Der Reichtum der Welt : Das Geld sammelt sich in Asien

Weltweit gibt es 14,2 Millionen Millionäre – sie kontrollieren 41 Prozent des globalen Reichtums. Wie das Vermögen verteilt ist.

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In Asien steigt die Zahl der Reichen. In China soll es 1037 Haushalte mit einem Nettovermögen von mehr als 100 Millionen Dollar geben.
In Asien steigt die Zahl der Reichen. In China soll es 1037 Haushalte mit einem Nettovermögen von mehr als 100 Millionen Dollar...Foto: REUTERS

Frankfurt am Main - Der Reichtum in der Welt und die Zahl der Dollar-Millionäre sind 2014 dank guter Konjunktur und steigender Aktienkurse erneut gestiegen – wenn auch nicht so schnell wie im Jahr zuvor. Weltweit gab es Ende des vergangenen Jahres rund 14,2 Millionen Menschen, die über ein Vermögen von mindestens einer Million Dollar verfügten. Das waren 920 000 mehr als Ende 2013. Ihr gesamtes Vermögen ist um gut sieben Prozent auf insgesamt 56,4 Billionen Dollar geklettert. Damit besitzen jene 14,2 Millionen Personen mehr als 40 Prozent aller weltweiten Privatvermögen, mit steigender Tendenz. Dies zeigen zwei aktuelle Studien.

Erstmals gibt es im Asien-Pazifik-Raum (ohne Japan) mit 4,69 Millionen mehr Millionäre als in Nordamerika mit 4,68 Millionen. In Deutschland sind weitere 10 000 Menschen zu Millionären geworden. Insgesamt sind es hierzulande 1,14 Millionen. In Japan wurden Ende 2014 rund 2,45 Millionen Millionäre gezählt.

Bis 2017 soll, so der jüngste Reichenbericht („World Wealth Report“) der Unternehmensberatung Cap Gemini, das Vermögen der Millionäre auf insgesamt 70 Billionen Dollar steigen. Davon liegen dann 21,2 Billionen in Asien, 19,91 in Nordamerika und 16,5 in Europa.

Reiche werden risikobereiter

Nach Angaben von Klaus-Georg Meyer, Leiter der Bankensparte bei Cap Gemini Deutschland, steigt die Zahl der Millionäre vor allem in China und den USA mit Zuwachsraten von 18 und knapp neun Prozent weiter deutlich. Allein in diesen beiden Ländern zählt die am Mittwoch in Frankfurt vorgestellte Studie – befragt wurden weltweit 5100 Millionäre, davon 267 in Deutschland – rund 500 000 neue Millionäre. Gesunken ist die Zahl der Reichen im vergangenen Jahr bei den 71 untersuchten Ländern nur in Brasilien, Russland (durch den Konflikt in der Ukraine, die Sanktionen und die dadurch bedingte Wirtschaftskrise) und in Mexiko.

Das steigende Interesse an Aktien zeige eine wachsende Risikobereitschaft der Vermögenden, sagte Meyer. Trotzdem verwalten die Reichen weiterhin ein gutes Viertel ihres Vermögens in Form von Bargeld, sagt Meyer: „Vor allem, um ihren Lebensstil zu finanzieren.“

Die Zahl der sehr Reichen mit einem Vermögen zwischen fünf und 30 Millionen Dollar und der Superreichen, die noch mehr besitzen, ist 2014 mit 7,7 und 8,6 Prozent noch stärker gestiegen als die der „einfachen“ Millionäre (6,6 Prozent). Der Studie zufolge gibt es weltweit derzeit 139 300 Superreiche und 1,325 Millionen sehr Reiche. In Deutschland können sich, so Meyer, rund 11 400 Menschen als superreich und knapp 103 000 Menschen als sehr reich betrachten.

Asien-Pazifik steht besser da als Westeuropa

Zu etwas anderen Zahlen kommt eine weitere, Anfang dieser Woche vorgelegte Studie der Boston Consulting Group (BCG). Danach gab es im vergangenen Jahr weltweit sogar 17 Millionen Millionäre. Die Untersuchung („Global Wealth 2015: Winning the Growth Game“) bestätigt aber, dass der Reichtum mittlerweile im asiatisch- pazifischen Raum – ohne Japan – größer ist als in Westeuropa. Und dass die Region bereits im kommenden Jahr Nordamerika von der Spitze ablösen wird. Weltweit seien die Privatvermögen im vergangenen Jahr um zwölf Prozent auf 164 Billionen Dollar gestiegen. In Nordamerika waren es 51 Billionen und damit gut sechs Prozent mehr. Im Asien-Pazifik-Raum ging es sogar um 30 Prozent auf gut 47 Milliarden Dollar nach oben. Durch diesen Sprung überrundete die Region Westeuropa, wo das Plus nur bei knapp sieben Prozent lag und zu einem Vermögen von etwas weniger als 40 Billionen Dollar führte.

Allein in China gibt es laut BCG 1037 Haushalte mit einem Nettovermögen von mehr als 100 Millionen Dollar. Für die enormen Vermögens- und Einkommensunterschiede in China machen Analysten Korruption, das staatliche Monopol in einigen Industriezweigen und fehlende soziale Absicherung für Wanderarbeiter verantwortlich.

In der Schweiz kommen 135 Millionäre auf 1000 Einwohner

Der Prognose von BCG zufolge wird der Reichtum in der Region Asien-Pazifik bis 2019 um weitere 60 Prozent auf dann 75 Billionen Dollar wachsen. Nordamerika soll um 23 Prozent auf 62,5 Billionen, Westeuropa um 24 Prozent auf 49 Billionen zulegen. Auch im Mittleren Osten/Afrika, in Lateinamerika und in Osteuropa werde es hohe Wachstumsraten geben.

In Deutschland gibt es laut BCG 350 000 Dollar-Millionär-Haushalte, 679 Haushalte mit mehr als 100 Millionen Dollar und 49, die über mehr als eine Milliarde Dollar verfügen. Wegen des schwachen Euro sind der Untersuchung zufolge rund 35 000 Deutsche wieder unter die Millionenschwelle gerutscht. In den USA zählt die Studie 5200 Superreiche, die über mehr als 100 Millionen Dollar verfügen. In Großbritannien sind es gut 1000. Am größten ist die Millionärsdichte nach wie vor in der Schweiz: Auf 1000 Haushalte kommen dort 135 Millionäre.

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