HEIK AFHELDT trifft … : Herbert Heinig

Bäcker.

Herbert Heinig (59)
Herbert Heinig (59)

Es ist früh am Morgen. In seinem Stammcafé BäckerMann am Südwestkorso brummt es. Kein Tisch ist mehr frei. Aus der Backstube kommt der Mann aus Schwaben, der mit seiner Linie „Alles mit der Hand und nach alten Rezepten“ in Berlin zu einer Art Marke geworden ist. Das schmeckt auch der Bilanz. Mit seinen 60 Mitarbeitern macht Heinig einen Umsatz von über zwei Millionen Euro.

Der Mann mit dem schmalen, blanken Kopf und dem lebhaftem Gestus wirkt zufrieden mit sich und dem Leben. Mit seiner jungen Frau ist eine neue Dynamik ins Unternehmen gekommen und mit dem kleinen Oskar ist eine neue Perspektive für ihn privat entstanden. Heinig stammt aus einer kinderreichen Familie mit einem strengen Vater, der im Krieg beide Beine verloren hat. Der Junge musste schon mit zwölf Jahren in aller Frühe Brötchen ausfahren. Es war sein erstes eigenes Geld.

Das prägt. „Wieder aufstehen, wenn man auf die Schnauze gefallen ist“, das hat er gelernt, und den „wunderbaren Geruch“ morgens in der Backstube hat er nie wieder vergessen. Um nicht zum Bund zu müssen, ist Heinig mit 18 Jahren als Kochmaat zur See gefahren – nach Afrika und Südamerika. Drei Jahre lang. Dann kam die Bundesfachschule für Bäckerei in Weinheim. Mit 21 war er Meister! Aber er wollte mehr.

Vielleicht um seine Deutschlehrerin zu widerlegen. Sie hatte in sein Diktatheft geschrieben: „Herbert ist dumm“. Also machte er, 1980 in Berlin, noch die Fachhochschulreife und den Diplomingenieur in Lebensmitteltechnologie. Nach einem Jahr als „Produktentwickler“ bei Paech Brot startete er mit einem Partner seinen ersten Laden „Heinigs Dampfbäckerei“ in der Hauptstraße. Nach zwei Jahren kam das Aus. Anderthalb Jahre ist er danach als Koch „herumgetingelt“, 1989 hat er dann am Südwestkorso den kleinen Laden übernommen. Er hat dort selbst gebacken und verkauft und peu à peu den Laden ausgebaut. Heute kann man dort und in der Pariser Straße nicht nur kaufen und essen. Heinig bietet auch Catering. Selbst die Rocksängerin Suzi Quattro hat den Service bereits genutzt.

Heik Afheldt war Herausgeber des

Tagesspiegels.

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