Gründerszene in Berlin : Wo Zuwanderer willkommen sind

Die Berliner Gründerszene schafft Tausende von Arbeitsplätzen – vor allem in der Digitalwirtschaft. Ganz unproblematisch ist das allerdings nicht.

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Die bekannteste Start-up-Schmiede ist Rocket Internet. Der Online-Händler Zalando gehört unter anderem dazu. Foto: Jens Kalaene/dpa
Die bekannteste Start-up-Schmiede ist Rocket Internet. Der Online-Händler Zalando gehört unter anderem dazu. Foto: Jens...Foto: picture alliance / dpa

Die meisten Fachkräfte, die aus dem Ausland nach Berlin ziehen, kommen aus Nordamerika. Ob ihr Anteil demnächst noch größer wird, weil sie nach der Wahl von Donald Trump zum US-Präsidenten lieber in Europa leben möchten, konnte am Mittwochmorgen niemand sagen. „Ich gehe aber davon aus, dass mehr Fachleute aus Asien nach Berlin kommen werden“, sagte Stefan Franzke, Sprecher der Geschäftsführung von Berlin Partner. Wenn auch nicht so sehr wegen Trump – sondern wegen des Brexits.

Start-ups sind schließlich auf Mitarbeiter aus dem Ausland angewiesen. Da kommen Einwanderungskontrollen bei jungen Talenten aus aller Welt und Investoren gar nicht gut an.

Es sollen 6775 Arbeitsplätze entstehen

Die deutsche Hauptstadt hingegen erlebt aus Sicht der Fördergesellschaft Berlin Partner einen „Ansiedlungsboom“. 302 Projekte von Firmen, die neu nach Berlin kamen oder ihre Standorte in der Stadt erweiterten, betreute man allein im vergangenen Jahr. Das waren 13 mehr als im Vorjahr, hieß es. In den kommenden drei Jahren wollten die Unternehmen 6775 neue Arbeitsplätze schaffen und rund 553 Millionen Euro investieren. Nach Berechnungen der Investitionsbank Berlin führt dies bis 2018 zu einer Erhöhung des städtischen Bruttoinlandsprodukts um rund 1,2 Milliarden Euro. Momentan beträgt es 124,6 Milliarden Euro.

Wirtschaftssenatorin Ramona Pop (Grüne) sagte dazu: „Berlins Wirtschaft wächst deutlich stärker als der Bundesdurchschnitt.“ In ganz Deutschland betrug das Wachstum im vergangenen Jahr 1,9 Prozent, in Berlin drei Prozent. Grund sei die „Mischung aus etablierten und jungen Unternehmen“. Die Senatorin erwähnte außerdem die künftige „Digitalisierungsstrategie für Berlin“ und den „Koordinator Digitales Berlin“. Beides steht im Koalitionsvertrag. Außerdem solle, wie angekündigt, die „digitale Infrastruktur“ verbessert werden. Dazu gehören der Ausbau des Glasfasernetzes und des neuen Mobilfunkstandards 5G.

Herausforderungen für wachsende Stadt

Obwohl neue Arbeitsplätze und Wirtschaftswachstum gut klingen, ist die Ansiedlungspolitik nicht unproblematisch. Zum einen soll die Berliner Bevölkerung bis 2015 von derzeit 3,5 Millionen Menschen auf vier Millionen wachsen. Das Institut der deutschen Wirtschaft, das diese Prognose vor drei Wochen veröffentlicht hat, sieht den Hauptgrund in der Zuwanderung. Auch wenn dies wegen des Fachkräftemangels wichtig ist, wird die immer größer werdende Stadt für die Politik eine Herausforderung sein. Unter anderem wegen des – schon jetzt – angespannten Wohnungsmarkts.

Dazu kommt die Art der Jobs, die entstehen. Als Folge der Teilung hat sich Berlin von einer Industriestadt zu einer Dienstleistungsstadt entwickelt. Von den 6775 Arbeitsplätzen entfällt die Mehrheit auf die Digital-, Medien und Kreativwirtschaft und gut jeder zehnte auf den Dienstleistungssektor, wo die Arbeitnehmer schlechter bezahlt werden als etwa in der Industrie. Franzke meinte, weil vor allem Hochqualifizierte kämen, würde es „keine Niedriglöhner“ geben. Während Zukunftsskeptiker glauben, dass wegen der Digitalisierung Arbeitsplätze verschwinden, sagt Berlin Partner, dass „die Digitalwirtschaft weiter für den stärksten Zuwachs an Arbeitsplätzen sorgt“.

Hier Investitionen, da Innovationen

Mehrmals betonten Franzke und Pop, wie wichtig letztlich die Vernetzung von Etablierten und Gründern sei: Einerseits komme mehr als die Hälfte der Investitionen weiterhin aus dem industriellen Bereich, nicht aus der Start-up-Szene. Andererseits bräuchten die großen Unternehmen die „ Digital Natives“, um innovativer zu sein. Ein Beispiel sei das Digital Lab von Volkswagen in Berlin. Software-Entwickler tüfteln am Friedrichshainer Spree-Ufer an neuen Ideen, wie etwa zum autonomen und vernetzten Fahren.

In Zukunft soll Berlin zudem der führende Standort für 3-D-Druck werden. Vielleicht schafft es die Hauptstadt ja damit, mehr Wohnraum zu generieren.

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