Gasag-Eigner unter Kartellverdacht : Haben GDF und Eon Preise abgesprochen?

Der Berliner Gasversorger Gasag und seine Eigentümer Eon und GDF sind womöglich in einen Skandal um Preis- und Quotenabsprachen verwickelt.

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Der Berliner Gasversorger Gasag und seine Eigentümer Eon und GDF sollen illegale Preisabsprachen getroffen haben.
Der Berliner Gasversorger Gasag und seine Eigentümer Eon und GDF sollen illegale Preisabsprachen getroffen haben.Foto: dpa

Es sind schwerwiegende Vorwürfe, die Karl Kauermann gegen Eigentümer und den Aufsichtsrat des größten Berliner Gasversorgers Gasag erhebt. Es geht um mögliche illegale Markt- und Preisabsprachen der Großaktionäre und Lieferanten Eon und Gaz de France (GDF) zu Lasten der Gasag und ihrer fast 700 000 Kunden in Berlin und Brandenburg. Kauermann, langjähriger Chef der Berliner Volksbank, hatte Ende vergangenen Jahres seinen Posten als Aufsichtsratschef der Gasag niedergelegt. Wie erst jetzt klar wird, tat er dies offenbar aus Protest, wie der „Spiegel“ berichtete. Kauermann sei zuvor im Aufsichtsrat überstimmt worden.

Das Gremium habe einem Vergleich zwischen der Gasag und den beiden Großkonzernen zugestimmt. Der Beschluss soll womöglich auch verhindern, dass die Kunden erfahren, dass sie über Jahre systematisch zu viel für ihr Gas gezahlt haben könnten. Kauermann hat nun beim Landgericht Berlin Klage gegen diesen Aufsichtsratsbeschluss eingereicht. Gasag-Sprecher Klaus Haschker bestätigte dem Tagesspiegel am Sonntag den Eingang „einer Klage“ und kündigte für diesen Montag eine schriftliche Erklärung an. Das Thema dürfte auch die für Mittwoch angesetzte Bilanzpressekonferenz bestimmen.

Eon und GDF sollen sich im Jahr 1999, Monate nach der Übernahme der gemeinsamen Mehrheit, illegal über eine langfristige Aufteilung des Gasbedarfs der Gasag geeinigt haben, so der Vorwurf. Die Gasag sei verpflichtet worden, über 20 Jahre festgelegte Mengen zu vertraglich festgelegten Preisen abzunehmen. Allein in den Jahren 2008 bis 2011 sei der Gasag so ein Schaden von rund 110 Millionen Euro entstanden. Die Gasag forderte offenbar von ihren Eigentümern Geld zurück und wollte neue Lieferverträge aushandeln. Als Eon und GDF sich sperrten, reichte die Gasag Klage ein, einigte sich aber dann doch auf den Vergleich.

„Sollten die Vorwürfe stimmen, dürften beim Bundeskartellamt nun alle Alarmglocken läuten“, sagte der Berliner Kartellrechtsprofessor Kurt Markert dieser Zeitung in einer ersten Einschätzung. Er halte es für möglich, dass Kunden am Ende Geld erstattet bekommen. Eon und GDF bestreiten die Vorwürfe.

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