Frühjahrsgutachten der Immobilienweisen : Wohnungspreise in Deutschland viel zu hoch

"Hysterie" herrscht am Immobilienmarkt sagen die Immobilienweisen und nennen den Preisauftrieb von Eigentumswohnungen in einigen Großstädten "gaga".

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Gerade in Berlin muss kräftig gebaut werde, wie hier.
Gerade in Berlin muss kräftig gebaut werde, wie hier.Foto: picture alliance / dpa

Nur das böse Wort der "Blase" wollten sie nicht in den Mund nehmen - weder die Immobilienweisen in ihrem Frühjahrsgutachten noch die Bundesbanker in ihrem Monatsbericht - aber sonst hätte die Warnung an Käufer von Eigentumswohnungen in Ballungsgebieten wie Berlin nicht deutlicher ausfallen können: Der Mitverfasser des 250-seitigen Gutachtens Lars Feld nennt den Anstieg der Quadratmeterpreise für Wohnungen in Stuttgart um 18 Prozent einfach nur noch "gaga". Solche "Preisübertreibungen" seien "nicht mehr durch den Ertragswerte gerechtfertigt". Soll heißen: Wer eine so teure Immobilie kauft, zahlt drauf, wenn er sie vermieten will und investiert streng genommen in ein Liebhaber-Objekt.

Allein steht der Mann übrigens nicht da. Auch die Bundesbank, die vor einiger Zeit sogar von der "Gefahr" einer Blase auf den Immobilienmärkten der Ballungsgebiete gewarnt hatte, mahnen auch in ihrem aktuelle Monatsbericht vor der übertriebenen Entwicklung: "Eigentumswohnungen in den Großstädten weisen dabei nach wie vor die stärksten Überbewertungen auf." Denn die Verkaufspreise stiegen weiterhin stärker als Bevölkerung und Wirtschaft wachsen.

Preisexplosion bei Wohnungen in Berlin: 14,4 Prozent

In Zahlen ausgedrückt: Um 7,2 Prozent stiegen die Preise von Eigentumswohnungen im Westen des Landes, um 6,2 Prozent im Osten im vergangenen Jahr - die Mieten stiegen dagegen nur halb so stark (Plus 3,7 Prozent im Westen; plus 1,2 im Osten). In Berlin stellen die Gutachter sogar ein doppelt so starkes Plus bei den Wohnungspreisen fest: 14,4 Prozent. Das liegt nur knapp unter dem Anstieg beim Rekordhalter Stuttgart (plus 18,8 Prozent). Und Berlin liegt vor München (plus 12,9), Köln (plus 12,5) und Frankfurt (plus 11,7). Hamburg steht mit einem Zuwachs von nur 9,4 Prozent fast schon abgeschlagen da. Die Mieten in den Großstädten wachsen dagegen bei weitem nicht so schnell. In Berlin um 4,4 Prozent, Stuttgart um 6,8 Prozent und in München um 7,4 Prozent.

Der Kaufrausch ist nicht vorbei

Allen Warnungen zum Trotz bleiben die Deutschen - ebenso wie natürlich ausländische Investoren - im Immobilien-Kaufrausch. Das sagen die Gutachter voraus. Denn die Zinsen sind so niedrige wie seit Jahrzehnten nicht. Die Städte wachsen und die zusätzlichen Bewohner brauchen Wohnungen. Hinzu kommen die Flüchtlinge aus Syrien und anderen Kriegsländer, die auf den Wohnungsmarkt drängen. Die Immobilienweisen warnen gar, dass "es zu Engpässen in der Versorgung von Flüchtlingen kommt", wenn die Politik nicht rasch "günstige Rahmenbedingungen für Investitionen" schafft.

Die vergifteten Botschaften nimmt der Bund mit Humor

Die Botschaft geht an die Bundesregierung, für die stellvertretend der Staatssekretär Florian Pronold (SPD) aus dem Bauministerium das Frühjahrsgutachten in Empfang nahm. Dass die Nachrichten darin immer auch ein wenig vergiftet sind, weil sie nun einmal von der Branche stammt, nahm Pronold gelassen: Es sei ja "nicht jedes Komma von mir gekauft", sagte dieser. Pronold ist allerdings auch alles andere als das "Enfant terrible" für die Branche, hat er doch ganz im Gegenteil selbst Vorstöße zur Senkung der Baukosten lanciert, etwa zur Standardisierung von Kostentreibern wie dem Aufzug. Außerdem scheut dessen Dienstherrin Barbara Hendricks nicht vor Auseinandersetzungen mit Finanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) zurück. Und Pronold bekräftigte die Forderung des Bundesbauministerium nach zusätzlichen Geldern für den Sozialen Wohnungsbau. Das "Credo" im Ministerium laute "Wohnraum für alle und nicht nur für den Flüchtlingsbau, damit wir keine Ghettos bekommen". Es gelte, die Fehler der Vergangenheit zu vermeiden, wo Brennpunkte am Rande der Stadt entstanden, in die der Bund später mit Millionen aus der Städtebauförderung "reingehen muss", damit die Integration nachgeholt wird.

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