Das Geschäft mit Postdaten : „Eine Goldgrube an Informationen“

Wie jetzt herauskam überwachen in den USA Behörden die Post. In Deutschland wäre das nicht möglich, sagen Datenschützer.

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Ein Postbote mit einem Stapel an Post
Briefgeheimnis. Die Post scannt jeden Briefumschlag, um die Adresse zu kontrollieren. Die Daten werden „nach wenigen Tagen...Foto: picture alliance / dpa

In den Sortierzentren der Post sausen jede Minute tausende Briefe übers Band. Jedes Kuvert wird dabei abfotografiert. Das ist in Deutschland nicht anders als in den USA. Doch was passiert mit diesen Daten? In den Vereinigten Staaten kam jetzt heraus, dass die Behörden nicht nur die elektronische Kommunikation der Bürger überwachen, sondern auch ihren Briefverkehr.

Nach Recherchen der „New York Times“ werden Absender und Empfänger jeder über den staatlichen Postdienst USPS verschickten Sendung von Computern abfotografiert. „Es ist eine Goldgrube an Informationen“, soll ein früherer FBI-Agent gesagt haben. Die US-Behörden sollen so die Briefkontakte von Millionen Amerikaner zurückverfolgen können. Schon ein einfacher Antrag bei der Behörde reiche, um an Postdaten zu gelangen.

„So etwas ist in Deutschland unvorstellbar“, sagt Thilo Weichert, Datenschutzbeauftragter des Landes Schleswig-Holstein. Lediglich im kalten Krieg seien hierzulande die Briefsendungen in den Osten kontrolliert worden. Heutzutage gebe es so etwas aber nicht mehr.

Zwar fotografiert auch in Deutschland heute eine Maschine im Verteilzentrum jedes Kuvert samt Adresse ab. „Diese Daten werden aber nur für interne Zwecke verwendet“, sagt Post-Sprecher Alexander Edenhofer.  Man brauche den Scan nur, damit der Computer automatisch die Adresse überprüfen kann. Ist die Postleitzahl falsch oder der Straßenname unleserlich, bekommt ein Mitarbeiter den Scan auf einem Bildschirm angezeigt. „Diese Daten werden nach wenigen Tagen automatisch gelöscht“, sagt Edenhofer. Geheimdienste hätten auf die Daten keinen Zugriff. Nur in Ausnahmefällen, wenn die Bundesrichter es anordnen, dürfe die Post die Daten weitergeben.

Nichtsdestotrotz besitzt die Deutsche Post einen großen Berg an Daten. Das Tochterunternehmen Deutsche Post Direkt GmbH besitzt nach eigenen Angaben 37 Millionen „Qualitätsadressen“. Die stellt sie anderen Firmen für Werbezwecke zur Verfügung. „Diese Adressen werden aber von der Tochter selbständig erhoben. Sie kommen nicht aus den Verteilzentren der Deutschen Post“, sagt Sprecher Edenhofer. Die Daten würden etwa aus Telefonbüchern übernommen oder man habe sich das Einverständnis der Verbraucher geben lassen, ihre Adresse für Werbezwecke zu nutzen.

Doch weil die Werbung nicht wahllos an jeden Haushalt gehen soll, sammelt die Post wie andere Adresshändler auch noch mehr Daten über die Deutschen. In einer Broschüre wirbt das Unternehmen damit, auch „Informationen über den privaten PKW-Besitz“ sowie über das „Verhalten von Privatkunden im Versicherungs-, Banken- und Finanzmarkt“ zu haben. Sprich, die Post weiß, welche Automarke wer fährt und wer bei welcher Bank und welcher Versicherung Kunde ist.

Auch scannt die Post für manche Behörden und Unternehmen – darunter die Bundesagentur für Arbeit sowie Banken und Versicherungen – die an sie gerichteten Briefe und stellt sie ihnen elektronisch zu. Das alles passiere unter hohen Sicherheitsanforderungen, sagt die Post. Spätestens nach „ein paar Tagen“ würden sie von ihrem Server gelöscht.

Noch merkt die Post nicht, dass die Kunden vorsichtiger geworden sind, womöglich weniger Briefe verschicken. Ein Grund dürfte allerdings sein, dass der Briefverkehr von Privatpersonen nur einen Bruchteil ausmacht. 85 Prozent der in Deutschland verschickten Post geht auf das Konto von Geschäftskunden.

Wie bei der Post ist auch bei der Telekom noch nichts davon zu spüren, dass Kunden ihr Verhalten ändern – weniger telefonieren, weniger mailen oder von ausländischen zu inländischen Anbietern wechseln. „Es ist sicher noch zu früh, um solche Veränderungen wahrzunehmen“, sagte ein Telekom-Sprecher. Dennoch hoffe die Telekom natürlich, dass die Diskussion einen positiven Einfluss zum Beispiel auf die Nachfrage nach den Clouddiensten des Unternehmens haben werde. „Unsere Rechenzentren stehen alle in Deutschland, wo höhere Datenschutz- und Sicherheitsstandards gelten, die natürlich auch höhere Kosten verursachen.“

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