Wirtschaft : Bundesversicherungsanstalt verkauft Wohnungen

US-Fonds Fortress macht das Rennen und zahlt der BfA 2,1 Milliarden Euro für die Gagfah

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Berlin Der Vorstand der Bundesanstalt für Angestellte (BfA) hat den Verkauf ihrer Beteiligung an der Gemeinnützigen Aktien-Gesellschaft für Angestellten- Heimstätten (Gagfah) an den US-Fonds Fortress zum Preis von 2,123 Milliarden Euro beschlossen. Dem Verkauf müssen Bundessozialministerium und Kartellbehörde noch zustimmen. Deren Zustimmung gilt in Expertenkreisen als sicher. Denn der Käufer besitzt sonst keine Wohnungsbestände in Deutschland. Und der Gesetzgeber selbst hatte der BfA die Vorgabe gemacht, die Gagfah zu verkaufen, um für Einnahmeausfälle in der Rentenkasse vorzusorgen.

„Wir haben einen Preis von 800 Euro pro Quadratmeter Wohnfläche erzielt“, so BfA-Vorstandschef Christian Zahn zum Tagesspiegel, „das ist ein sehr respektabler Preis.“ Dies entspricht fast genau dem Preis, den japanische Investoren vor etwa sechs Jahren für die Gagfah bezahlen wollten, als noch keine Immobilienkrise schwelte. Zahn betonte jedoch, dass die BfA diese „Perle der Wohnungswirtschaft“ nicht verkauft hätte, wenn der Gesetzgeber es nicht verlangt hätte.

Neben dem Kaufpreis übernimmt der Fortress-Fonds auch die Schulden der Gagfah. Diese betragen nach Insider-Angaben rund 1,6 Milliarden Euro. Die Gagfah besitzt rund 80000 Wohnungen in 147 Städten und erzielte im Geschäftsjahr 2003 bei einem Umsatz von 507 Millionen Euro einen Überschuss in Höhe von 53 Millionen Euro.

Mathias Moser, Chef von Fortress-Deutschland, sagte dem Tagesspiegel: „Wir werden die Gagfah zur Plattform für weitere Akquisitionen von Wohnungsbeständen machen.“ Für diese Wachstumsstrategie sei die Gagfah mit ihren Marktexperten in fast allen Städten gut geeignet. In etwa vier Jahren will Moser das Unternehmen dann an die Börse führen. Der Kaufpreis für die Gagfah bestehe aus rund 800 Millionen Euro Eigenkapital von Fortress-Anlegern; den Rest finanziere ein Konsortium um die HSH Nordbank. Im ersten Geschäftsjahr seien keine Wohnungsprivatisierungen geplant, versicherte Moser.

Einer strammen Privatisierungspolitik stehen nach Angaben der BfA auch Sozialklauseln und Mieterschutzvereinbarungen im Kaufvertrag im Wege – bei Verstößen drohen Geldstrafen. Laut BfA-Chef Zahn muss Fortress eine Strafe von 500 Millionen Euro bezahlen, wenn sie das Aktienpaket in den kommenden zehn Jahren weiterverkauft. Kündigungen von Mietverträgen wegen Eigenbedarfs oder wirtschaftlicher Verwertung sind ausgeschlossen, Mieterhöhungen zehn Jahre lang begrenzt, „Luxussanierungen“ ausgeschlossen. Mieter bekommen ein Vorkaufsrecht auf ihre Wohnungen zu einem rabattierten Preis. Und höchstens 30 Prozent der Wohnungen darf Fortress innerhalb von zehn Jahren verkaufen. Auch die Belegschaft ist geschützt: Angestellte der Gagfah genießen einen zehnjährigen Kündigungsschutz. Die bestehende Betriebsvereinbarung zur Altersvorsorge bleibt erhalten. ball

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