Frieden im Fleischkonzern : Clemens und Robert Tönnies begraben das Kriegsbeil

Über sechs Jahre bekämpften sich in der Familie Tönnies Onkel und Neffe. Jetzt wird die Macht im größten Fleischkonzern Deutschlands geteilt.

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Der westfälische Frieden: Maximilian, Clemens und Robert Tönnies (von links nach rechts) haben ihren Zwist beigelegt.
Der westfälische Frieden: Maximilian, Clemens und Robert Tönnies (von links nach rechts) haben ihren Zwist beigelegt.Foto: Bernd Thissen/dpa

Clemens Tönnies ist ein wichtiger Mann. Wenn er Kreml-Chef Wladimir Putin besucht, bringt er dem russischen Präsidenten Eisbein mit, das er, der gelernte Metzger, selbst gemacht hat. „Ich musste mit neun Jahren schon Därme putzen“, erzählte der Unternehmer vor einigen Jahren im Tagesspiegel-Interview. Der Mann, der aus kleinen Verhältnissen kommt, ist heute Deutschlands größter Fleischunternehmer. Bei seiner Party zum 60. Geburtstag im Mai 2016 gab Schlagerstar Helene Fischer („Atemlos“) ein Privatkonzert, beim Fußball-Bundesligisten Schalke 04 ist Aufsichtsratschef Tönnies der starke Mann.

An Durchsetzungskraft fehlt es dem Ostwestfalen nicht. Die Tönnies-Gruppe hat er nach dem Tod seines Bruders Bernd, der den Familienbetrieb gegründet hatte, groß gemacht. 6,35 Milliarden Euro Umsatz erwirtschaftet das Unternehmen, das seinen Sitz in Rheda-Wiedenbrück hat, im Jahr, 12.500 Angestellte arbeiten weltweit für die Gruppe, mehr als 20 Millionen Schweine und über 420.00 Rinder haben in Schlachtanlagen von Tönnies ihr Leben gelassen.

Jahrelanger Kleinkrieg - jetzt plötzlich Frieden

Die Gruppe boomt, trotzdem gab es Streit in der Familie. Mehr als sechs Jahre lang bekämpften sich Clemens und sein Neffe Robert (38) bis aufs Messer. Sie überzogen sich gegenseitig mit Klagen, kämpften um die Macht im Unternehmen. Das ist jetzt vorbei. Am Freitag verkündeten die Familienstämme, ab sofort friedlich mit einander leben zu wollen. Sämtliche Klagen werden fallen gelassen.

„Das ist heute ein guter Tag. Wir haben gestern die Tinte trocken bekommen“, sagte Clemens Tönnies am Freitagmittag. Weit vor dem Spiel seiner Schalker am Donnerstagabend hatten die Familien Tönnies in Düsseldorf beim Notar gesessen und außergerichtlich besiegelt, was in monatelangen Verhandlungen zwischen den Vertrauten der Streitparteien verhandelt wurde - außergerichtlich. Trotz des Ausscheidens im Viertelfinale der Europa-League wirkte der Schalke-Boss am Morgen danach locker und gelöst.

Onkel und Neffe bezichtigten sich gegenseitig der Lüge

In Zukunft führt eine Familien-Holding mit vier Managern an der Spitze das Unternehmen. Kontrolliert wird das Konstrukt von einem siebenköpfigen Beirat. In den wird Robert als Gesellschafter einziehen, ebenso sein Onkel Clemens. Bei Pattsituationen in der Holding wird dieser Beirat eine Entscheidung bei strategischen Fragen herbeiführen. Robert lässt aktuell noch offen, ob er auch einen der Managerposten für sich persönlich in der Holding beansprucht. Entsprechend seinem Gesellschafteranteil von 50 Prozent darf er zwei von vier Posten besetzen.

Miteinander statt Gegeneinander – jahrelang schien das unmöglich. Vor Gericht hatten Clemens und Robert um Gesellschafteranteile und Stimmrechte, aber auch um die Rolle von Steuerberatern, Notaren und Testamentsvollstreckern gestritten. Dabei gingen die Vorwürfe und intimen Details im Gerichtssaal bisweilen unter die Gürtellinie. Onkel und Neffe bezichtigten sich gegenseitig der Lüge. „Man will mich aus dem Unternehmen drängen“, hatte Tönnies senior seinerzeit im Interview vermutet.

"Das hat wehgetan"

Robert hatte seinem Onkel immer wieder vorgeworfen, ihn übervorteilt und mit Privatgeschäften ein Schattenreich aufgebaut zu haben – wie etwa die „Zur Mühlen Gruppe“ („Böklunder“, „Gutfried“). Clemens und sein Sohn Maximilian als Geschäftsführer beschäftigen beim Wursthersteller 3000 Mitarbeiter und machen 700 Millionen Umsatz. Die Gruppe wird nun vollständig in den Konzern überführt. Clemens Tönnies bezeichnete die vergangenen sechs Jahre als Zeit voller Misstrauen und Differenzen. „Das hat wehgetan“, sagte der 60-Jährige. Entschuldigungen sprachen beide nicht aus, Robert bedankte sich aber ausdrücklich bei seinem Onkel für die geleistete Arbeit: „Zusammen mit der Geschäftsleitung hast Du das Unternehmen nach vorne gebracht.“ mit dpa

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