Elektroauto i3 - das große Wagnis für BMW : Kulturwandel auf vier Rädern

Mitte November kommt der elektrische i3 in den Handel. BMW dreht die Marketingmaschine auf - für die Münchener steht viel auf dem Spiel

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Das Elektroauto i3 beim Produktionsstart am 18. September vor der Belegschaft in Leipzig.
Premiere in Leipzig. Beim Produktionsstart des i3 am 18. September gab es Applaus von der Leipziger Belegschaft. 2014 will BMW...Foto: picture alliance / dpa

Pink bekommt einen. Horst Seehofer auch. Prominente aller Art – Rockstars, Politiker, Schauspieler – werden den i3, das Elektroauto von BMW, als Erste fahren dürfen. Pioniere der Elektromobilität, die der Autobauer in seine Werbung einbaut. Als Glücksbringer und Botschafter der Zukunft.

Glück allein wird jedoch nicht ausreichen, wenn ab dem 16. November das neue Auto, in dessen Entwicklung BMW geschätzte drei Milliarden Euro gesteckt hat, bei den Händlern steht. Bei einem Preis ab 34 950 Euro wird noch viel Überzeugungsarbeit nötig sein, wenn nicht nur die betuchte Stammkundschaft in die BMW-Autohäuser gelockt werden soll.

„Wir haben 8000 bis 9000 Vorbestellungen“, verriet Finanzvorstand Friedrich Eichiner in dieser Woche bei der internationalen Fahrvorstellung des i3 in Amsterdam. Zehnmal so viele Anfragen für Probefahrten gebe es. „2013 sind wir ausverkauft.“ Das freilich sei nicht schwer gewesen, denn die i3-Produktion ist erst Mitte September in Leipzig angelaufen. Der Markttest findet 2014 statt. „Von einer fünfstelligen Zahl an Verkäufen kann man in jedem Fall ausgehen“, glaubt Eichiner. Mit Prognosen ist BMW sehr vorsichtig. „Wir alle müssen die Elektromobilität erst verstehen“, sagte Eichiner. „Niemand hat Erfahrung.“ Es könne auch sein, dass die Nachfrage deutlich höher ausfalle, gibt sich der Finanzchef optimistisch.

Wegen der unsicheren Aussichten für die Elektromobilität insgesamt und das eigene E-Auto überlässt BMW nichts dem Zufall. Seit Monaten bereitet der Konzern minutiös die Markteinführung des i3 mit zahlreichen Presseterminen, Werksbesichtigungen, Fahrvorstellungen und spektakulären Präsentationen vor. Einen solchen Aufwand habe man noch nie für ein neues Auto betrieben, heißt es im Unternehmen. Es gehe ja auch nicht um einen neuen 3er-BMW, sondern um ein völlig anderes, erklärungsbedürftiges Fahrzeug- und Mobilitätskonzept. Vom „Kulturwandel“ ist in Amsterdam oft die Rede.

Friedrich Eichiner wagt die These, dass „Autos künftig nicht mehr nur schnell und leistungsstark sein müssen – sondern nachhaltig“. Ob dies angesichts der schönen Gewinne, die BMW weiterhin mit seinen üppig motorisierten Limousinen macht, nur Marketinggerede ist oder tatsächlich eine neue Haltung, wird sich zeigen. „Es kommt eine Menge Arbeit auf uns zu“, weiß Eichiner, der den von BMW angestrebten Renditekorridor von acht bis zehn Prozent im Blick hat.

Tatsächlich hat BMW mit der Entwicklung des i3 schon eine Menge Arbeit hinter sich. Dem Auto merkt man das an. Der i3, dessen Karosserie aus kohlefaserverstärktem Kunststoff besteht, erweist sich im Alltagsverkehr als komfortabler, unkomplizierter Kompaktwagen. Schnell vergisst man, dass man in einem Elektroauto sitzt, das lautlos und enorm antriebsstark unterwegs ist – aber nur eine Reichweite von 150 Kilometern hat. In drei Fahrmodi lässt sich der Stromverbrauch moderat beeinflussen. Das Bremspedal wird kaum noch gebraucht, weil das Auto seine Bremskraft sofort entfaltet, wenn man vom „Gas“ geht – die dabei entstehende Energie fließt zurück in die Batterie. Je sportlicher die Fahrweise, desto schneller leert sich die Batterie. Neigt sich die Energiereserve dem Ende zu, lassen sich über das Navi schnell freie Ladestationen in der öffentlichen Infrastruktur finden. Die Niederländer machen hier vor, wie es geht: Allein in Amsterdam finden sich rund 700 Ladesäulen, von denen 80 Prozent für minutenschnelle Ladevorgänge geeignet sind.

Auffälligstes Merkmal im Innenraum des i3 ist das futuristische Cockpit, bei dem die BMW-Designer sich von der Möbelindustrie inspirieren ließen. Das mit knapp 40 Sonderausstattungen versehene Testfahrzeug dürfte die Preismarke von 40 000 Euro locker überschritten haben. Viel Geld für ein kleines Auto.

Dass man auch preiswerter mit einem deutschen Elektrofabrikat unterwegs sein kann, zeigt der VW E-Up: In einem aktuellen Vergleichstest der Zeitschrift „Auto, Motor und Sport“ zeigte der Wolfsburger Konkurrent, der ab 26 900 Euro in der Basisausstattung zu haben ist, seine Stärken. BMW spricht jedoch eine andere Zielgruppe an, die bei Fahrkomfort und -leistung BMW-Maßstäbe anlegt – und bezahlen kann. Dies werden zunächst vor allem Unternehmen sein. Etwa die Hälfte der Vorbestellungen stammt von gewerblichen Kunden, die den i3 in ihre Flotten als elektrischen Dienst- und Firmenwagen aufnehmen wollen.

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