Wirtschaft : Gut verdrahtet

Wie Unternehmer oder Freiberufler lernen können, sich im Internet zu vermarkten.

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Immer verbunden. Die eigene Internetseite und Profile in beruflich relevanten Portalen helfen dabei, sich einen breiten Kontaktkreis aufzubauen. Auch Webneulinge können lernen, das Internet für sich zu nutzen. Foto: dpa
Immer verbunden. Die eigene Internetseite und Profile in beruflich relevanten Portalen helfen dabei, sich einen breiten...Foto: dpa

Vor ein paar Wochen rief der Fernsehsender RTL beim Berliner Fotografen Frank Löhmer an, er sollte in der Sendung „Punkt 12“ die Arbeit anderer Fotografen beurteilen. Seit 28 Jahren ist Löhmer im Geschäft, seit elf Jahren hat er eine eigene Internetseite – darüber hatte RTL Frank Löhmer gefunden. „Eine eigene Homepage gehört heutzutage zum Geschäft“, sagt der Fotograf, „wie geputzte Schuhe zum Businesstermin.“

So selbstverständlich, wie sich das bei Frank Löhmer anhört, ist Online-Marketing für viele Unternehmer noch nicht. Doch es ist den Aufwand wert: Laut einer Onlinestudie von ARD und ZDF nutzen rund drei Viertel aller Menschen in Deutschland gelegentlich das Internet – sie kommunizieren via Email, Chat oder Twitter, kaufen Kleidung, Taschen oder Brillen und suchen nach Restaurants, Ärzten oder eben Fotografen. Surft man im Netz, erscheint ständig und überall Werbung – von großen Unternehmen wie Apple oder Mercedes Benz. Sie werben nach der Push-Logik, heißt: Kampagnen laufen zu lassen und zu hoffen, dass sich ein Kunde beim Kauf für die eine Marke entscheidet.

Kleine und mittelständische Unternehmen haben nicht das Geld, in diesem Umfang Anzeigen zu schalten. Ihre Werbung funktioniert nach der Pull-Logik: Ein Kunde hat ein Bedürfnis und sucht gezielt danach. Fotograf Frank Löhmer kann nicht beeinflussen, wie viele Menschen ihn suchen – aber er kann beeinflussen, dass sie ihn im Internet finden. Dabei profitiere er vor allem von der Standortsuche bei Google, sagt Löhmer. „Da bin ich dann nicht mehr ein Fotograf unter 50, sondern einer von wenigen.“

Das Atelier von Frank Löhmer liegt in Berlin-Mitte, in der Nähe des Spittelmarkts. Laufkundschaft kommt hier kaum vorbei, reguläre Öffnungszeiten hat Löhmer daher auch nicht. 80 Prozent seiner Kunden, schätzt der Fotograf, kommen zu ihm, weil sie ihn im Internet gefunden haben. Und die meisten sind aus der Nachbarschaft. „Vor fünf Jahren hatte ich noch viele Kunden, die extra aus Königswusterhausen oder Spandau angereist sind“, sagt er. „Heute ist das anders.“

Dass sich die Google-Standortsuche für Unternehmer wie Frank Löhmer auszahlt, davon ist Andre Alpar überzeugt. Alpar ist Wirtschaftsinformatiker und Partner der Berliner Online-Marketing-Agentur AKM3, über Online-Marketing hat er ein Ratgeber-Buch geschrieben. „Seit ein paar Monaten nimmt die Lokalisierung der Suchmaschinenergebnisse zu“, sagt Alpar. „Für kleine und mittelständische Unternehmen ist das eine große Chance.“ Bestimmte Suchen sind eigentlich immer lokal: Wer in Berlin wohnt, wird den Friseur nicht in München suchen. Genauso ist es beim Arzt oder beim Schlüsseldienst. Wenn Google weiß, wo man sich befindet, muss man nicht einmal mehr „Berlin“ dazuschreiben – Google bietet einem automatisch zuerst die Suchergebnisse an, die in unmittelbarer Nähe liegen. „Diese Google Maps-Einträge gut hinzubekommen ist relativ einfach“, sagt Alpar. „Auch kleine und mittelständische Unternehmen können das einfach umsetzen und es kostet nichts.“

