Europazentrale für Innovationen : Samsung kommt nach Berlin

Die Koreaner eröffnen die Europa-Zentrale ihres Innovationsarms Samsung Next in Berlin. In der Hauptstadt gebe es viel Potenzial für neue Technologien wie Blockchain.

Samsung sucht in Berlin nach Innovationen. Foto: AFP PHOTO / JUNG Yeon-Je
Samsung sucht in Berlin nach Innovationen. Foto: AFP PHOTO / JUNG Yeon-JeFoto: AFP

Noch residiert Felix Petersen in einem Co-Working-Space am Hackeschen Markt, doch bald schon will er Gründer und andere Gäste in eigenen Räumlichkeiten empfangen. Petersen ist der neue Europa-Chef von Samsung Next, dem Innovations- und Investmentarm des koreanischen Großkonzerns, und der eröffnet nun auch ein Büro in Berlin. „Wir machen von hier aus das Europa-Geschäft“, sagt Petersen. Dazu sollen noch Büros in London, Paris und möglicherweise weiteren Städten eröffnet werden. Doch bei der Wahl der Europa-Zentrale hat man sich für Berlin entschieden.

150 Millionen Dollar für Investitionen

Samsung Next wurde vor vier Jahren gestartet, bislang gibt es Standorte in Korea, den USA und in Israel. Das Unternehmen hat sich bisher an 60 Start-ups beteiligt und 15 gekauft. Eine der Übernahmen war beispielsweise die Firma Viv – mit der wollten die ehemaligen Gründer von Apples Siri-Software einen besseren Sprachassistenten entwickeln. Das tun sie nun für Samsung: Ihre Technologie ist der Kern der Assistenzsoftware Bixby, die die Koreaner bei der Einführung ihres jüngsten Galaxy-Smartphones erstmals vorgestellt haben. Im Frühjahr hatte der Konzern bekanntgegeben, dass Samsung Next in einem neuen Fonds 150 Millionen Dollar für Investitionen in Start-ups bereit stehen. Nun sollen Petersen und sein Team Jungunternehmen ausfindig machen, deren Ideen auch für Samsung interessant sein könnten. Der Schwerpunkt liegt dabei auf Software. „Wir würden nicht in ein neuartiges Handyglas oder einen Chiphersteller investieren“, sagt Petersen. Dafür aber eventuell in einen Fitnesstracker, bei dem die Sensoren und Software im Hintergrund eine wichtige Rolle spielen.

Felix Petersen hat seine erste Firma an Nokia verkauft, nun sucht er Start-ups für Samsung Foto: promo
Felix Petersen hat seine erste Firma an Nokia verkauft, nun sucht er Start-ups für Samsung Foto: promoPromo

Petersen kennt die Berliner Szene genau. Er hat in den Neunzigern an der TU Berlin Informatik und Soziologie studiert und 2004 das Start-up Plazes gegründet. Die Nutzer konnten dort ihren Standort miteinander teilen. Der große Durchbruch blieb zwar aus, wohl auch weil Petersen mit seiner Idee zu früh dran war. Denn das iPhone wurde erst drei Jahre später erfunden und mit dem Durchbruch des Smartphones boomte plötzlich auch das US-Unternehmen Foursquare mit einer ganz ähnlichen Idee. Doch da hatte Nokia schon die Berliner übernommen und die Technologie in den eigenen Kartendienst integriert. Später sorgte Petersen dann noch mit seinem Start-up Amen für Aufsehen, bei dem er unter anderem Schauspielstar Ashton Kutcher als Investor gewann. Die Meinungsplattform wurde später vom Musikvideodienst Tape.tv übernommen.

"Potenzial, das monopolisierte und US-zentrierte Internet umzukrempeln"

Doch der 41-jährige hält nun längst nicht nur nach neuen Apps Ausschau. „Wir werden viel mehr Innovationen aus existierenden Industrien sehen“, sagt Petersen. Das nächste große Ding kann eher von einem erfahrenen Ingenieur kommen, der sich mit seiner Idee selbstständig macht, als von einem 20-jährigen App-Entwickler. Und gerade Deutschland kann nach seiner Einschätzung bei dieser nächsten Welle der Digitalisierung der Industrie eine große Rolle spielen. „Wir haben kürzlich mit Start-ups in den USA gesprochen, die ihr Hauptquartier nach Deutschland verlegen wollen“, sagt Petersen. Denn auch die Pilotkunden sitzen hier.

Auch neue Technologien wie Blockchain, das System hinter Kryptowährungen wie Bitcoin, werden künftig eine große Rolle spielen. Statt Informationen zentral zu speichern, werden sie dabei von allen Nutzern geteilt. „Das hat das Potenzial, das monopolisierte und US-zentrierte Internet umzukrempeln, das kann dadurch wieder viel dezentraler werden“, sagt Petersen. Und gerade in Berlin gäbe es enorm viele Entwickler, die daran arbeiten.

Doch nicht alles in Berlin begeistert Petersen so. Er hatte zuletzt zwei Jahre in Lissabon gelebt und war dort als Investor aktiv. „Ich war ganz schön überrascht, wie schwer es inzwischen ist, bezahlbare Büroräume zu finden“, sagt Petersen. Eigentlich wollte er mit dem Samsung-Next-Team nach Mitte. Doch nun suchen sie auch noch in anderen Bezirken.

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