Deutsche-Bank-Tochter : Wo bleibt die Berliner Bank?

Das Geschäftsvolumen der Berliner Bank wächst. Dennoch ist unklar, ob die Deutsche Bank an der Berliner Tochter festhält.

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Die Berliner Bank gehört seit 2006 zur Deutschen Bank. Foto: Mike Wolff
Die Berliner Bank gehört seit 2006 zur Deutschen Bank.Foto: Mike Wolff

Stefanie Salata spricht von einem „intensiven Jahr“, das hinter ihr liegt. Die Chefin der Berliner Bank hatte in den letzten Monaten viel zu tun. Sie hat die Digitalisierung vorangetrieben, um ihre Bank „jünger und moderner“ zu machen. Sie hat eine neue Vorzeige-Filiale am Hackeschen Markt eröffnet. Sie hat mehr Auszubildende eingestellt und mehr Geld in die Fortbildung ihrer Mitarbeiter gesteckt. Das alles hat Salata mit dem Ziel getan, die Bank in Berlin präsenter zu machen. Und möglicherweise auch oder gar vor allem, um den Mutterkonzern Deutsche Bank von der Stärke ihres Instituts zu überzeugen. Denn darauf wird es in den kommenden Monaten ankommen.

Die Deutsche Bank, die die Berliner Bank 2006 gekauft hat, steckt in einer Sinnkrise. Die Vorstände feilen an einer neuen Strategie, die den Konzern zukunftsfähig machen soll. Bei dieser Diskussion gibt es – so heißt es in Finanzkreisen – keine Denkverbote, keine Tabus. Jedes Geschäftsfeld kommt auf den Prüfstand. So hat es zum Beispiel bereits Spekulationen darüber gegeben, ob die Deutsche Bank die Postbank verkaufen könnte – was die Frage aufwirft, was mit der Berliner Bank passiert. Denn wie die Postbank ist auch sie eine eigenständige Marke unter dem Dach des Großkonzerns. Zwar hat die Berliner Bank der Mutter in den letzten Jahren kaum Probleme bereitet. Doch kann oder will der Deutsche-Bank-Konzern es sich langfristig leisten, mit mehreren Marken in Berlin präsent zu sein? 

Ein klares Bekenntnis der Deutschen Bank hat es bislang nicht gegeben

Salata weicht dieser Frage am Mittwoch aus. Sie scheint bislang schlichtweg nicht zu wissen, was der Mutterkonzern mit ihrem Institut vor hat.  Ein deutliches Bekenntnis der Deutschen Bank zur kleinen Regionaltochter in Berlin hat es bislang jedenfalls nicht gegeben. Das mag daran liegen, dass man in Frankfurt am Main gerade andere Probleme hat. Es könnte aber auch daran liegen, dass man sich eben alle Optionen offen halten will. Und zu denen könnte durchaus auch ein Verkauf der Berliner Bank zählen. Stefanie Salata bleibt da wenig übrig, als für ihr Institut zu werben. „Wir wachsen“, sagt sie. „Wir haben unsere Marktposition in einem sehr anspruchsvollen regionalen Umfeld sichtbar gefestigt.“ Das Geschäftsvolumen legte 2014 um 2,2 Prozent zu auf knapp acht Milliarden Euro. Gleichzeitig blieb die Zahl der Kunden jedoch konstant: 300 000 betreut die Bank derzeit in der Stadt.

Stefanie Salata leitet seit zwei Jahren die Berliner Bank. Foto: promo
Stefanie Salata leitet seit zwei Jahren die Berliner Bank.Foto: promo

Langfristig soll die Kundenzahl wieder steigen. Um das zu erreichen, hat Salata zum Beispiel das Private Banking umstrukturiert – also den Bereich, in dem vermögende Kunden betreut werden. Im vergangenen Jahr hat sie diesen Zweig stärker mit dem Firmenkundengeschäft verzahnt. Das Ziel: Salata will Firmenkunden auch als Privatkunden gewinnen und umgekehrt. Schließlich haben Unternehmer nicht nur eine Firmenkasse sondern oft auch ein kleines oder größeres Privatvermögen, das sie anlegen wollen. Bereits jetzt betreut das Institut im Private Banking gut 2000 Kunden.

Die Berliner Bank wirbt um Neu-Berliner und Gründer

Gleichzeitig will die Berliner Bank noch stärker als bislang junge Menschen als Kunden für sich gewinnen. Zum Beispiel Neu-Berliner, die für den Job herziehen oder Gründer, die hier ein Start-up aufbauen. Dieses Klientel will Salata vor allem mit neuer Technik überzeugen. So will sie Kunden und Passanten künftig zum Beispiel über so genannte Beacons in die Filiale locken: Alljenen, die an einer Filiale vorbeilaufen, schickt die Berliner Bank über eine App auf dem Smartphone Nachrichten – und weist sie so auf Veranstaltungen oder Angebote in der Zweigstelle hin. Bislang komme das gut an. „Die Resonanz ist groß“, sagt Salata.

Ob all das aber hilft, um die Deutsche Bank zu überzeugen? Dass die Marke „Berliner Bank“ komplett verschwindet, hält man in Finanzkreisen für unwahrscheinlich. Denkbarer wäre dagegen ein Verkauf. Interessenten dürfte es dafür genug geben –  die Deutsche Bank hat sich 2006 im Bieterkampf gegen 21 Konkurrenten durchgesetzt.

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