Eine weitere Option, im Internet gefunden zu werden, ist Google+, ein soziales Netzwerk ähnlich wie Facebook. Noch ist Google+ mehr Vision als Wirklichkeit, doch wer dort ein Profil anlegt, kann auch einen Google Maps-Eintrag bekommen. „Wenn man dann seine Kunden bittet, einen gut zu bewerten, reicht das meist aus, um bei lokalen Suchen auf Google gefunden zu werden“, sagt Alpar. Der Nachteil sei, dass man sich nicht kreativ verwirklichen könne, „der Seitenaufbau ist klar vorgegeben.“ Dafür ist Google-Netzwerk kostenlos.

Für seine Internetseite hat Fotograf Frank Löhmer einen Webdesigner beauftragt, die Inhalte kann er selbst austauschen. Wem ein Webdesigner zu teuer ist, kann auf Baukasten-Systeme zurückgreifen wie 1&1 und Jimdo sie anbieten. Anders als Webdesigner, die einmalig bezahlt werden und wegen der persönlichen Kundenwünsche teurer sind, muss man bei 1&1 und Jimdo regelmäßig zahlen, das Business-Paket bei Jimdo kostet 180 Euro im Jahr. „Die Kosten sind relativ überschaubar, auch wenn sie wiederkehrend sind“, sagt Andre Alpar. „Dafür ist eine Internetseite einfach zu gestalten, ähnlich wie eine PowerPoint-Präsentation.“ Wer anschließend wissen möchte, wie die eigene Seite noch besser gefunden werden kann, dem hilft die Software rankingCoach. „Sie schaut sich die Seite an und sagt einem, was noch optimiert werden kann“, sagt Alpar.

Auch Kixka Nebraska schaut sich Internetauftritte und Profile anderer an. Nebraska arbeitet als sogenannte Profilagentin, sie analysiert, generiert und optimiert das Auftreten anderer im Netz. „Die digitale Präsenz wird immer wichtiger werden“, da ist sich Nebraska sicher. Zu ihren Workshops kommen vor allem Freiberufler: Journalisten, Musiker, Gastronomen oder Berater. Anfangs war die Profilagentin als Nebentätigkeit geplant, doch die Nachfrage ist so hoch, dass Nebraska seit August nicht mehr im Kino war – die Workshops sind abends oder am Wochenende.

In den Seminaren sitzen meist vier bis sechs Teilnehmer, es geht darum, Möglichkeiten und Grenzen im Internet aufzuzeigen: Wie schützt man seine Privatsphäre? Wie kann man besser gefunden werden? Bei den Workshops hat Nebraska immer iPad, iPhone und Laptop dabei: „Vieles wird heutzutage mobil abgerufen, diese Umsetzung muss man mitdenken“, sagt sie. Vor allem Fotos seien oft falsch gewählt – ein falscher Bildausschnitt, ein zu geringer Kontrast. „Viele sehen das selbst nicht“, sagt Nebraska. „Der Aha-Effekt kommt dann aber sehr schnell.“ Die Teilnehmer haben stets andere Voraussetzungen: Für manche ist das Internet ein unbekannter Ort, andere haben bereits ein Profil bei sozialen Netzwerken wie Xing oder Facebook.

Dort präsent zu sein, sei nur begrenzt sinnvoll, meint Internetmensch Andre Alpar: „Facebook etwa lohnt sich nur, wenn man regelmäßig neue Inhalte postet.“ Ein Künstler kann das, ein Dachdecker oder Zahnarzt nicht. Fotograf Frank Löhmer ist bei Xing und bei Facebook. „Über Facebook bekomme ich keine Aufträge“, sagt Löhmer. „Geschäftlich eignet sich die Plattform zur Kommunikation mit Visagisten und Models, mehr aber auch nicht.“ Kürzlich hat Löhmer gepostet, dass Adventskalender nun lieferbar seien.

Trotz Internet – Löhmers Atelier steht noch immer in den Gelben Seiten, 350 Euro zahlt er dafür im Jahr. „Die meisten Rentner gehen nicht ins Internet“, sagt er. „Daher lohnt sich diese Investition.“

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