KARRIERE Frage : an Jürgen Hesse Büro für Berufsstrategie

Wie kündige ich auf faire Weise?

an Jürgen Hesse

Ich bin Inhaber eines kleineren mittelständischen Industriebetriebes, der kurz vor der Insolvenz steht. Nun befürchte ich, dass ich demnächst ein Drittel der Belegschaft entlassen muss. Das ist für mich keine leichte Aufgabe. Wie gelingt mir das auf wertschätzende Weise?

Den meisten Arbeitgebern und Vorgesetzten fällt es schwer, Mitarbeiter zu entlassen – selbst wenn gravierende Gründe vorliegen. Es ist die unerfreulichste Form, sich beruflich zu trennen, und eine große Herausforderung für eine Führungskraft. Es ehrt Sie, dass Sie sich darüber Gedanken machen. Leider ist das nicht die Regel. Oft passieren Chefs in solch krisenhaften Situationen deshalb Fehler, die die Lage zusätzlich erschweren.

Haben Sie alle fachlichen und rechtlichen Aspekte geprüft, gilt es mit jedem Mitarbeiter einzeln die Kündigung und die sich daraus ergebenden Folgen zu besprechen. Dafür sollten Sie 30 bis 60 Minuten einplanen. Kommen Sie sofort auf den Punkt: Ich bedauere, Ihnen mitteilen zu müssen... Und bleiben Sie sachlich. Schildern Sie kurz die Lage des Betriebes und machen Sie deutlich, dass keine andere Lösung mehr in Frage kommt. Geben Sie Ihrem Gegenüber einen Moment Zeit, sich zu äußern. Haben Sie keine Erwartungen. An Reaktionen ist alles möglich; Akzeptanz, Wut oder Tränen.

Übergeben Sie die Kündigung schriftlich, drängen Sie Ihr Gegenüber aber nicht, etwas zu unterschreiben. Bieten Sie an, mit dem Betriebsrat zu sprechen. Benennen Sie Anwälte, die sich auf Arbeitsrecht spezialisiert haben, und übergeben Sie eine entsprechende Adressenliste. Sollte sich der Betroffene für arbeitsrechtliche Schritte entscheiden, machen Sie es so für ihn leichter. Ansonsten wird er sich ohne Ihre Hilfe einen Anwalt nehmen. Erklären Sie, wie das weitere Prozedere aussieht: Wird der Mitarbeiter sofort freigestellt oder arbeitet er bis zum Tag X weiter? Was bieten Sie ihm an?

Eine Abfindung endet oft, bevor die Mitarbeiter wieder in Lohn und Brot stehen. Stattdessen könnte Ihre Firma über ein "Outplacement" nachdenken, in dessen Rahmen professionelle Berater die gekündigten Arbeitnehmer dabei unterstützen, eine neue Stelle zu finden.

Wichtig ist, dass Sie trotz der belastenden Lage mit Ihren Mitarbeitern im Gespräch bleiben - mit den betroffenen und den verbleibenden. Suchen Sie verstärkt den Kontakt, nehmen Sie sich Zeit, haben Sie ein offenes Ohr und geben Sie an alle so viele Informationen weiter, wie es möglich ist. So sorgen Sie dafür, dass selbst ein schmerzlicher Trennungsprozess konstruktiv gestaltet wird, und verhindern, dass die verbleibenden Mitarbeiter demotiviert zurückbleiben. Foto: Promo

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