Wirtschaft : „Kein Unternehmen ist sicher“ Datenklau verursacht Milliardenschäden

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Frankfurt am Main - Deutsche Unternehmen wiegen sich mit Blick auf Datensicherheit, Spionage und Produktpiraterie in trügerischer Sicherheit. Nur jede zehnte Firma sieht aktuell eine starke Gefährdung, besagt eine am Montag vorgestellte Studie der Unternehmensberatung Ernst & Young. Angeblich waren in den vergangenen drei Jahren nur acht Prozent der Unternehmen von Datenklau oder Spionage betroffen. „Das ist fern der Realität“, sagt Stefan Heißner, Leiter Wirtschaftskriminalität bei Ernst & Young. „Die Dunkelziffer ist extrem hoch.“ Heißner schätzt den wirtschaftlichen Schaden durch Datenklau in Deutschland auf etwa 20 Milliarden Euro pro Jahr. „Kein Unternehmen ist wirklich sicher. Das ist immer auch eine Frage der kriminellen Energie.“

Heißner, der früher für die Polizei Wirtschaftskriminellen auf der Spur war, betrachtet die Aktionen von Wikileaks oder den jüngsten Fall bei Sony „nur als Spitze eines Eisbergs und als lediglich vorläufige Höhepunkte einer Entwicklung, die eng mit der immer dichteren elektronischen Vernetzung zusammenhängt.“ Allerdings warnt er ausdrücklich davor, Datenklau und Spionage nur auf Computer und Internet zu schieben. Die Mitarbeiter selbst seien oft das Problem. Die Umfrage bestätigt diese Einschätzung: Demnach waren bei den Taten der letzten drei Jahre zu 44 Prozent aktive Mitarbeiter – zu einem Drittel aus dem Management – und zu 22 Prozent ehemalige Mitarbeiter für die Vergehen verantwortlich.

Zwar erwarten 96 Prozent der Mitte April befragten 400 deutschen Unternehmen künftig eine leicht bis stark steigende Zunahme von Datenklau. Aber 90 Prozent halten die aktuelle Bedrohung für mäßig oder gering, wobei das Gefährdungspotential aus China am höchsten eingeschätzt wird, allerdings auch aus Russland und den USA überdurchschnittliche Gefahren drohten.

Grund für die Zurückhaltung beim Einräumen von Datenklau sei die Furcht vor Reputationsverlust und in der Folge vor wirtschaftlichen Schäden. "Gefühlt gibt es bei jedem Mittelständler mit 200 bis 300 Mitarbeitern Fälle von Datenklau und Spionage." Rolf Obertreis

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