Gründen und scheitern : Bei Start-ups ist Erfolg die Ausnahme

Nur eines von zehn Start-ups wird richtig groß, sagen Experten. Falsche Geschäftspartner oder schlechte Ideen sind die Hauptprobleme. Angst, dass es nicht klappt, müssen Gründer dennoch nicht haben.

Alexander Riedel
Zweiter Anlauf. Mit einem ersten Start-up ist Johannes Puschmann gescheitert. Im Berliner Beta-Haus bastelt er nun am Erfolg.
Zweiter Anlauf. Mit einem ersten Start-up ist Johannes Puschmann gescheitert. Im Berliner Beta-Haus bastelt er nun am Erfolg.Foto: promo

Johannes Puschmann weiß, wie sich Scheitern anfühlt. Der 28-Jährige hat zusammen mit einem Freund bereits ein Start-up an die Wand gefahren. „Wir hatten eine Idee skizziert und sind damit etwas blauäugig hausieren gegangen“, meint er heute. Damals ging es um eine interaktive Shoppingseite, einen richtigen Namen hatte die Firma noch nicht. Das Geschäftsmodell sei unausgereift gewesen. „Wir dachten, die Idee ist so toll, dass wir sofort Geld bekommen.“ So einfach war es dann aber doch nicht. Am Ende gab es Streit und man ging getrennte Wege.

Mittlerweile verbucht Puschmann das Ganze unter Lebenserfahrung. Bei seiner aktuellen Unternehmensgründung gehe es viel professioneller zu, sagt er. Dieses Mal steht die Idee einer Online-Plattform im Zentrum, mit der sich die täglich wechselnden Mittagessensangebote in der Umgebung des eigenen Standortes einfach finden lassen sollen. Die Plattform heißt Yummsies. Eines habe er aus seinem ersten Start-up auf jeden Fall gelernt, sagt Puschmann: Er suche seine Mitstreiter nun sorgfältiger aus. „Ich muss wissen, dass man gemeinsam durch dick und dünn gehen kann.“

Glaubt man Beobachtern und Kennern der Start-up-Szene, hat Johannes Puschmann damit den Hauptgrund für den Misserfolg junger Unternehmen im Blick. „70 Prozent aller Start-ups, die scheitern, scheitern an einem Problem mit dem Team“, sagt der Leiter der Berlin Start-up Academy, Christoph Räthke. Viele kämen irgendwann an den Punkt, wo sie sich nicht mehr verstünden oder andere Ziele hätten. In einer guten Mannschaft hingegen stimme es nicht nur menschlich – ein gutes Team decke auch die wichtigsten Punkte ab, etwa Technik und Marketing.

Die Start-up Academy ist selbst noch ein junges Angebot, das junge Gründer auf den richtigen Weg führen will. Im Herbst sind die ersten Entrepreneure in die fünfmonatige Ausbildung gestartet. Auch Johannes Puschmann gehört dazu. Gegen eine Gebühr und Anteile an dem zu gründenden Unternehmen gibt es neben Seminaren auch Beratung von Profis und Kontakte.

Neben dem Team komme es bei Start-ups vor allem auf die richtige, durchschlagende Idee an, meint Academy-Gründer Räthke. „Es gibt nichts Tragischeres als talentierte Menschen, die ihr Talent an eine schlechte Idee verschwenden.“ Gut sei es hingegen, ein Problem identifiziert zu haben, das die Leute sofort verstehen. Zu viele Firmen aus Berlin lösten Probleme, die zu klein seien. Die Hauptstadt ist vor allem für den Web- und E-Commerce-Bereich bekannt, wo die großen Weltmarktführer in aller Regel aus den USA kommen. In der Start-up Academy können die Gründer an ihrer Idee feilen.

Eine gute Idee braucht aber auch Nachfrage von Kunden oder Nutzern. „Schlecht ist es, wenn Kunden sagen, eigentlich ganz nett, aber ich brauche es nicht wirklich“, erklärt Alexander von Frankenberg, einer der beiden Geschäftsführer des halbstaatlichen High-Tech- Gründerfonds. Letztlich müsse ein Start-up wirtschaftlich tragfähig sein. Mit anderen Worten, Kunden müssen das Produkt auch kaufen – und zwar in großem Stil. „Damit man ein großes Unternehmen etablieren kann, müssen die Märkte, die ich adressiere, ausreichend groß sein.“

Erfolg ist bei einer Unternehmensgründung die Ausnahme, Scheitern die Regel. Alexander Hüsing, Chefredakteur und Gründer von deutsche-startups.de, beobachtet seit Jahren die für Berlin so wichtigen Internet-Start-ups. „Von zehn Start-ups verschwindet über die Hälfte und nur eines wird ein Riesenerfolg“, sagt er. Die Zahl der Pleiten sei dabei zwar gering. „Aber es gibt genug Konzepte, die nur noch als Hobbyprojekt fortgeführt werden.“

Eine innovative Idee, die den Markt zur richtigen Zeit trifft, ist der Königsweg für den ganz großen Erfolg. Es geht aber auch eine Nummer kleiner. „Manche Start-ups sind auch mit der Adaption einer bestehenden Idee erfolgreich“, sagt Mischa Wetzel, Investmentmanager bei der Beteiligungsgesellschaft der Investitionsbank Berlin. Gerade jungen Berliner Internetfirmen wird oft vorgeworfen, sie kopierten Konzepte. Egal, ob es sich um eine eigene oder adaptierte Idee handelt – wichtig ist es nach Wetzels Ansicht, agil und schnell zu bleiben. „Es gibt kein Start-up, das 1:1 den Businessplan umsetzt. Es wird immer anders kommen.“

Scheitere das Start-up, sei das für Gründer lange nicht das Ende. Im Gegenteil: Sie lernten aus der Krise. Hierzulande wird Scheitern im Gegensatz zu den USA oft noch als Makel angesehen. Misserfolg liege aber nicht immer nur an den Gründern, sagt der Investmentmanager. Mal verändert sich der Markt zu schnell, mal taucht ein erfolgreicher Wettbewerber auf. Wetzels Fazit: „Viel ist auch einfach Glückssache.“

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