Geldautomaten : Fremdgehen wird teurer

Deutsche Bank und Commerzbank passen ihre Gebühren beim Geldabheben an - nach oben. Vorbild sind Volksbanken und Sparkassen. Verbraucherschützer sprechen von Abzocke.

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Die Berliner Volksbank hatte den ersten fahrbaren Geldautomat Europas. Günstiger ist das Abheben dort aber nicht. Eher im Gegenteil. Foto: Mike Wolff
Die Berliner Volksbank hatte den ersten fahrbaren Geldautomat Europas. Günstiger ist das Abheben dort aber nicht. Eher im...Foto: Mike Wolff

Wenn es ums Geld geht, sind die Banken erfinderisch. Damit die Berliner auch auf Straßenfesten oder bei Konzerten flüssig bleiben, schickt die Berliner Volksbank sogar einen Geldautomaten auf Tour: ihren „Zaster-Laster“, ein kleiner, dreirädriger Minilaster, auf den die Maschine montiert ist.

Für Kunden der Bank ist der Service kostenlos, wer sein Konto jedoch bei einem anderen Kreditinstitut hat, sollte den rollendem Geldtransporter lieber meiden. Denn je Abhebung werden am „Zaster-Laster“ dann 3,95 Euro fällig.

Die Sparkasse schlägt alle - beim höchsten Preis

Das Fremdgehen kann in der Bankenwelt teuer werden. Vor allem Sparkassen und Volksbanken langen hier gern zu. Wer sein Konto etwa bei der Deutschen Bank hat oder bei der Commerzbank, muss bei deutschen Sparkassen im Schnitt zwischen vier und 4,50 Euro zahlen, wenn er sich mit der EC-Karte Bares an einem Sparkassen-Automaten besorgt. Geht man an einen der 623 Automaten der Berliner Sparkasse, werden sogar 4,95 Euro fällig.

Bei der Berliner Volksbank hängt die Automatengebühr vom Standort der Maschine ab. Steht der Automat in der Filiale, sind es 1,95 Euro, hat die Volksbank die Maschine in einem Einkaufszentrum oder an einer Tankstelle aufgebaut, sind es 3,95 Euro. Die Privatbanken waren bisher zurückhaltender. Sie geben sich mit 1,95 Euro zufrieden. Doch diese Zeiten gehen dem Ende zu.

Commerzbank passt sich an - nach oben

Die Deutsche Bank, ihre Tochter Postbank und die Commerzbank haben die Vereinbarung der Privatbanken zur Gebührenhöchstgrenze gekündigt. Ab Oktober will die Commerzbank von Fremdkunden 3,90 Euro kassieren. Die Deutsche Bank und die Postbank haben noch nicht entschieden, wie hoch die Gebühr werden soll. Die Hypo-Vereinsbank will erst einmal den Markt beobachten und bleibt bei den 1,95 Euro, auch die ING Diba hält weiter an den 1,95 Euro fest.

Klar ist: Kunden aus dem Verbund der Cash Group – Deutsche Bank, Postbank, Berliner Bank, Norisbank, Commerzbank, Comdirect, Hypo-Vereinsbank – können sich jedoch weiter kostenlos Bares bei den Verbundbanken besorgen. 9000 Automaten stehen ihnen dafür zur Verfügung. Verglichen mit der Konkurrenz ist das jedoch wenig.

Konkurrenzidee hat nicht funktioniert

Über 25.000 Geldautomaten hat die Sparkassen-Gruppe, bei den Volks- und Raiffeisenbanken sind es über 19.600. Um diesen Wettbewerbsvorteil nicht aus der Hand zu geben, hatten sich Sparkassen und Genossenschaftsbanken geweigert, ein gemeinsames Abkommen mit den Privatbanken zu schließen. Diese hatten sich 2011 auf die Höchstgebührengrenze verständigt, um gesetzlichen Regelungen oder Vorgaben des Bundeskartellamts zu entgehen, die dem Gebührenmissbrauch ein Ende machen wollten.

Insgeheim hatten die Privatbanken gehofft, dass Sparkassen und Genossenschaftsbanken nachziehen und die Gebühren auf ihr Niveau senken würden. Doch diese Hoffnung hat sich nicht erfüllt – und wird sich nach Tagesspiegel-Recherchen auch nicht erfüllen.

Politik will nicht eingreifen

Verbraucherschützer sind empört. „Ein Grund für die Anhebung der Abhebegebühr ist, dass der Wettbewerb nicht funktioniert und die Sparkassen und Volksbanken mit hohen Gebühren von bis zu fünf Euro weiter abzocken“, sagte Dorothea Mohn, Finanzexpertin des Bundesverbands der Verbraucherzentralen, dem Tagesspiegel. „Kein Institut sollte sich an dieser Stelle bereichern können. Wenn die Privatbanken bislang mit 1,95 Euro ausgekommen sind, dann können sie das auch weiterhin. Und auch den Sparkassen und Volksbanken muss das gelingen“, meint Mohn.

Sanktionen braucht die Branche aber nicht zu befürchten. Weder das Bundeskartellamt noch das Bundesjustizministerium wollen derzeit einschreiten. Stattdessen versucht sich Staatssekretär Ulrich Kelber in Lebenshilfe: „Die Verbraucherinnen und Verbraucher sollten darauf achten, nur innerhalb der eigenen Bankengruppe Bargeld kostenfrei abzuheben“, rät der SPD-Politiker aus dem Justizministerium. „Bei vorausschauender Versorgung mit kostenlosem Bargeld können Fremdabhebungen häufig vermieden werden.“

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