Konsequenzen aus der Manipulation : Wie kann die Zukunft des ADAC aussehen?

Der größte deutsche Autoclub steckt nach Bekanntwerden der Manipulationen beim ADAC-Autopreis „Gelber Engel“ in der tiefsten Krise seiner 111-jährigen Geschichte. Welche Konsequenzen zieht der ADAC? Und wie reagieren die Mitglieder?

Der Manipulationsskandal stürzt den ADAC in eine tiefe Krise.
Der Manipulationsskandal stürzt den ADAC in eine tiefe Krise.Foto: dpa

„Der ,Gelbe Engel’ ist tot.“ – Nach Bekanntwerden der Manipulationen beim ADAC-Autopreis „Gelber Engel“ reagierte der Sprecher eines großen deutschen Autokonzerns einsilbig. Ähnlich die Wettbewerber: Wertlos sei ein Preis für das beliebteste Auto der Deutschen, wenn sich die Auszeichnung auf Umfragen stütze, bei denen getrickst und gemauschelt wurde. Der größte deutsche Autoclub, eine 19 Millionen Mitglieder zählende Institution, steckt in der tiefsten Krise seiner 111-jährigen Geschichte. ADAC-Kommunikationschef Michael Ramstetter hatte die Teilnehmerzahlen zu der Auto-Umfrage über Jahre hinweg nach oben geschönt. Der ADAC – Verein, Konzern und einflussreicher Lobby-Verband – muss um seine Glaubwürdigkeit fürchten.

Welche Konsequenzen zieht der ADAC aus dem Manipulationsskandal?

ADAC-Geschäftsführer Karl Obermair entschuldigte sich am Montag bei den Mitgliedern und Medien, bemühte sich aber zugleich, den Vorfall möglichst klein zu reden – und die Verantwortung bei Kommunikationschef Ramstetter abzuladen. Diesem warf er Dreistigkeit vor. Bei der Wahl zum Lieblingsauto der Deutschen habe er die Zahlen „in einer unglaublich dreisten Art und Weise“ nach oben verändert, sagte Obermair in München. Geschäftsführung und Präsidium seien bis zum Geständnis des Chefredakteurs der Mitgliederzeitschrift „Motorwelt“ am vergangenen Freitag von dessen Unschuld ausgegangen.

„Dieser Vorgang tut uns leid, er trifft den ADAC ins Mark, weil wir als eine der vertrauenswürdigsten und seriösesten Organisationen galten“, sagte Obermair. „Dieser Ruf ist jetzt angeschlagen.“ Obermair versprach zugleich eine umfassende und rasche Aufklärung. Auch die Wahlen zum „Gelben Engel“ aus den Vorjahren sollen nun untersucht werden. Es würden nun „alle Bereiche des ADAC überprüft, in denen unsere Glaubwürdigkeit in Gefahr ist“, ergänzte ein Sprecher. Es gelte „Schaden vom ADAC abzuwenden“. Weitere personelle Konsequenzen soll es nach dem Rücktritt Ramstetter vorerst nicht geben. Obermair beließ es bei der Ankündigung „struktureller und organisatorischer Veränderungen“.

Wie einflussreich ist der ADAC und wie erfolgreich wirtschaftet der Verein?

Der Allgemeine Deutsche Automobilclub (ADAC) ist ein eingetragener Verein und ein verzweigter Konzern. Zweck des Clubs ist laut Satzung „die Wahrnehmung und Förderung der Interessen des Kraftfahrwesens, des Motorsports und des Tourismus“. Hinter der etwas angestaubten Formulierung verbirgt sich eine der einflussreichsten Lobby-Organisationen Europas. Der ADAC hat beste Verbindungen in die Politik und die Industrie. Bei allen wichtigen gesetzgeberischen Vorhaben, die Autofahrer betreffen, hat der Club seinen Einfluss geltend gemacht – seien es Gurtpflicht, Tempolimit, Dieselfilter, E10 oder die Pkw-Maut. Die Beiträge der rund 19 Millionen Mitglieder werden nach einem Schlüssel verteilt. 37 Prozent gehen an die 18 Regionalclubs, 63 Prozent bleiben dem Gesamtclub.

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Zahlenspiele beim ADAC

2012 knackte der ADAC erstmals die Milliarden-Euro-Grenze bei den Mitgliedsbeiträgen. 2012 flossen knapp 323 Millionen Euro in Hilfeleistungen wie den Pannendienst oder die Luftrettung. Die Mitgliederzeitschrift „Motorwelt“ bekam 53 Millionen Euro. Gut 343 Millionen Euro gingen in die Beiträge zur Gruppenversicherung. Die zahlreichen ADAC-Unternehmen sind in unterschiedlichen Geschäftsbereichen tätig: Autovermietung, Versicherungen, Verlag, Reisen. Insgesamt verbuchte der ADAC dort 2012 einen Umsatz von 1,03 Milliarden Euro. Rund 8600 Menschen arbeiten beim ADAC.

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