Der Streit bei VW : Piëch und Porsche - Kampf im Familienclan

Der Streit im Familienclan der Porsches und Piëchs droht wieder offen auszubrechen. Wie kam es zu dieser Fehde und warum macht das die Lage in diesem Traditionskonzern so schwierig?

Peter Mlodoch/mit dpa
Gegenpole. Wolfgang Porsche, Ferdinand Piëch.
Gegenpole. Wolfgang Porsche, Ferdinand Piëch.Foto: dpa

Etwas über 50 Prozent halten die beiden Clan-Zweige Piëch und Porsche an Volkswagen; damit ist der Konzern mit seinen zwölf Einzelmarken faktisch ein Familienunternehmen. Wollte der Patriarch mit seinem öffentlich zelebrierten Liebesentzug vielleicht gar nicht Winterkorn abstrafen, sondern in Wirklichkeit die Familie Porsche treffen, die andere Pläne für VW verfolgt? Überraschend schnell und überraschend deutlich kam diesmal jedenfalls das Veto seines Cousins Wolfgang Porsche.

Bei den Rauswürfen von Winterkorns Vorgänger Bernd Pischetsrieder und des früheren Porsche-Chefs Wendelin Wiedeking durch Ferdinand Piëch hatte sich der Porsche-Zweig dagegen noch mit öffentlichen Bewertungen zurückgehalten. Zum jetzt öffentlich zutage getretenen Bruch kam es möglicherweise schon 2009, als VW mit tatkräftiger Hilfe des gewieften Taktikers Piëch die feindliche Übernahme durch die relativ kleine Zuffenhausener Edelschmiede Porsche nicht nur abwehrte, sondern sich umgekehrt den Sportwagenhersteller einverleibte. Mit Tränen in den Augen, so wird berichtet, habe Wolfgang Porsche damals diese Schlappe verfolgt. Und vielleicht Rache geschworen?

Wolfgang Porsche ist Waldorf-Schüler

Die beiden unterschiedlichen Cousins, Enkel des legendären Firmengründers und Käfer-Konstrukteurs Ferdinand Porsche, führen die jeweiligen Zweige ihrer Familien an. Der technikverliebte Ingenieur Piëch fühlt sich als legitimer Erbe seines visionären Großvaters. Wolfgang Porsche (71), ein gelernter Schlosser und diplomierter Kaufmann, gilt dagegen eher als nüchterner Mann der Zahlen. Beide Familien teilen sich Macht und Geld im Konzern zu gleichen Teilen – Folge des Testaments des 1951 verstorbenen Ferdinand Porsche, der sein Vermögen gerecht auf seine beiden Kinder verteilte. Sohn Ferry Porsche baute die Stuttgarter Sportwagenfirma auf, Tochter Louise mit ihrem Mann Anton Piëch in Salzburg ein Autohandels-Imperium. Deren Abkömmlinge streiten längst um die Macht in Wolfsburg. Piëch hat seine Ehefrau Ursula (58) in den 20-köpfigen Aufsichtsrat geholt, dort sitzt auch sein Bruder Hans-Michael (72).

Ferdinand Piëch und Wolfgang Porsche sind wie Gegenpole. Das ist gut zu sehen, wenn die Vettern auf einer Bühne erscheinen. Wolfgang Porsche ist nahbar. Er versprüht bubenhafte Freude, wenn er von seinen Autos schwärmt. Wenn Ferdinand Piëch dagegen Hof hält, weichen Anwesende ehrfurchtsvoll zurück. „Der Alte“ heißt er intern. Porsche stammt aus dem Zweig der Familie, der als anthroposophisch gilt. „Ich glaube, dass es ganz wichtig ist, dass man nicht nach Profiten giert, sondern dass man unter Menschen mit Menschen umgeht“, sagte Porsche einst. Porsche ist Waldorfschüler, Familienmensch, bodenständig, traditionsbewusst. Er ist Nebenerwerbslandwirt.

Piëch denkt in Ergebnissen, in Zahlen. Auf Harmonie sei er nicht angewiesen, sagte er einmal.

Das muss man wohl so stehen lassen. (mit dpa)

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