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Fed macht ernst : US-Notenbank bremst Aufkäufe von Staatsanleihen

Die Fed fährt ihr Anleiheprogramm um zehn Milliarden Dollar zurück. Anleger ziehen ihr Geld aus den Aktienmärkten ab. Schwellenländer steuern mit Zinserhöhungen gegen.

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An den Börsen, wie hier an der New Yorker, warteten Anleger und Händler mit Spannung auf die Entscheidung der Fed. Foto: AFP
An den Börsen, wie hier an der New Yorker, warteten Anleger und Händler mit Spannung auf die Entscheidung der Fed.Foto: AFP

Die US-Zentralbank Federal Reserve fährt ihr Programm zum Aufkauf von Staatsanleihen und Hypothekenpapieren um weitere zehn Milliarden Dollar zurück. Der für die Geldpolitik zuständige Offenmarktausschuss der Fed kündigte am Mittwochabend an, die monatlichen Anleihenkäufe auf 65 Milliarden Dollar zu drosseln. Den Leitzins beließ die Notenbank unverändert auf dem Rekordtief von null bis 0,25 Prozent.

Die Börse in Tokio reagierte empfindlich auf die Fed-Beschlüsse. Der Nikkei-Index für 225 führende Werte fiel um 376,85 Punkte oder 2,5 Prozent auf den Endstand von 15.007 Punkten. Der breit gefasste Topix büßte um 2,6 Prozent auf den Stand von 1224 Zählern ein.

Über mehrere Programme zum Anleihenkauf pumpte die Fed seit Mitte 2008 im Kampf gegen die Folgen der Finanzkrise rund drei Billionen Dollar in den Wirtschaftskreislauf. Im Dezember begann die Notenbank dann mit dem Ausstieg aus der extrem lockeren Geldpolitik. Durch den Kurswechsel in den USA geraten derzeit die Währungen zahlreicher Schwellenländer unter Druck.

Im Vorfeld der Fed-Entscheidung hatten am Vormittag schon einige Schwellenländer eine Zinserhöhung beschlossen, um den Verfall ihrer Landeswährungen aufzuhalten. So setzte sich die türkische Zentralbank über Warnungen der Erdogan-Regierung hinweg und erhöhte am Mittwoch die den Zinssatz, zu dem sich Banken über Nacht frisches Geld leihen können, von 7,75 auf zwölf Prozent. Doch der Kursverfall konnte nur kurzfristig gestoppt werden: Anfängliche Kursgewinne der Lira von bis zu drei Prozent gegenüber dem US-Dollar flachten im Laufe des Tages wieder ab. Die Währungen etwa von Indien, Indonesien und Südafrika legten in Folge der türkischen Zinserhöhung zunächst zu, konnten die Gewinne aber ebenfalls nicht halten.

Auch Südafrika stemmt sich mit einer Leitzinserhöhung gegen Währungsturbulenzen. Die Zentralbank hob den Schlüsselzins am Mittwoch um einen halben Prozentpunkt auf 5,5 Prozent an. Sie begründete den Schritt damit, dass sie verstärkten Druck auf die Landeswährung Rand erwarte. Unter der erwarteten US-Zinsentscheidung litt zuletzt besonders der russische Rubel. Am Mittwoch erreichte der Kurs einen neuen Tiefstand. Am Abend wurde ein Euro an der Moskauer Börse mit 47,95 Rubel notiert.

Der Verfall der Schwellenländer-Währungen in den vergangenen Wochen hängt sehr mit dem geldpolitischen Kurs der US-Notenbank zusammen. Da viele Anleger bereits erwarteten, dass die USA die milliardenschweren Anleihekäufe herunterfahren und dadurch die Zinsen in den USA wieder steigen, ziehen sie ihr Geld aus den Schwellenländern ab, um es in Amerika anzulegen.

Das hatte auch die Türkei zu spüren bekommen. Erdem Basci, der 47-jährige Chef der türkischen Zentralbank, hatte sich lange gegen eine Zinserhöhung gewehrt und lag damit ganz auf der Linie Erdogans – so sehr, dass schon von Regierungsdruck auf die nominell unabhängige Bank die Rede war. In der Nacht zum Mittwoch entschloss sich Basci dann aber bei einer Dringlichkeitssitzung der Zentralbank, in die Vollen zu gehen. Hinzu kommen Sorgen um die wirtschaftliche Entwicklung der Türkei, die mit einem großen Außenhandelsdefizit und sinkenden Wachstumsraten zu kämpfen hat.

Doch auch die Politik spielte eine Rolle. Die im Dezember aufgedeckten Korruptionsvorwürfe gegen Erdogans Regierung und die Reaktion des Ministerpräsidenten, der in den Vorwürfen ein Komplott von Regierungsgegnern sieht, haben viele Investoren irritiert. Erdogan ließ tausende Polizisten zwangsversetzen und arbeitet an Plänen, die Justiz stärker unter die Kontrolle der Regierung zu stellen.

Die Folge aus alledem war eine allgemeine Verunsicherung, die Börse und Lira auf eine Talfahrt schickte. Basci und seine Zentralbankkollegen versuchten zunächst, die Lira mit dem Verkauf von Dollars zu stützen. Doch es half nichts. Deshalb setzte Basci für Dienstagabend die Dringlichkeitssitzung an. Mit der Zinserhöhung will er die steigende Inflation bekämpfen und die Türkei für Anleger wieder attraktiver machen.

Nur wenige Stunden vor der Sitzung betonte Erdogan noch einmal, er sei gegen jegliche Zinserhöhung. Der Ministerpräsident befürchtet negative Folgen für die Wirtschaft kurz vor wichtigen Wahlen im März, weil höhere Zinsen die Investitionsbereitschaft der Unternehmen und den Konsum bremsen könnten. Doch Basci signalisierte mit seinem drastischen Zinsschritt, dass er sich nicht als Erfüllungsgehilfe der Regierung versteht. Analysten und Experten bewerteten die Entscheidung positiv. „Eine wahnsinnige Leistung“, sagte Benoit Anne von der französischen Bank Société Générale der Nachrichtenagentur Reuters. Andere Schwellenländer wie Indien hatten ebenfalls mit Zinserhöhungen auf das schwieriger gewordene internationale Umfeld reagiert. (mit afp/rtr/dpa)

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