IHK Berlin nennt Daten zum Gehalt ihres Chefs : 225.000 Euro und diverse Extras

Ein Riesengeheimnis um die Gehälter ihrer Chefs machen die meisten der 300 öffentlich-rechtlichen Wirtschaftskammern in Deutschland. Die IHK Berlin sorgt nun für Transparenz - ein wenig

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Jan Eder (53) führt die IHK Berlin seit mehr als zwölf Jahren.
Jan Eder (53) führt die IHK Berlin seit mehr als zwölf Jahren.Foto: Berliner IHK

Sich zum Bundeskanzler wählen zu lassen, wäre für Jan Eder mutmaßlich ein Abstieg. Rein finanziell betrachtet. Der langjährige Hauptgeschäftsführer der Berliner Industrie- und Handelskammer (IHK) erhält ein Fixgehalt von 225 000 Euro – zuzüglich eines variablen Aufschlags in Höhe von bis zu 50 000 Euro.

Diese Zahlen nennt die Kammer erstmals in ihrem Wirtschaftsplan, der dem Tagesspiegel in der aktuellen Fassung vorliegt und wohl bald veröffentlicht wird. Damit will die IHK frühzeitig eine zähe Transparenzdebatte abwenden, die bei anderen Kammern von Hamburg bis München zuletzt für viel Unruhe, sogar Rechtsstreitigkeiten gesorgt hatte.

Meisten Kammern halten sich bedeckt

Die überwiegende Mehrheit der rund 300 Kammern (darunter 79 für Industrie und Handel) in Deutschland hält diese Daten unter Verschluss.

Interessierte erhalten mit der Veröffentlichung gleichwohl nur eine Näherung an das Mindestgehalt des obersten Kammermanagers. So habe der (ehrenamtliche) IHK-Präsident Eric Schweitzer noch nicht festgelegt, ob Eder 2015 seine individuell definierten Ziele erreicht hat, teilte die IHK am Dienstag mit. Da bisher aber nicht zu erkennen war, dass Schweitzer unzufrieden mit Eders Arbeit ist, darf man wohl unterstellen, dass große Teile des 50 000-Euro-Bonus fließen und Eders Basisgehalt sich somit der Marke von 275 000 Euro nähert.

Angela Merkel verdient 270 000 Euro pro Jahr

Ein paar Vergleiche: Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) erhält derzeit Bezüge und Diäten in Höhe von insgesamt knapp über 270 000 Euro pro Jahr. Die Vorstandschefs der 30 größten börsennotierten Dax-Konzerne erhielten 2014 im Schnitt 5,9 Millionen Euro pro Jahr.

Die Spanne reichte von knapp 2,1 Millionen Euro für Reinhard Ploss von Infineon bis 15,86 Millionen Euro für den mittlerweile zurückgetretenen VW-Konzernchef Martin Winterkorn.

Jan Eders Hauptgeschäftsführer-Kollege Hans-Jörg Schmidt-Trenz von der Handelskammer Hamburg kassierte, wie die dortige Kammer erst nach langem Streit mitteilte, 2014 ein Fixgehalt von 370 000 Euro plus 105 000 Euro Tantieme, in der Summe also 475 000 Euro. Dazu hat er Ansprüche auf eine Altersversorgung, wodurch sich die Bezüge des Hamburger Kammerchefs auf insgesamt 625 000 Euro per annum addieren sollen. So steht es zumindest in einer Übersicht im Jahresbericht des „Bundesverbandes für freie Kammern“ (bffk).

Anspruch auf Altersvorsorge

Auch Eder, der seit zwölf Jahren die Geschicke der Berliner IHK führt, hat Ansprüche auf eine Altersversorgung, wie die Kammer bestätigt. Über die Höhe möchte sie aber nichts sagen. Zudem erhält Eder Honorare beziehungsweise Aufwandsentschädigungen für Tätigkeiten im Zusammenhang mit seiner Funktion, zum Beispiel für seine Arbeit im Aufsichtsrat der Messe Berlin.

Die Höhe dieser Sonderbezüge ist pro Kalenderjahr auf die Höhe eines Monatsgehaltes eines stellvertretenden IHK-Hauptgeschäftsführers gedeckelt, heißt es. Alle Gelder darüber hinaus gehen an die IHK.

Etwas klarer läuft es bei der IHK Kassel-Marburg, wo Berlins ehemalige Wirtschaftssenatorin Sybille von Obernitz seit wenigen Tagen die Geschäfte führt. Sie erhält angeblich 190 000 Euro plus 20 Prozent (38 000 Euro). Davon kann sie sich selbst eine private Altersvorsorge aufbauen.

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