Mannheimer Leben-Nachfolger Protektor : Schreckensgeschichte ohne Schrecken?

Zwölf Jahre nach dem Untergang der Mannheimer Leben will die Nachfolgeversicherung Protektor ihren Bestand verkaufen. Für die Ex-Kunden der Mannheimer naht damit das Ende einer langen Leidensgeschichte.

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Für die Ex-Kunden der Mannheimer soll die einstige Schreckensgeschichte also ohne Schrecken enden.
Für die Ex-Kunden der Mannheimer soll die einstige Schreckensgeschichte also ohne Schrecken enden.Foto: dpa-tmn

Wir schreiben das Jahr 2003. Die Börsenkrise greift auch auf die Versicherungen über. Die Mannheimer Lebensversicherung, die sich mit Aktienspekukationen runiert hat, steht vor dem Aus. Die Versicherungsbranche ist alarmiert, sie befürchtet, dass die Krise der kleinen Versicherung das Vertrauen von Millionen Lebensversicherten in ihre Verträge und ihre Versicherer untergraben könnte. Um das zu verhindern, gründet die Branche eine neue Gesellschaft, die die 344.000 Verträge der Mannheimer übernimmt und weiterführt. Das ist die Geburtsstunde von Protektor.

Protektor will Bestand verkaufen

Seit zwölf Jahren sind die Kunden der Mannheimer Leben nun zwangsweise Kunden von Protektor. Doch im nächsten Jahr müssen sich die rund 100.000 Menschen, die jetzt noch bei Protektor versichert sind, wohl auf einen neuen Versicherer einstellen. Protektor will den Bestand verkaufen. Mit vier Unternehmen ist Protektor-Chef Jörg Westphal im Gespräch.

„Die Gespräche sind so weit gediehen, dass sich die Investoren einen vertieften Einblick verschaffen konnten“, sagte Westphal dem Tagesspiegel. „Wir hoffen auf eine rasche Entscheidung. Spätestens im Frühjahr sollte über den Kauf entschieden sein“, berichtet der Vorstandschef.

Nach Tagesspiegel-Informationen sind MyLife, die Heidelberger Leben, die Frankfurter Leben und die Athene Lebensversicherung, früher unter dem Namen Delta Lloyd bekannt, interessiert.

Die Unternehmen stehen für ein neues Geschäftsmodell. Anders als Allianz oder Ergo geht es ihnen nicht ums Neugeschäft, sie spezialisieren sich auf den Aufkauf von Beständen und erhoffen sich Gewinne, indem sie die Verwaltung der Verträge rationalisieren. Je größer die Einheiten, desto geringer die Kosten. Nur 100.000 Verträge zu verwalten, ist dagegen teuer. Das ist der Grund für den Rückzug von Protektor. „Die Kunden profitieren von sinkenden Kosten“, wirbt Westphal für den Verkauf.

Protektor wird nicht funktionslos

Ansonsten soll sich für deren Verträge aber nichts ändern. „Für uns ist wichtig, dass der Käufer die finanzielle Sicherheit mitbringt, damit die Verträge auch in den nächsten 60 oder 70 Jahren noch bedient werden können“, betont Westphal. Eine vorzeitige Kündigung der Verträge durch den Erwerber soll ausgeschlossen werden. „Es ist aber auch wichtig, dass in dem Unternehmen, das die Bestände kauft, Mitarbeiter da sind, um die Kunden zu betreuen.“ Bei Protektor kümmern sich derzeit rund 70 Mitarbeiter um das Geschäft, idealerweise würde der Erwerber diese Leute mit übernehmen.

Protektor wäre dann nur noch eine Hülle. Funktionslos wäre das Unternehmen aber dennoch nicht. Zwar gibt es seit 2004 einen Sicherungsfonds, der Lebensversicherer in der Pleite retten soll, doch auch der wird von Protektor gemanagt. 900 Millionen Euro haben die Lebensversicherer in den Topf eingezahlt, weitere 900 Millionen Euro müssten sie nachschießen, falls das Geld nicht reicht. Ist das genug, um einen Versicherer aufzufangen, der die Niedrigzinsphase nicht mehr durchsteht?

Schreckensgeschichte ohne Schrecken

Mit 1,8 Milliarden Euro, meint Westphal, komme man weit, da die Verträge ja nicht beendet werden. „Bei der Mannheimer haben wir 100 Millionen Euro eingesetzt, um erfolgreich die Kunden weiter bedienen zu können“, berichtet er. Verglichen mit damals gebe es heute zudem weitere Sicherheiten durch das neue, strengere Solvency II-Regime, das höheres Eigenkapital bei den Versicherern verlangt.

Für die Ex-Kunden der Mannheimer soll die einstige Schreckensgeschichte also ohne Schrecken enden. Im Gegenteil. Über den versprochenen Garantiezins hinaus haben die Versicherten vorübergehend auch Überschussbeteiligungen bekommen, zudem hat Protektor eine Zinszusatzreserve von 130 Millionen Euro aufgebaut, als Puffer in der Niedrigzinszeit. Aber auch die einstigen Geldgeber von Protektor sollen unbeschadet aus der Sache herauskommen. „Wir erwarten, dass Geld fließt“, sagt Westphal. „Unsere Aktionäre haben 91 Millionen Euro Eigenkapital bei Protektor bereitgestellt. Das möchten sie wiedersehen.“

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