Bündnis für nachhaltige Textilien : Kik und Aldi treten Textilbündnis bei

Dem Textil-Bündnis von Bundesentwicklungsminister Gerd Müller (CSU) schließen sich immer mehr Mitglieder an. Die Umweltschutzorganisation Greenpeace wirft dem Minister indes Augenwischerei vor.

Alexander Triesch
Neu an Bord: Auch der Textilhändler Kik hat sich dem "Bündnis für nachhaltige Textilien" angeschlossen.
Neu an Bord: Auch der Textilhändler Kik hat sich dem "Bündnis für nachhaltige Textilien" angeschlossen.Foto: dpa

Mehrere große deutsche Textilproduzenten und -händler, darunter Kik, H&M, Aldi Nord und Aldi Süd, Adidas, die Otto Group und C&A haben sich dem „Bündnis für nachhaltige Textilien“ angeschlossen. Das teilte der Handelsverband Deutschland (HDE) mit. Bundesentwicklungsminister Gerd Müller (CSU) hatte das Bündnis im vergangenen Jahr ins Leben gerufen, um die problematischen Arbeitsbedingungen in den Entwicklungsländern zu verbessern. Das ambitionierte Vorhaben des Ministers war allerdings holprig gestartet. Noch im Oktober 2014 ließen die Textilunternehmen die Verhandlungen mit Müller platzen – die detaillierten Vereinbarungen seien nicht zu realisieren gewesen, so ihre Begründung.

Kritikern gehen die Ziele des Bündnisses nicht weit genug

Nach einer Überarbeitung der Eckpunkte einigten sich Textilindustrie und Entwicklungsministerium Ende April auf einen neuen Aktionsplan, der damals 71 Unternehmen mit ins Boot nahm. Mit dem Beitritt 31 weiterer Unternehmen, den großen globalen Akteuren, verspricht sich HDE-Hauptgeschäftsführer Stefan Greth jetzt, die „sozialen und ökologischen Bedingungen bei der Herstellung von Textilien in Lieferländern nachhaltig zu verbessern“. Der „ambitionierte“ Plan ermögliche nun „einen breiten Beitritt der Wirtschaft“, sagte Genth.

Kritiker bemängeln, dass die Textillobby die Ziele des Bündnisses durch die langwierigen Verhandlungsrunden nach unten geschraubt hätte. Ursprünglich sah Müllers Plan vor, dass bis 2020 alle schädlichen Chemikalien in der Textilproduktion aus dem Verkehr gezogen werden und Arbeitnehmer bessere Löhne und Sozialleistungen erhalten. Im aktuellen Plan hingegen fehlt der Zeitplan. Eine Sprecherin der Organisationen Greenpeace warf Minister Müller im Interview mit dem "Deutschlandfunk" indes vor, sich damit lediglich auf eine „Light-Version“ eingelassen zu haben.

Minister Müller lobt die Vorreiterrolle Deutschlands

„Das Ziel ist es, dieses Bündnis möglichst schnell auf eine internationale Ebene zu bringen“, erklärt Hans-Otto Schrader, Vorstandsvorsitzender der Otto Group. Sollte Müllers Plan aufgehen, will er sich auch weiteren Branchen zuwenden, die zum großen Teil im Ausland produzieren. "Deutschland ist damit Vorreiter für die internationalen Bemühungen auf dem Weg zu fairen Standards in den globalen Lieferketten“, sagte der Minister am Dienstag. „Vom Baumwollfeld bis zum Bügel“ sollen in Zukunft soziale und ökologische Standards gelten. Auslöser für die Verhandlungen zum Textilbündnis war der Einsturz des Fabrikkomplex Rana Plaza in Bangladesch, bei dem im April 2013 mehr als 1100 Menschen starben. Zahlreiche westliche Unternehmen hatten dort unter extremen Arbeitsbedingungen Textilien nähen lassen. Diese Woche beginnt der Prozess gegen die 41 Verantwortlichen des Unglücks, darunter die Eigentümer und Sicherheitsbeamten der Fabriken. Sollten sie verurteilt werden, droht ihnen die Todesstrafe. Eine Liste der Bündnis-Mitglieder findet sich hier.

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