anschein erwecken, er sei neutral, wenn er es nicht ist.“

Auch Kathrin Runge und ihr Mann verdienen mit dem Backen für die Netzgemeinde inzwischen Geld. „Wir stecken aber auch etwas hinein“, sagt die Bloggerin. „Für ein kleines Fotostudio und passende Ausrüstung, für professionelle Webseiten-Plugins und Webhosting und natürlich in Form von Arbeitszeit.“ Leben könne die Familie von den Blog-Einnahmen noch lange nicht.

Versteuern müssen Blogger allerdings auch schon niedrige Einnahmen. „Die Tätigkeit als Texter eines Blogs zählt zu den Einkünften aus freiberuflicher Arbeit“, erklärt Steuerberater Rüdiger Schaar. Dafür reicht eigentlich eine kurze Meldung ans Finanzamt. Wer Geld mit Anzeigen oder Sponsoring verdient, muss allerdings ein Gewerbe anmelden, sagt Schaar. Zu den Einnahmen aus dem Blog gehören übrigens auch Sachspenden, etwa für Produkttests: Sie gelten als geldwerter Vorteil. dpa

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