KARRIERE Frage : an Jürgen Hesse Büro für Berufsstrategie

Wie bekomme ich ein Home-Office?

an Jürgen Hesse

Seit zwei Jahren pendle ich etwa 1,5 Stunden zur Arbeit und wieder zurück. Anfangs war das in Ordnung für mich, weil mir Job und Team sehr gefallen. Ich bin Teamleiterin. Aber nun möchte ich zwei Tage die Woche im Home-Office arbeiten. So wäre ich entlasteter und auch produktiver. Die Frage ist nur: Wie verkaufe ich das meinem Chef? Denn er ist ein Verfechter der Anwesenheitskultur. Haben Sie Rat, wie ich argumentieren kann? Außerdem steht wieder eine Gehaltserhöhung an, doch ich überlege, ob ich das überhaupt ansprechen soll.

Ihr Wunsch ist verständlich, lange Anfahrten zum Arbeitsplatz sind ärgerliche Zeitfresser, wirken sich ungünstig auf Ihre Work-Life-Balance aus und damit langfristig auch auf Ihre Arbeits- und Lebenszufriedenheit. Mit diesem Problem stehen Sie jedoch leider nicht alleine da.

Persönliches Ziel eines jeden Arbeitnehmers sollte sein, die Anforderungen der Arbeitswelt mit den eigenen, privaten Interessen in guten Einklang zu bringen. Davon profitiert letztlich auch der Arbeitgeber, denn wie Sie selbst schon erkannt haben, würden die drei Stunden Zeitersparnis an zwei Tagen die Woche Ihre Produktivität eher steigern – von Ihrer Lebensqualität ganz zu schweigen. Erfordert Ihre Arbeit viel Konzentration, kann das Home-Office eine für beide Seiten gewinnbringende Alternative darstellen.

Stehen Chefs dem Home-Office skeptisch gegenüber, steckt oftmals die Angst vor Kontrollverlust dahinter. Bieten Sie ihm also an, gemeinsam ein geeignetes Reporting-Modell für Ihre Arbeiten von zu Hause aus zu finden. Liegt es eher daran, dass er alle Mitarbeiter gleich behandeln möchte, und nun fürchtet, dass bald jeder den Schreibtisch zu Hause dem im Büro vorzieht? Dann sprechen Sie Ihre Kollegen drauf an und finden Sie gemeinsam eine Lösung. Stellen Sie in jedem Fall sicher, dass durch Ihre Abwesenheit keine Arbeiten liegen bleiben oder Kunden vertröstet und Entscheidungen aufgeschoben werden würden. Je mehr Sie vorher bedenken und dafür Lösungsvorschläge parat halten, desto weniger Raum hat Ihr Chef, diesen Vorschlag abzulehnen. Handeln Sie eventuell auch zunächst nur einen Tag statt gleich zweien aus.

Wenn das alles nichts nützt, könnten Sie natürlich auch noch Ihren letzten Joker ziehen und auf die ausstehende Gehaltserhöhung (teilweise) verzichten. Sicherlich keine Ideallösung, aber das unterstreicht noch einmal die Ernsthaftigkeit Ihres Vorschlages. Die endgültige Entscheidung trifft jedoch immer noch Ihr Chef, denn anders als bei der Teilzeit, haben Arbeitnehmer auf Home-Office-Regelungen keinen Rechtsanspruch. Der Trend aber geht dorthin. Foto: promo

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