KARRIERE Frage : an Jürgen Hessee Büro für Berufsstrategie

Bin ich zu alt für einen Job?

an Jürgen Hessee

Ich bin 52 Jahre alt und Chemielehrer. Nach einer dreijährigen Auszeit möchte ich gerne wieder in meinem Beruf arbeiten, bekomme aber nur Absagen. Ich vermute, dass das an meinem Alter liegt. Dabei habe ich eine lange Berufserfahrung, bin fachlich nicht stehen geblieben und war gut in meinem Beruf. Haben sie einen Tipp für mich? Irgendetwas muss ich ja falsch machen.

Eine Absage erhält niemand gerne – weder Jungspund noch alter Hase. Die entscheidende Frage ist jedoch: Wie geht man damit um? Das eigene Alter für den Misserfolg verantwortlich zu machen, ist in jedem Fall ein Denkfehler, mit dem Sie sich das Leben unnötig schwer machen.

In unserer Gesellschaft wird das Älterwerden häufig geradezu als persönlicher Fehltritt gewertet. Ältere Menschen gelten leider immer noch als unflexibel, weniger leistungsstark und schlechter belastbar. Dem gegenüber stehen Studien, die besagen, dass mit über 50 der Höhepunkt an Leistungsfähigkeit bei einer Vielzahl von wichtigen kognitiven und sozialen Fähigkeiten erst erreicht wird, etwa bei der Kommunikation, Logik, beim sozialen Verhalten sowie der Problemlösungskompetenz. Jahrzehntelange Erfahrung ist ein weiteres großes Plus etwas älterer Bewerber. Das haben inzwischen auch viele Unternehmen erkannt und stellen wieder vermehrt Arbeitnehmer mit 50plus ein.

Was Sie für Ihren eigenen Bewerbungserfolg tun können, ist Ihre innere Haltung zu ändern. Mit negativem Denken nach dem Motto „Ich bin zu alt“ kommen Sie nicht weit. Versuchen Sie, sich ein stabiles (Selbst-)Bewusstsein auf Basis Ihrer eigenen Berufsbiografie aufzubauen und daraus eine Bewerbungsstrategie abzuleiten. Betonen Sie im nächsten Vorstellungsgespräch, dass Sie wegen und nicht trotz Ihrer Reife der Richtige für die Stelle sind und heben Sie Ihre Stärken deutlich hervor. Sofern Sie von sich selbst überzeugt sind, werden Sie auch andere von sich und Ihren Fähigkeiten überzeugen können.

Was bei Ihren Bewerbungsunterlagen, aber auch im Vorstellungsgespräch möglicherweise als problematisch angesehen werden könnte, ist Ihre dreijährige Auszeit. Was haben Sie in der Zeit gemacht und vor allem: Wie stellen Sie das im Lebenslauf und später im Gespräch dar? Haben Sie versucht, die Auszeit zu kaschieren? Oder sind Sie ganz offen damit umgegangen? Überprüfen Sie Ihren Lebenslauf noch einmal kritisch und holen Sie sich gegebenenfalls professionelle Hilfe, wenn Sie nicht wissen, wie Sie diese „Lücke“ füllen oder erklären sollen. Generell empfiehlt sich die Wahrheit, denn die kommt bei den meisten Arbeitgebern besser an als fantasievolle Ausreden. Aber auch dazu gehört der selbstbewusste Umgang mit der eigenen Biografie. Foto: promo

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