Der Karstadt-Chef im Interview : „Wir sind keine Ein-Euro-Bude“

Eine Standortgarantie gibt es nicht, eine Rückkehr in den Tarifvertrag 2014 hält er für ausgeschlossen: Im Tagesspiegel-Interview spricht Karstadt-Chef Kai-Uwe Weitz über die Sanierung des Konzerns und die Verhandlungen mit Verdi.

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Kai-Uwe Weitz führt die Geschäfte bei Karstadt, bis die neue Chefin Eva-Lotta Sjöstedt ihr Amt antritt.
Kai-Uwe Weitz führt die Geschäfte bei Karstadt, bis die neue Chefin Eva-Lotta Sjöstedt ihr Amt antritt.Foto: Karstadt

Herr Weitz, in den Tarifgesprächen kommende Woche wollen Verdi und der Betriebsrat auf eine Standort- und Beschäftigungssicherung pochen. Aufsichtsratschef Stephan Fanderl kündigte dagegen jüngst an, im Zuge der strategischen Neuausrichtung Standort für Standort überprüfen zu wollen. Mit welchen Zielen gehen Sie in die Verhandlung?

Wir verhandeln zunächst einmal über die Frage ob und wenn ja wann und unter welchen Bedingungen Karstadt in den Flächentarifvertrag des Einzelhandels zurückkehrt. Was ich ausdrücklich betonen möchte ist: Karstadt akzeptiert heute 99 Prozent der Bestandteile. Auch wenn wir seit Mai letzten Jahres aus dem Flächentarifvertrag ausgestiegen sind, so wenden wir trotzdem alle wesentlichen Elemente und Regeln auch bei Neueinstellungen an, zum Beispiel Urlaubstage. Das zeigt: Wir stehen hinter dem Tarif. Deshalb würden wir auch sofort zurückkehren, wenn wir die für uns essentielle Tarifpause, das heißt eine Aussetzung der Erhöhungen bis einschließlich 2015, bekommen. Momentan können wir uns die Erhöhung schlicht nicht leisten. Im Anschluss an diese Tarifpause sehe ich eine Eingleitklausel, das heißt eine schrittweise Anpassung der Erhöhung. Das alles muss aber der wirtschaftlichen Entwicklung des Unternehmens entsprechen.

Und die Filialen?
Die wirtschaftliche Entwicklung ist ein Schlüsselthema, denn wir können nur bei einer vollständigen Gesundung von Karstadt steigende Personalkosten verkraften. Heute verdient Karstadt kein Geld. Das müssen wir schnell ändern. Wir können im Interesse der Zukunft des Gesamtunternehmens und seiner 20 000 Mitarbeiter keine anhaltenden Verluste geschehen lassen. Von daher kann es keinen Bestandsschutz geben. Selbst, wenn wir wollten, können wir uns das nicht leisten. Umso wichtiger ist es, jetzt sehr eng mit den Gremien zusammenzuarbeiten.

Was kommt auf die Beschäftigten zu?
Wie gesagt: Alles muss auf den Prüfstand. Was gut läuft, müssen wir weiter machen, was nicht läuft, schnell verbessern oder beenden. Deshalb gehen wir jetzt in wirklich alle Bereiche. Wir werden uns nicht nur Filialen ansehen, sondern auch das Service-Center in Essen sowie jede einzelne Ausgabe ab einer gewissen Größenordnung. Das ist schmerzhaft, aber notwendig, um in Zukunft ein gesundes Unternehmen zu bekommen.

Was sind aktuell die größten Konflikte mit der Gewerkschaft? Ist eine Rückkehr in einen Tarifvertrag in 2014 denkbar?
Verhandlungen wollen wir in den Verhandlungen führen. Aber wie gesagt würden wir sofort zurückkehren, wenn uns die Tarifpause eingeräumt würde. An einer Erhöhung können wir nur partizipieren, wenn wir es uns leisten können. Das ist 2014 nicht der Fall. Sie wissen, dass unser erstes Quartal (Oktober bis Dezember 2013, Anm. d. Red.) ein Umsatzminus gebracht hat. Wir denken aber, dass wir das ändern können. Wir konzentrieren uns jetzt auf Ergebnisverbesserung durch bessere Marge, geringere Kosten und passende Warenbestände. Und wir arbeiten an der Profitabilität unserer Filialen. Der Tarifvertrag ist ein hohes Gut. Wir haben ihn nicht verlassen, weil wir wollten, sondern weil wir mussten. Wenn wir können, werden wir Erhöhungen zahlen. Aber das ist nicht 2014.

Wie viele – und welche – der verbliebenen 83 Filialen in Deutschland sind zur Zeit rentabel? Und wie groß ist der Sanierungsbedarf speziell in Berlin?
Es ist jetzt zu früh, um darüber zu sprechen, und wenn, werden wir das zuerst intern tun. Klar ist: Wir haben Filialen, die nicht rentabel sind, manche auch schon seit längerer Zeit. Diese müssen wir jetzt sehr dringend nach vorne bringen und daran arbeiten wir hart.

Mit welchen Argumenten empfehlen Sie einem jungen Menschen heute, seine Ausbildung bei Karstadt zu machen?
Zunächst einmal: Karstadt gibt es seit über 130 Jahren und dies trotz mancher Krise und großen gesellschaftlichen Veränderungen. Ganz klar ist, dass Karstadt sehr viel Potenzial hat. Wir sind eben keine Ein-Euro-Bude. In Karstadt steckt sehr viel Handelserfahrung, sehr viel Wissen um die Bedürfnisse unseren Kunden - vor allem auch vor Ort in den Filialen - und sehr viel Leidenschaft und Herzblut. Die Kraft von Karstadt steckt in den Mitarbeitern. Ich denke, es ist etwas Tolles, da dabei zu sein.

Die Fragen stellte Maris Hubschmid.

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