Wirtschaft : Eine Notlandung und viele Fragen

Zwar verlief auch der jüngste Zwischenfall bei Air Berlin glimpflich. Dennoch leidet das Image.

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Am Boden. Ein vermuteter Triebwerkschaden zwang diesen Air-Berlin-Jet zur Rückkehr nach Phuket. Die Passagiere kamen mit dem Schrecken davon. Foto: dpa
Am Boden. Ein vermuteter Triebwerkschaden zwang diesen Air-Berlin-Jet zur Rückkehr nach Phuket. Die Passagiere kamen mit dem...Foto: dpa

Berlin - Beim thailändischen Verkehrsministerium hält man das Ereignis auf dem Air-Berlin-Flug AB-7425 von Phuket nach Abu Dhabi schon nicht mehr für der Rede wert. Am Freitagnachmittag deutscher Zeit schlossen die Experten ihre Untersuchung ab. Die Notlandung des Airbus, die den Flughafen der Insel über Stunden lahmgelegt hatte, werde nicht als „schwerwiegend“ eingestuft. Weitere Ermittlungen seien nicht nötig, hieß es.

Das war’s, könnte man sagen. Und so ging die Air-Berlin-Zentrale auch wortreich zur Tagesordnung über: Sie verschickte gleich drei Rundschreiben, informierte, dass die Passagiere gestern auf allen innerdeutschen Flügen Schokoherzen in einer „weihnachtlichen Sonderedition“ und einen Reisegutschein ausgehändigt bekamen. In anderen Mitteilungen hieß es, dass Berliner bald auch nach Bukarest und Züricher ab Sommer nach Sylt fliegen können. Was viele Fluggäste und Aktionäre aber mehr interessieren dürfte: Wie sicher fliegt die zweitgrößte deutsche Fluggesellschaft?

Erste Meldungen von Donnerstag gaben zunächst Anlass zur Sorge. Besagter Langstreckenjet vom Typ Airbus A330 hob um 21:46 Uhr Ortszeit von Phuket in Richtung Abu Dhabi in den Arabischen Emiraten ab, an Bord 249 Passagiere, darunter viele Deutsche. Dann habe die Crew, wie es beim Fachdienst „Aviation Herald“ hieß, Feuer in einem Triebwerk an den Tower gemeldet. Passagiere hätten Schläge gehört und Funken gesehen, hieß es. Nach 40 Minuten sei die Maschine wieder in Phuket gelandet. Bei der Landung sei ein Reifen geplatzt – offenbar weil die Maschine noch voll betankt und daher schwer war.

Fest steht: Alle Passagiere blieben unverletzt und wurden auf Hotels verteilt. Techniker von Air Berlin und vom Triebwerkshersteller Pratt & Whitney machten sich auf den Weg nach Phuket.

Bei Air Berlin hieß es am Freitag, dass es offenbar kein Feuer gegeben habe. Auch sei die Löschanlage nicht ausgelöst worden. Die Bundesstelle für Flugunfalluntersuchung in Braunschweig, die den Fall ebenfalls protokolliert, teilte dem Tagesspiegel mit, es sei noch zu früh für eine abschließende Bewertung. Die Behörde liegt mit Air Berlin derzeit im Klinsch, da sie einen erst dieser Tage bekannt geworden Zwischenfall eines Air-Berlin-Jets im Anflug auf Heraklion auf Kreta im September als „schweren Zwischenfall“ einstufte. Dabei ist strittig, ob die Piloten genug Kerosin getankt hatten.

Zu Schaden kam auch dort niemand. So könnte Air Berlin weiterhin auf die jährlich aktualisierte Statistik des Unfalluntersuchungsbüros Jacdec verweisen, die Air Berlin als sicherste europäische Airline einstuft. Seit Gründung 1981 gab es keine Verletzten oder Toten an Bord. Air Berlin steht auf Platz 9 von 60 untersuchten großen Fluggesellschaften, Lufthansa auf Platz 12.

Trotzdem: „Jetzt ist eine Grenze erreicht“, sagt Aktienanalyst Jürgen Pieper vom Bankhaus Metzler. Noch sei man geneigt zu sagen, Air Berlin befinde sich auf dem richtigen Weg – etwa mit dem in dieser Woche vollzogenen Verkauf des Vielfliegerprogramms Topbonus. „Kommt es in nächster Zeit zu einem dritten Zwischenfall, wird man dies – zu Recht oder Unrecht – auf die laufenden Sparprogramme zurückführen.“ Das wäre ein Problem. Die Aktie war am Freitag eine der größten Verliererinnen im S-Dax: Ihr Wert fiel um drei Prozent auf 1,58 Euro.

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