Wirtschaft : Der erste Tag

Was soll man anziehen? Wer ist Ansprechpartner? Wo verbringt man die Mittagspause? Ein Ratgeber für den Einstieg ins Berufsleben

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Noch immer kein Alltag. Seit knapp einem Jahr qualifiziert sich der Azubi Dennis Ueberschär am Max-Born-Institut in Adlershof zum Physiklaboranten. Foto: David von Becker
Noch immer kein Alltag. Seit knapp einem Jahr qualifiziert sich der Azubi Dennis Ueberschär am Max-Born-Institut in Adlershof zum...

Dennis Ueberschär war nervös, als er die Tür zum Institut aufschob. Sein erster Tag als Azubi. Alles ganz neu. Die Kollegen, die Arbeit, der Alltag.

Doch das ist nun fast ein Jahr her. Seit Herbst 2009 qualifiziert sich der 21-jährige Azubi am Max-Born-Institut für Nichtlineare Optik und Kurzzeitspektroskopie (MBI) in Adlershof zum Physiklaboranten. Sein Job: Er bereitet für die Laser-Messungen der Wissenschaftler des Instituts Apparaturen vor. Die Ergebnisse solcher Messungen werden etwa bei lasergesteuerten medizinischen Operationen angewendet.

Der 21-Jährige hat sich gut eingelebt. Er kennt die Kollegen, kommt mit den Aufgaben klar, weiß mit welchem Problem er sich an wen wenden kann. Die ersten Tage am Institut sind weit weg – doch er kann sich gut daran erinnern.

PULLI ODER BLUSE

Er hat damals über vieles nachgedacht, aber nicht über seine Kleidung. Dennis Ueberschär trug am ersten Tag einfach Jeans, Sweatshirt und Turnschuhe, so wie immer. Das ist bis heute so – und am Institut durchaus üblich.

Nicht in jedem Beruf fällt die Entscheidung so leicht. Wer sich unsicher ist, was er anziehen soll, kann erste Hinweise auf den Dresscode im Unternehmen beim Vorstellungsgespräch oder beim Unterzeichnen des Arbeitsvertrags bekommen. „Viele Chefs zeigen die Arbeitsräume. Man sieht, wie sich die zukünftigen Kollegen kleiden und kann sich daran orientieren“, sagt der Leiter der Studien- und Berufsberatung Einstieg, Denis Buss.

Auch im Internet kann man sich informieren. Auf Portalen wie www.beroobi.de geben Filme über Berufsbilder auch Hinweise auf den branchenüblichen Kleidungsstil. Hilfreich können auch soziale Netzwerke wie Facebook und SchülerVZ oder StudiVZ sein. „Wenn man bei einer großen Firma anfängt, findet man dort oft Gruppen oder Einzelpersonen, die man nach Gepflogenheiten im Unternehmen fragen kann“, rät Denis Buss.

ALLER ANFANG IST SCHWER

In den ersten Tagen wurde Dennis Ueberschär von seiner Ausbilderin durch das Unternehmen geführt. Sie stellte ihm die Abteilungen vor, zeigte ihm seinen Arbeitsplatz und ließ ihn bei Kollegen über die Schulter gucken, die eine Versuchsapparatur aufbauten. Seine erste Aufgabe bestand darin, einen Laser so einzustellen, dass er gerade über eine Schiene läuft. „Das klappte ganz gut“, erzählt er. Zu Beginn seiner Ausbildung wusste er nicht viel über die Materie. „Mit Laser-Messungen kannte ich mich nicht aus“, sagt er. Doch das erwartet gewöhnlich auch niemand von einem Azubi.

Man muss zum Ausbildungsstart kein Profi sein, beruhigt Denis Buss: „Man wurde anders als ein Studienabsolvent ja nicht wegen seines Wissens eingestellt, sondern weil man Interesse an der Tätigkeit hat und einem zugetraut wird, sich Dinge anzueignen.“ Eine Orientierung über das, was in der Lehre vermittelt werden soll und welche Abteilungen man durchläuft, gibt der Ausbildungsrahmenplan. Bestenfalls händigt der Chef ihn bereits beim Vorstellungsgespräch aus.

Wenn Dennis Ueberschär eine Frage hat, wendet er sich an seine Ausbilderin und gelegentlich auch an die Wissenschaftler, für die er Apparate baut.

„Man sollte seine Kollegen aber nicht gleich mit Fragen überhäufen, sondern erst zuhören und sich Notizen machen. Viele Fragen klären sich mit der Zeit von selbst“, rät der Berater Buss. Gerade am Anfang der Ausbildung müssten Azubis eine hohe Frustrationstoleranz mitbringen. Es sei nicht leicht, die richtige Balance zwischen überengagiert, aufdringlich oder verschüchtert zu finden.

ZUSAMMEN ESSEN GEHEN

Seine Mittagspause verbringt Dennis Ueberschär mit den anderen Azubis des Instituts. Er hat sie beim Empfang für die neuen Mitarbeiter kennengelernt. Das hat es ihm leicht gemacht, Kontakte zu knüpfen. Den Jugendvertreter des Betriebsrats lernte er schon beim Vorstellungsgespräch kennen. Er ist sein Ansprechpartner, wenn er arbeitsrechtliche Fragen hat, etwa zur Arbeitszeit oder zu den Ausbildungsinhalten.

Wer in der Ausbildung überwiegend „ausbildungsfremde Tätigkeiten“ wie Kaffee kochen oder kopieren erledigen muss, sollte sich erst einmal in einem persönlichen Gespräch an den Ausbilder wenden. „Reicht das nicht, sollte man zum Betriebsrat oder zur Jugend- und Auszubildendenvertretung gehen“, empfiehlt Dirk Neumann vom Deutschen Gewerkschaftsbund (DGB). Auch der Berufsschullehrer helfe weiter.

LÄSTERN VERBOTEN

Freundliche Distanz ist für Einsteiger angesagt. Duzen darf man nur Kollegen, die das anbieten. Als Einsteiger sollte man sich generell etwas zurückhalten und erst einmal ein Gefühl dafür entwickeln, wie die Kollegen ticken. Unbedingt fern halten sollte man sich auch von Lästereien über Kollegen oder Chefs, rät Berufsfindungsexpertin Uta Glaubitz. „Man kann vieles im ersten Jahr gar nicht beurteilen.“ Deshalb sei es ratsam, neutral zu bleiben und sich nicht einer Gruppe anschließen. Ihr Tipp zur Büroorganisation: Verlässt man in der Pause oder am Ende des Tages seinen Platz, sollte er „ordentlich sein, aber nach Arbeit aussehen“.

WENN NICHTS ZU TUN IST

Sollte ein Azubi gerade keine konkrete Aufgabe haben, kann er sich mit der Internetseite oder der Firmenphilosophie beschäftigen und sich Notizen machen zu Punkten, die ihm noch nicht klar sind. Uta Glaubitz rät: „Man sucht sich Aufgaben. Man macht das, woran noch keiner gedacht hat und überlegt sich, wie man als Jahrgangsbester abschließen kann.“ Dennis Ueberschär hat selten Leerlauf und wird von seiner Ausbilderin immer gut beschäftigt. Wenn doch mal etwas Zeit ist, recherchiert er im Internet oder liest in der Azubi-Bibliothek.

Nach dem Ende seiner Ausbildung wird es am MBI wohl keine Stelle für ihn geben. Aber vielleicht sucht dann eines der benachbarten Unternehmen auf dem Gelände des Technologieparks einen Physiklaboranten. Denn die dürften in ein paar Jahren auf dem Arbeitsmarkt sehr gefragt sein.

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