KARRIERE Frage : an Jürgen Hesse Büro für Berufsstrategie

Muss ich das Gehalt nennen?

an Jürgen Hesse

Ich bin IT-Systemadministrator und gerade dabei, mich nach einem neuen Job umzusehen. Es gibt glücklicherweise einige Ausschreibungen, die auf meine Qualifikationen passen. Fast immer ist aber gefordert, in der Bewerbung die Gehaltsvorstellungen anzugeben. Ich möchte mich natürlich finanziell verbessern, aber weiß nicht so recht, was ich da nennen soll. Muss ich das überhaupt berücksichtigen?

Das sollten Sie unbedingt! Denn mit der Aufforderung, in der Bewerbung auch einen Gehaltswunsch zu benennen, schafft das Unternehmen einen weiteren Abgleich: Passen Sie, rein gehaltstechnisch, in die Firmenstruktur? Außerdem demonstrieren Sie mit einem wohl durchdachten Angebot, ob Sie den Wert Ihrer Arbeit realistisch einschätzen – oder weit über das Ziel hinaus schießen. Dabei wäre ein deutlich zu niedriger Ansatz, bei dem das Unternehmen sogar Geld sparen würde, nicht zu Ihrem Vorteil.

Dieses Vabanquespiel mag zwar zunächst verunsichern. Ignorieren Sie aber diese wichtige Frage, ist die Chance, dass Ihre Bewerbungsunterlagen aussortiert werden, größer.

Bevor sich aber utopische Gehaltswünsche in Ihr Anschreiben schleichen oder Sie sich unter Wert verkaufen, müssen Sie vorab genauestens recherchieren (was ohnehin zur Vorbereitung einer guten Bewerbung gehört!). Was ist in Ihrer Branche und Position ein gängiges Salär? Informieren Sie sich sowohl über die regionalen als auch über die branchenüblichen Durchschnittsgehälter sowie die Geschäftslage des Unternehmens, bei dem Sie sich bewerben wollen. Fachpresse und Internet liefern hier, je nach Stichwort, gute Anhaltspunkte.

Darüber hinaus sollten Sie sich unbedingt in Ihrem beruflichen Netzwerk umhören. Das Problem daran ist nur: Über Geld spricht man nicht. Das gilt immer noch und wird nicht selten sogar arbeitsvertraglich festgeschrieben, selbst wenn es juristisch keinen Bestand hat.

Auch das trägt dazu bei, dass Gehaltsverhandlungen von den meisten Bewerbern als sehr unangenehm empfunden werden – egal, ob sie in einem Unternehmen anfangen oder sich dort jahrelang verdient gemacht haben. Lassen Sie sich davon nicht beirren. Denn es ist sehr wichtig, dass Sie sich für Ihre Arbeit angemessen entlohnt fühlen. Machen Sie sich also vor allem darüber Gedanken, was Sie realistischerweise gerne verdienen möchten und wo ihre absolute Untergrenze liegt (wenn alle anderen Voraussetzungen stimmen). Alles andere ist und bleibt Verhandlungssache. Foto: Promo

– Haben Sie auch eine Frage?

 Dann schreiben Sie uns:

E-Mail:

Redaktion.Beruf@tagesspiegel.de

Postanschrift: Verlag Der Tagesspiegel,

Redaktion Karriere & Beruf,

10876 Berlin

0 Kommentare

Neuester Kommentar